Hundetraining

Mehr Freiheit im Freilauf – Richtig belohnen, konsequent handeln

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Freiheit im Freilauf durch Belohnungen und Konsequenzen

Idealerweise hat dein Hund beim Spaziergang anfänglich nur einen sehr kleinen Radius verbunden mit sehr Freiheit im Freilauf zur Verfügung. Dabei spielt es keine Rolle, ob dein Hund noch sehr jung oder auch schon älter ist. Durch einen kleinen Radius mit wenig Freiheit im Freilauf lernt er zunächst, auf dich zu achten und gewöhnt sich unerwünschtes Verhalten erst gar nicht an. Sobald dein Hund sich zuverlässig an dir orientiert erweiterst du den Radius und seine Freiheit im Freilauf Stück für Stück. So viel zum idealen Ablauf.

Zurück in die Realität. Meistens wird der Hund ruckzuck von der Leine gelassen und genießt damit verbunden (zu) viel Freiheit im Freilauf. Der Besitzer hofft das Beste, obwohl eine Orientierung an ihm oder wenigstens ein zuverlässiger Rückruf noch nicht gegeben sind. Der Hund lernt, dass er nur dann gehorchen muss, wenn auch er die Notwendigkeit dafür sieht. Ansonsten stellt er seine Ohren auf Durchzug und perfektioniert sein vom Menschen unerwünschtes Verhalten.

Aus Hundesicht ist dieses vom Besitzer oft als undankbar und ignorant empfundene Verhalten völlig verständlich. Unglücklicherweise reicht es nämlich nicht aus dem Hund ein schönes zu Hause zu bieten, sein Hundefutter zu zahlen und ihn zu lieben. Die Orientierung am Menschen bekommt man vom Hund nicht geschenkt. Jeder Besitzer muss sie sich im Zusammenleben mit dem Hund erstmal durch Regeln, Grenzen und Strukturen erarbeiten.

Du bekommst nun ein paar Tipps, wie dein Hund dir gegenüber wieder aufmerksamer wird. Zunächst solltest du daran arbeiten die Eigenmotivation deines Hundes zu aktivieren. Er soll selber herausfinden, dass es für ihn von Vorteil ist, wenn er dich aus freien Stücken, also ohne deine vorherige Aufforderung, öfter mal im Blick hat. Durch eine bessere Orientierung an dir, kannst du deinem Hund künftig mehr Freiheit im Freilauf einräumen.

 

Belohnung

Viele Hunde schauen ihren Besitzer anfänglich während des Spazierganges immer mal wieder kurz an. Die meisten Hundebesitzer bemerken das jedoch gar nicht oder messen dem Blickkontakt keine große Bedeutung zu. Der Hund lernt, dass es sich nicht lohnt seinen Menschen im Auge zu behalten. Die anfänglich vorhandene Eigenmotivation deines Hundes, dich selbstständig im Blick zu behalten, wird durch deine fehlende Rückmeldung immer weniger. Dein Hund wird sich statt dir also lieber immer öfter seiner spannenden Umwelt widmen, macht sein eigenes Ding und blendet seinen Menschen immer mehr aus. Kehre den Spieß wieder um, indem du die Eigenmotivation deines Hundes auf dich zu achten erneut aktivierst.

 

Belohnung von freiwilligen Blickkontakten

Ab sofort belohnst du jeden freiwilligen, nicht von dir durch Ansprache oder Schnalzen eingeleiteten Blickkontakt deines Hundes. Steck dir dafür einen Teil der Tagesration an Futter ein. Schaut dein Hund nun unaufgefordert zu dir, so lobst du ihn kurz gefolgt von einem Stück Futter. Ist dein Hund etwas weiter von dir entfernt, so fliegt das Futter nach dem Lob in seine Richtung. Hat dein Hund Spaß am Rennen, so wirfst du das Futterstück einfach hinter dich, weg vom Hund, damit er hinterher rennen kann. Dein Hund lernt, dass es ein Vorteil für ihn ist, wenn er dich öfter mal im Blick hat und ihr gemeinsam Spass habt.

Aber Vorsicht!

Verwechsle den freiwilligen Blickkontakt nicht mit Betteln. Läuft dein Hund aufgrund des gerade gegebenen Futterstückes mit hypnotischem Blick neben dir, so belohnst du das nicht. Dein Hund sollte sich nach der Futterbelohnung wieder kurz der Umwelt zuwenden. Schaut er dann erneut, so belohnst du diesen Blickkontakt wieder. Belohne die ersten Wochen wirklich jeden nicht bettelnden Blickkontakt deines Hundes. Sobald du merkst, dass dein Hund dich ständig im Blick hat, schleichst du die Futterbelohnung langsam wieder aus und belohnst nur noch jeden 4. oder 5. Blickkontakt mit Futter. Wichtig ist jedoch, auch weiterhin jeden Blickkontakt deines Hundes zu erwidern, sei es mit einem Lob, einem Lächeln oder sozialer Zuwendung.

 

Belohnung durch gemeinsames Suchspiel

Zusätzlich zur Belohnung vom Blickkontakt gaukelst du deinem Hund 2-3 Mal pro Spaziergang an immer unterschiedlichen Stellen vor, dass du tolle Dinge findest. Steck dir dafür vor jedem Spaziergang 2-3 richtig tolle Futterstücke ein, die dein Hund sonst nicht bekommt oder alternativ ein besonderes Spielzeug. Vom Hund unbemerkt lässt du während des Spazierganges ein Stück Futter oder das Spielzeug fallen. Veranstalte nun ein großes Trara: „Boh! Schau mal, was ich hier gefunden habe!“ Nutze kein Kommando oder Rückruf, denn du willst deinen Hund nur neugierig machen, damit er aus einem eigenen Wunsch heraus zu dir gelaufen kommt. Ist er bei dir angekommen, so darf er deinen tollen Fund fressen.

