Bester Familienhund? Warum ich dir keine Rasse empfehle

Bester Familienhund? Warum ich dir keine Rasse empfehle

Du kennst dieses Bild: Ein goldener Hund liegt im Gras, ein Kleinkind kuschelt sich in sein Fell, und die Sonne scheint von hinten. Mit genau diesem Bild wird uns seit Jahrzehnten der Familienhund verkauft, in Werbespots, auf Futterpackungen und in gefühlt jeder zweiten Kleinanzeige. Unter einem meiner Videos kam deshalb neulich die Frage, welche Rasse denn nun am besten zu Kindern passt. Ich habe mich durch Studien, Fachbücher und Ratgeber gearbeitet und bin am Ende bei einer Antwort gelandet, die dich im ersten Moment enttäuschen wird: Eine Rasse empfehle ich dir nicht. Warum das die ehrlichere Antwort ist und worauf du stattdessen achten solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Warum „kinderlieb“ das falsche Etikett für den Familienhund ist

Wer abends auf dem Sofa durch Rasselisten scrollt, liest fast überall dasselbe. Labrador, Golden Retriever, Beagle, Havaneser oder Berner Sennenhund gelten als geduldig, verträglich und kinderlieb. Manche Portale empfehlen sogar Hütehunde wie den Border Collie ausdrücklich als freundlich und kinderlieb, solange man ihn körperlich und geistig fordert. Beim Malinois liest man ebenfalls, er könne mit guter Sozialisierung ein gelassener Familienhund werden.

Das Problem steckt im Wort selbst. Kinderlieb beschreibt einen einzelnen Hund, in einer bestimmten Familie und in einer bestimmten Situation. Eine ganze Rasse kann diese Eigenschaft gar nicht besitzen, genauso wenig wie alle Menschen aus einem Dorf geduldig mit Kleinkindern sind. Trotzdem steht das Wort in Anzeigen, als wäre es ein Gütesiegel. Und genau das macht es gefährlich, denn es beruhigt Eltern an der Stelle, an der sie besonders wach sein sollten.

Was die Rasse über das Verhalten deines Hundes verrät

Im Jahr 2022 hat ein Team um Kathleen Morrill im Fachjournal Science eine der größten Studien zu Rasse und Verhalten veröffentlicht. Die Forschenden haben die Halter von 18.385 Hunden befragt, Rassehunde genauso wie Mischlinge, und bei 2.155 Hunden zusätzlich das Erbgut untersucht. Das Ergebnis hat viele überrascht: Die Rasse erklärt nur rund neun Prozent der Unterschiede im Verhalten einzelner Hunde. Der große Rest steckt im individuellen Erbgut, im Alter und in allem, was ein Hund bis heute erlebt hat.

Für Familien besonders spannend ist ein Merkmal, das die Studie als Reizschwelle für Abwehrverhalten bezeichnet. Gemeint ist, wie schnell sich ein Hund von etwas Unangenehmem oder Bedrohlichem provoziert fühlt. Ausgerechnet hier sagt die Rasse fast gar nichts aus. Der Name auf dem Stammbaum verrät dir also kaum, wie dein Hund reagiert, wenn ihm ein Dreijähriger mit dem Bobbycar über die Pfote fährt.

Heißt das, die Rasse ist egal? Auch das wäre zu kurz gedacht. Dieselbe Studie zeigt nämlich, dass viele Verhaltensmerkmale durchaus erblich sind. Allerdings verteilt sich dieses Erbe innerhalb einer Rasse so breit, dass der Rassename wenig über deinen einzelnen Welpen aussagt. Deshalb lohnt sich der Blick auf seine Eltern, auf die Zuchtstätte und darauf, wie er die ersten Wochen verbracht hat, deutlich mehr als jede Rasseliste, wenn du einen Familienhund suchst.

Zwei europäische Studien und wenig Einigkeit

Weil die Morrill-Studie aus den USA stammt, habe ich zwei große europäische Erhebungen nebeneinandergelegt. Die Budapester Studie von Borbála Turcsán und ihrem Team aus dem Jahr 2011 beruht auf 5.733 Hunden aus 98 Rassen, bewertet von deutschsprachigen Haltern. Sie misst vier Eigenschaften, nämlich Trainierbarkeit, Kühnheit, Gelassenheit und Verträglichkeit mit anderen Hunden. Die finnische Studie von Milla Salonen und Kollegen aus dem Jahr 2023 umfasst dagegen über 11.000 Hunde in 52 Rassegruppen und erfasst sieben Eigenschaften, darunter Unsicherheit, Energie, Aggressivität und die Freundlichkeit gegenüber Menschen.

Vergleicht man die Ranglisten, ist die Übereinstimmung erstaunlich mäßig. Selbst bei der Verträglichkeit mit anderen Hunden, die beide Studien gleich definieren, liegt die Rangkorrelation nur bei knapp 0,5. Einige Befunde sind trotzdem stabil, zum Beispiel landet der Labrador in beiden Studien bei der Hundeverträglichkeit ganz oben. Solche Ergebnisse darfst du ernst nehmen, den Rest liest du besser als grobe Tendenz.

Und dann ist da noch ein Detail, über das ich beim Durcharbeiten fast gestolpert wäre. Eine Spalte für den Umgang mit Kindern gibt es in der Budapester Studie überhaupt nicht. Auch die finnische Studie erfasst die Freundlichkeit gegenüber Menschen allgemein, ohne Kinder gesondert auszuwerten. Die größten Rassestudien, die wir haben, können dir also gar nicht sagen, welche Rasse kinderlieb ist und damit als Familienhund taugt.

Gibt es überhaupt Studien zu kinderlieben Hunderassen?

Diese Frage hat mich so beschäftigt, dass ich weitergesucht habe. Fündig wurde ich bei einer Erhebung von Benjamin Hart und Mary Miller aus dem Jahr 1985. Damals stuften 48 Tierärzte und 48 Obedience-Richter 56 beliebte Rassen nach 13 Merkmalen ein, und eines davon hieß tatsächlich „Schnappen nach Kindern“. Später wurde diese Art der Befragung in Großbritannien und 2006 in Japan wiederholt, dort mit 96 Tierärzten. Interessanterweise fand die japanische Studie vor allem einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, denn Rüden wurden beim Schnappen nach Kindern höher eingeschätzt als Hündinnen.

Allerdings haben diese Ranglisten zwei große Haken. Erstens sind es Einschätzungen von Fachleuten über Rassen, also Meinungen und keine Beobachtungen einzelner Hunde. Zweitens messen sie das Gegenteil von kinderlieb, nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund nach Kindern schnappt. Ob ein Hund Kinder mag, hat bis heute niemand rasseweise gemessen.

Wesentlich näher an das, was Eltern mit kinderlieb meinen, kommt eine Befragung der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Das Team um Christine Arhant wollte von über 400 Familien mit Kindern bis sechs Jahren wissen, wie sich ihr Hund im Alltag gegenüber dem Kind verhält. Ausgewertet wurde dort allerdings nach der Vorgeschichte des Hundes und nach dem Alter des Kindes, und eben nicht nach Rasse. Dazu weiter unten mehr.

Labrador, Golden Retriever, Beagle: der Familienhund mit Tücken

Fangen wir mit dem Labrador an, dem Goldstandard unter den Familienhunden. In der Budapester Studie steht er mit 517 Hunden auf einer soliden Datenbasis und landet bei der Trainierbarkeit auf Platz 24 von 98, bei der Gelassenheit auf Platz 26 und bei der Hundeverträglichkeit auf Platz 10. Das sind gute Werte. Gleichzeitig hat der Labrador eine Eigenart, die in Familien mit Kindern schnell zum Thema wird. Forschende aus Cambridge haben 2016 eine Variante im sogenannten POMC-Gen gefunden, die mit mehr Gewicht und einer deutlich höheren Futtermotivation zusammenhängt. In einer Stichprobe von 411 Labradoren aus Großbritannien und den USA trugen 23 Prozent diese Variante.