Du hast Sorge, dass dein Hund dadurch lernt wahllos Dinge vom Boden aufzunehmen? Dann kombiniere diese Übung mit dem Freigabe Kommando „Nimm’s“ und gib das Kommando, bevor dein Hund das Futter frisst. Arbeite zu Hause parallel am Kommando „Tabu“, damit du auch in der Lage bist Dinge zu verbieten. Alternativ nutze einfach ein Spielzeug statt Futter.

Noch eine kurze Info

Im vorangegangenen Freilauf Video spreche ich unter anderem den Richtungswechsel an, wenn dein Hund mal zu weit vorläuft. Vielleicht fragst du dich, ob du es belohnen solltest, wenn dein Hund nach deinem Richtungswechsel wieder zu dir aufschließt? Ich würde davon abraten, da eine Futterbelohnung bei einem sehr pfiffigen Hund dazu führen könnte, dass er in Zukunft extra etwas weiter vorläuft, um dich zum Umdrehen zu bewegen, ein Stück Futter zu ergattern und danach sofort wieder abzudüsen. Anerkennen solltest du seine tolle Idee, sich dir erneut anzuschließen aber dennoch. Ein nettes Lächeln oder kurzes Lob sind in dem Fall aber völlig ausreichend.

 

Konsequenz

Konsequenzen gehören im Leben dazu, denn ohne Konsequenzen wird dein Hund sein unerwünschtes Verhalten nicht ändern. Mal angenommen dein Hund hat sich irgendwo festgeschnüffelt und du möchtest, dass er aufschließt. Sprich deinen Hund 1 bis maximal 2 Mal freundlich motivierend mit seinem Namen an. Schaut er darauf hin zu dir, so gibst du dein Rückruf oder „Lauf weiter“ Kommando. Er kommt? Super. Freu dich über deinen tollen Hund und zeig ihm deine Freude.

 

Konsequenz durch Körpersprache

Er stellt die Ohren auf Durchzug und ignoriert deine Ansprache? Dein Hund muss nun merken, dass du seine Ignoranz nicht duldest. Wiederhole dein Kommando nicht, sondern geh festen Schrittes mit ernstem Blick und einem scharfen „Freundchen!“ direkt auf deinen Hund zu und verscheuche ihn von der Schnüffelstelle. Lade ihn danach freundlich ein, mit dir weiterzugehen. Er will erneut zur Schnüffelstelle laufen? Versperre ihm den Weg und wiederhole dein „Freundchen!“ und deinen festen Blick. Sobald dein Hund das macht, was du dir vorstellst wirst du sofort wieder positiv und weich in der Körpersprache und ihr geht gut gelaunt weiter.

 

Konsequenz durch Anleinen

Oder ist dein Hund zu Hause total anhänglich, aber draußen bist du meistens Luft für ihn? Dreh den Spieß mit der folgenden Übung um. Befestige deinen angeleinten Hund an einem Baum. Entferne dich nun von deinem Hund und ruf ihn aus der Entfernung. Da dein Hund durch die Leine nicht zu dir kommen KANN, wird der Drang verstärkt, dass er zu dir MÖCHTE. Lass ihn ein 1-2 Minuten schmoren und gehe dann zurück auf ihn zu.

Kurz bevor du ihn erreichst drehst du erneut ab, gehst kommentarlos an ihm vorbei und entfernst dich wieder. Würdige ihn dabei keines Blickes. Nun gehst du zurück zu deinem Hund, leinst ihn vom Baum ab und entlässt ihn wieder in den Freilauf, sofern die Umwelt es hergibt. Im Idealfall hat dein Hund dich nun besser im Blick und sein Drang in deiner Nähe zu sein hat sich verstärkt. Streue diese Übung immer mal wieder wohldosiert auf dem Spaziergang ein, wenn dein Hund seine Ohren gekonnt auf Durchzug stellt.

 

Konsequenz durch Wegschicken

Dein Hund rennt neugierig zu einem Passanten oder Hund und ignoriert deinen Rückruf dabei gekonnt? Dein Hund hat sich ungefragt von dir, also seinem Rudel, entfernt und das hat Konsequenzen. Sofern dein Hund sozial motiviert ist, ihm deine Nähe und Zuwendung also normalerweise wichtig sind, schließt du ihn nun für sein Fehlverhalten für eine Zeit vom Rudel aus.

Halte ihn, sobald er wiederkommt, körpersprachlich und mit einem scharfen „Ab“ auf Abstand. Sozial motivierte Hunde finden das echt schlimm und nehmen direkt eine leicht bedröppelte Haltung an. Lass deinen Hund ruhig ein bisschen schmoren und gehe nach deiner Ansage weiter und entferne dich von deinem Hund. Bleibt dein Hund verunsichert stehen, während du weitergehst, so rufe aus einiger Entfernung seinen Namen und signalisiere ihm damit, dass er sich dir wieder anschließen darf.

Bleibt dein Hund dennoch verunsichert stehen, so hocke dich kurz hin und rufe ihn erneut. Stehe auf, bevor dein Hund bei dir ankommt, damit er dich im Überschwang an Glücksgefühlen nicht umrennt. Wenn dein Hund wieder bei dir ist, bist du nett und freundlich. Es gibt nämlich keinen Grund zu schimpfen, denn seine Strafe hat dein Hund bereits durch den vorherigen Ausschluss aus deiner Nähe bekommen.  Achtung: Nutze diese Übung nicht, wenn dein Hund sehr unsicher oder ängstlich ist!

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