Für den Alltag heißt das: Ein Kind, das mit dem Butterbrot durch die Küche läuft, ist für so einen Hund ein wandelndes Buffet. In der Wiener Befragung passierten die gemeldeten Verletzungen rund um Futter und Spielzeug übrigens beim Leckerli-Füttern und beim Apportierspiel. Aggressiv war dabei kein einziger Hund, es waren aufgeregte Hunde und kleine Kinderfinger. Mehr über diese Rasse liest du in meinem ausführlichen Porträt zum Labrador Retriever.

Hinzu kommt, dass Labrador nicht gleich Labrador ist. Eine schwedische Untersuchung zeigte, dass Labradore aus Arbeitslinien neugieriger und offener für Umweltreize sind als Labradore aus Showlinien. Beim Golden Retriever verhält es sich genau umgekehrt. Aus welcher Linie dein Welpe stammt, verändert also, was du zu Hause bekommst.

Der Golden Retriever selbst, der Hund aus jeder Werbung, landet in der Budapester Studie mit 364 Hunden bei der Gelassenheit auf Platz 36 und bei der Trainierbarkeit auf Platz 55. Das ist solides Mittelfeld und macht ihn keineswegs zu einem schlechten Familienhund. Es zeigt lediglich, dass sein Image größer ist als seine Daten. Dazu kommt eine praktische Seite, über die kaum jemand spricht: Ein ausgewachsener Golden wiegt um die dreißig Kilo und hat in der Pubertät die Körperbeherrschung eines Sofas auf Rollschuhen. In der Wiener Befragung hatten 53 von 326 Hunden das Kind schon einmal leicht verletzt, davon nur 11 durch Bisse. Am häufigsten waren Kratzer von den Pfoten und blaue Flecken, weil der Hund das Kind umgerannt hatte.

Schließlich bleibt der Beagle, der gern als kompakter Kinderhund verkauft wird. Er folgt vor allem seiner Nase und nur bedingt deinem Rückruf, und bei der Gelassenheit liegt er mit 200 Hunden auf Platz 46. Für Familien bedeutet das, dass der Beagle ein fröhlicher Begleiter sein kann, wenn jemand im Haus die Zeit und die Nerven für einen Jagdhund mitbringt. Die Kinder allein schaffen das nicht, und für Eltern ohne Erfahrung mit Jagdhunden ist er als Familienhund eine echte Herausforderung.

Malinois, Border Collie, Husky: wenn der Familienhund die Familie überfordert

Jetzt wird es persönlich, denn mit Klausi lebt bei uns selbst ein Malinois. In der Budapester Studie landet die Rasse bei der Trainierbarkeit auf Platz 14, bei der Gelassenheit aber auf Platz 89 und bei der Hundeverträglichkeit auf Platz 91. Mit 66 Hunden ist die Stichprobe zwar klein, die Richtung ist aber eindeutig: Dieser Hund lernt rasend schnell und kommt schwer zur Ruhe. Ein Trainer schreibt im Rassebuch von Gansloßer und Kollegen, dass es inzwischen Züchter gibt, die den Malinois als besonders familientauglich präsentieren, meist mit dem Zusatz, er müsse nur richtig erzogen und optimal beschäftigt werden. Gleichzeitig berichtet er von einer deutlichen Zunahme an Problem-Malinois in seiner Verhaltensberatung, die meisten davon in völlig überforderten Händen. Für wen der Malinois wirklich passt, habe ich in meinem Beitrag zum Malinois als Hunderasse ausführlich beschrieben.

Beim Border Collie sieht das Muster ähnlich aus. Mit 193 Hunden landet er bei der Trainierbarkeit auf Platz 4 und bei der Gelassenheit auf Platz 67. Ein Hütehund reagiert auf Bewegung, das ist seit Generationen sein Job. Eine Horde kreischender Kinder im Garten ist für ihn deshalb eine Einladung zur Arbeit, und dazu gehört im Zweifel auch mal ein Zwicken in die Wade. Für den Hund ist das logisch, für Eltern dagegen ein Schock.

Und auch der Husky, der bei Familien gerade so beliebt ist, verdient einen zweiten Blick. Bei der Gelassenheit steht er mit 51 Hunden auf Platz 5, bei der Trainierbarkeit dagegen auf Platz 86. Auf dem Papier klingt das nach einem entspannten Familienhund. Im Alltag heißt es oft, dass er drinnen gemütlich auf dem Sofa liegt und draußen seine eigenen Pläne verfolgt. Für eine Familie, in der das Gartentor ständig offen steht, weil die Kinder rein und raus rennen, ist das ein echtes Thema.

Familientauglich oder rudeltauglich?

Bei manchen Rassen lohnt sich ein genauerer Blick auf das Wort familientauglich. Im Kapitel über den Kanaan-Hund steht im selben Rassebuch, dass man dort lieber von rudeltauglich spricht. Der Unterschied klingt klein und ist im Alltag riesig. Ein rudeltauglicher Hund zählt die Menschen, die jeden Tag mit ihm unter einem Dach leben, zu seinem Rudel, die eigenen Kinder eingeschlossen. Besuchskinder dagegen duldet er, behält sie aber genau im Blick.

Über Herdenschutzhunde liest du dort fast dasselbe. Viele Familien lieben die enge Bindung, die diese Hunde zu den eigenen Kindern aufbauen. Die typische Zurückhaltung gegenüber Fremden verschwindet dadurch allerdings nicht, und genau die musst du als Halterin oder Halter gezielt auffangen. Denk zum Beispiel an einen Kindergeburtstag mit zwölf fremden Kindern im Garten. Für dich ist das eine Party, für einen Hund mit ausgeprägtem Schutzverhalten sind es zwölf laute Eindringlinge, die dein Kind umringen. Familientauglich heißt bei diesen Hunden also vor allem: tauglich für die eigene Familie.

Das Mops-Paradox: gelassen oder erschöpft?

An dieser Stelle wird die Statistik richtig unbequem. Suchst du in der Budapester Studie nach den gelassensten Rassen, findest du ganz weit oben den Mops auf Platz 8 und die Französische Bulldogge auf Platz 10. Rein nach diesen Zahlen wären das Traumhunde für Familien, gelassen und klein genug fürs Kinderzimmer.

Ein zweiter Blick lohnt sich trotzdem. Das Royal Veterinary College in London hat 2022 die Tierarztdaten von 4.308 Möpsen mit denen von 21.835 anderen Hunden verglichen. Möpse hatten innerhalb eines Jahres 1,9-mal so häufig mindestens eine Erkrankung, und beim Brachyzephalen Syndrom, also der Atemnot durch die verkürzte Schnauze, war das Risiko fast 54-mal so hoch. Die Forschenden schreiben, dass der Mops aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr als typischer Hund gelten kann. Ganz ähnlich sieht es bei der Französischen Bulldogge aus, der ich einen eigenen Beitrag gewidmet habe.

Deshalb stelle ich dir eine Frage, die kein Fragebogen beantworten kann: Ist ein Hund, der nach zwei Minuten Toben keine Luft mehr bekommt, gelassen oder schlicht erschöpft? Diese Rassen werden zudem oft gerade wegen der Kinder gekauft, weil das runde Gesicht so niedlich wirkt. Kinder lernen dabei, dass ein röchelnder Hund normal ist. In Deutschland verbietet das Tierschutzgesetz in Paragraf 11b Zuchten, bei denen die Nachkommen erblich bedingt leiden, und die extreme Kurzköpfigkeit gilt als eines der bekanntesten Beispiele. Wenn du dich tiefer mit dem Thema beschäftigen willst, findest du in meinem Hundeführerschein-Labor ein eigenes Modul zur Qualzucht.

Die unbequeme Zahl aus der Kinderchirurgie

Jetzt kommen wir zu dem Teil, der mich bei der Recherche am meisten beschäftigt hat. An der Kinderchirurgie der Medizinischen Universität Graz wurden Kinder und Jugendliche ausgewertet, die nach einem Hundebiss behandelt wurden. In 82 Prozent der Fälle kannte das Kind den Hund. Meistens war es also der eigene Hund oder der Hund von Oma und Opa. Eine belgische Untersuchung aus Notaufnahmen kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, und gerade bei kleinen Kindern passieren viele Bisse zu Hause, oft im Gesicht, am Kopf oder am Hals.

Die größere Gefahr geht also vom vertrauten Familienhund auf dem eigenen Sofa aus, weil wir ihm so sehr vertrauen, dass wir aufhören hinzuschauen. Genau das zeigt auch die Wiener Forschung. Das Team um Christine Arhant hat Eltern gefragt, wann sie zwischen Kind und Hund eingreifen würden. In mehr als der Hälfte der Fälle würden sie bei einer riskanten Situation mit dem eigenen Hund zuschauen, während sie bei einem fremden Hund dazwischengehen würden. Auf einem der gezeigten Bilder saß ein Kind mit dem Hund im Hundekorb, und die meisten Eltern fanden das mit dem eigenen Hund völlig in Ordnung.

Noch unbequemer ist ein Befund aus einer anderen Studie: Hundehalter erkannten die Angstsignale eines Hundes im Umgang mit einem Kind sogar schlechter als Menschen ohne Hund. Eine US-Studie an einem Traumazentrum fand außerdem, dass das Risiko eines Bisses ins Gesicht rund dreimal so hoch war, wenn vorher eine freundlich gemeinte Geste wie Streicheln oder Umarmen kam. Und wenn Streicheln dem Biss vorausging, waren in rund vier von fünf Fällen die Eltern dabei. Dabei sein allein reicht also nicht, du musst auch sehen, was der Hund dir gerade sagt. Wie du die leisen Warnzeichen erkennst, habe ich in meinem Beitrag zur Körpersprache des Hundes ausführlich erklärt.

Eine ältere Untersuchung derselben Forscherin, Ilana Reisner, lohnt ebenfalls einen Blick. Bei Kindern unter sechs Jahren gingen Situationen rund um Futter und Spielzeug einem Biss besonders häufig voraus. Zudem zeigten mehr als zwei Drittel der Hunde, die ein Kind gebissen hatten, auch in anderen Situationen Angst, etwa beim Alleinbleiben oder bei Gewitter. Ein ängstlicher Hund braucht in einer Familie mit kleinen Kindern deshalb besonders viel Schutz und Rückzug.

Was Kinder über Hundesprache lernen können

Kinder können Hundesprache noch viel schlechter deuten als wir Erwachsenen. Eine Forschungsgruppe aus Großbritannien hat gezeigt, dass kleine Kinder einen Hund, der die Zähne zeigt, häufig für fröhlich halten, weil es für sie wie ein Lächeln aussieht. Genau an diesem Punkt hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.

Deshalb habe ich ein Kartenspiel entwickelt, Hund und Kind: Die Hunde-Ampel. Es besteht aus 37 Lernkarten für Kinder von drei bis acht Jahren, gespielt wird gemeinsam mit Erwachsenen. Dein Kind schaut sich den Hund auf der Karte an und legt ihn auf Grün, Gelb oder Rot. Grün heißt, der Hund ist entspannt. Gelb heißt, er braucht eine Pause. Und Rot heißt weggehen und einen Großen holen. Lesen muss dein Kind dafür noch nicht können, und zu den Karten gehört ein interaktives Web-Spiel, mit dem ihr ein Jahr lang auch am Tablet weiterüben könnt.

Trotzdem gilt: Kein Kartenspiel ersetzt die Aufsicht. Die Verantwortung für jede Begegnung zwischen Kind und Hund liegt immer bei uns Erwachsenen.

Wenn der Hund vor dem Kind da war

Ein weiterer Wiener Befund betrifft vor allem Familien, in denen der Hund zuerst da war. Hunde, die schon vor dem Kind in der Familie lebten, zeigten gegenüber dem Kind mehr Angstverhalten und weniger Zuwendung als Hunde, die mit Kindern aufgewachsen sind. Der treue Familienhund, der seit Jahren dein bester Freund ist, erlebt das Baby also nicht automatisch als Familienzuwachs. Für ihn ist es erst einmal ein lautes, unberechenbares Wesen, das plötzlich überall herumkrabbelt.

Hilfreich sind deshalb ein fester Rückzugsort, an den das Kind nicht darf, ein Kindergitter für Momente, in denen du nicht hinschauen kannst, und viel Geduld. Auch das Wiener Team empfiehlt, dass Kinder Aufgaben rund um den Hund eher indirekt übernehmen. Ein Kind kann zum Beispiel einen Futterball befüllen und dann zuschauen, wie der Hund ihn hinter dem Gitter ausräumt.

So findest du den passenden Familienhund für euch

Was ich dir statt einer Rasse mitgeben will, ist ein anderer Blick. Schau dir den einzelnen Hund an und, wenn es ein Welpe ist, seine Eltern und wie er aufwächst. Frag den Züchter oder das Tierheim ganz konkret, wie dieser Hund reagiert, wenn es laut wird, wenn jemand an sein Futter geht oder wenn er schlafen will und nicht darf. Und schau vor allem ehrlich auf dich selbst, denn die wichtigste Frage lautet: Habt ihr die Zeit und die Nerven, Kind und Hund in den ersten Jahren wirklich zu begleiten?

Denk dabei bitte auch an den Tierschutz. Ein erwachsener Hund, dessen Verhalten gegenüber Kindern schon bekannt ist, kann für eine Familie die ehrlichere Wahl sein als ein Welpe, bei dem du erst in zwei Jahren weißt, wer da heranwächst. Gute Tierheime sagen dir offen, ob ein Hund schon mit Kindern erlebt wurde und wie er sich dabei verhalten hat, auch wenn die Antwort mal unbequem ist.

Übrigens sind sich auch die Fachleute nicht einig, ab welchem Alter der Kinder ein Hund einziehen sollte. Manche Empfehlungen nennen vier Jahre als Untergrenze. Andere raten davon ab, einen Hund unter einem Jahr mit einem Kind unter fünf Jahren zusammenzubringen, und wieder andere empfehlen, bis zum Schulalter zu warten. Das Wiener Team kommt zu dem Schluss, dass sich das nicht pauschal beantworten lässt, weil es auf die Menschen und den Hund ankommt. Ich finde, das ist die ehrlichste Antwort, die es gibt.

Wenn du bei der Rassewahl trotzdem einen ehrlichen Startpunkt suchst, mach den kostenlosen Perfect Match im Rassecheck. Dort siehst du nach rund fünfzehn Fragen, welche Rassen zu deinem Alltag passen und, mindestens genauso wichtig, welche nicht. Den perfekten Familienhund findest du dort zwar auch nicht, aber eine Auswahl, mit der du beim einzelnen Hund die richtigen Fragen stellen kannst.

Quellen

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  • Salonen M et al. (2023): Breed, age, and social environment are associated with personality traits in dogs. iScience 26. doi.org/10.1016/j.isci.2023.106691
  • Hart BL, Miller MF (1985): Behavioral profiles of dog breeds. Journal of the American Veterinary Medical Association 186.
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