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Chihuahua Qualzucht: Die Wahrheit über diese Hunde

Glubschaugen, Handtaschenformat und ein Loch im Schädel: Der Chihuahua ist die wahrscheinlich am meisten missverstandene Hunderasse Deutschlands. Auf Platz 5 der beliebtesten Rassen, rund 8.000 Welpen pro Jahr neu registriert und doch wissen die wenigsten Käuferinnen, was sich tatsächlich hinter dem süßen Gesicht verbirgt. Die Frage, ob der Chihuahua eine Qualzucht ist, beschäftigt seit Jahren Tierärztinnen, Verhaltensforscher und Tierschutzorganisationen. In diesem Beitrag geht es um das, was niemand auf den Welpenfotos auf Instagram zeigt: zuchtbedingte Krankheiten, Modetrends, illegalen Welpenhandel und die Frage, was man tun kann, wenn man die Rasse trotzdem liebt.

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Vom mexikanischen Straßenhund zum Modeaccessoire

Der Chihuahua ist die kleinste Hunderasse der Welt und gleichzeitig eine der ältesten. Seine Vorfahren, die sogenannten Techichi-Hunde, lebten bereits bei den Tolteken im präkolumbianischen Mexiko, einer Hochkultur, die zwischen 900 und 1150 nach Christus im zentralen Hochland Mexikos siedelte. Als die Azteken später das Toltekenreich übernahmen, übernahmen sie auch deren Hunde. Sie galten als spirituelle Begleiter ins Jenseits und standen, deutlich weniger romantisch, auch auf dem Speiseplan. Der spanische Eroberer Hernán Cortés beschrieb 1520 in einem Brief, dass die Azteken kleine Hunde züchteten und auf Märkten verkauften.

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten amerikanische Touristen in den Dörfern um den mexikanischen Bundesstaat Chihuahua kleine, robuste Straßenhunde. 1904 registrierte der American Kennel Club den ersten Chihuahua offiziell als Rasse. Erst 1956 kam der erste Chihuahua nach Deutschland.

Was diese Rasse aber wirklich verändert hat, war Hollywood. Reese Witherspoon trug 2001 einen Chihuahua durch Natürlich Blond. 2003 erschien Paris Hilton mit ihrer berühmten Tinkerbell auf jedem Red Carpet, in jeder Klatschzeitung, in jeder pinken Handtasche. 2008 brachte Disney Beverly Hills Chihuahua in die Kinos. Britney Spears, Madonna, Lady Gaga, Demi Moore — alle hatten und haben einen Chihuahua. Aus dem Wüstenhund wurde innerhalb weniger Jahre ein Modeaccessoire. Mit fatalen Folgen für die Tiere.

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Ist der Chihuahua Qualzucht?

Die kurze Antwort: ja. Die etwas längere Antwort findet sich auf der Webseite der QUEN-Datenbank (qualzucht-datenbank.eu), die das Qualzuchtgutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auswertet. Dort wird der Chihuahua ausdrücklich unter den betroffenen Rassen für u.a. das Qualzuchtmerkmal Brachyzephalie genannt. Auch das Tierschutzgesetz § 11b (das sogenannte „Qualzuchtverbot“) gilt theoretisch — das Problem: In der Praxis wird es kaum durchgesetzt, und das einschlägige Auslegungsgutachten dazu stammt aus 1999.

Eine Qualzucht liegt laut deutschem Tierschutzrecht dann vor, wenn züchterische Selektion zu Schmerzen, Leiden oder Schäden bei den Tieren führt, die auf die rassetypischen Merkmale zurückzuführen sind. Beim Chihuahua trifft das gleich auf mehrere Merkmale zu: die extreme Verkleinerung, die kurze Schnauze, die hervorstehenden Augen, der überproportional große Apfelkopf. Sie alle machen das Tier krankheitsanfällig und genau diese Merkmale sind im Rassestandard der FCI (Standard-Nummer 218) als wünschenswert verankert.

Die wichtigste Studie zu zuchtbedingten Schädelmissbildungen bei Chihuahuas stammt aus 2021. Das Forschungsteam um Kiviranta hat per Computertomographie 92 Prozent der untersuchten Chihuahuas mit persistierenden, also nicht geschlossenen, Fontanellen am Schädel diagnostiziert. 92 Prozent. Bei dieser Rasse ist der medizinische Defekt also nicht die Ausnahme — er ist die Regel

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Lizenz: Envato.com – Chihuahua mit Glubschaugen

Diese Krankheiten haben Chihuahuas wirklich

Die Liste der zuchtbedingten Krankheiten beim Chihuahua ist lang — und sie ist nicht kosmetisch. Wir reden hier nicht über kleine Unannehmlichkeiten, sondern über Defekte, die das Tier ein Leben lang begleiten und in vielen Fällen die Lebenserwartung deutlich verkürzen. Hier die wichtigsten Erkrankungen im Detail, alle wissenschaftlich belegt und alle relevant für jede potenzielle Käuferin.


Hydrocephalus: Wenn das Gehirn keinen Platz mehr findet

Beim Chihuahua Hydrocephalus — auf Deutsch: Wasserkopf — staut sich Gehirnflüssigkeit in den Hirnkammern, weil sie nicht richtig abfließen kann. Der eigentliche Grund liegt aber tiefer: Das Gehirn passt schlicht nicht in den geschrumpften Schädel. Wenn man einen Hund auf eine Endgröße von 1,5 Kilogramm runterzüchtet, wird das Skelett kleiner, das Gewicht sinkt, aber das Gehirn folgt nicht im selben Maß. Es braucht Mindestplatz für Neuronen, Strukturen und Funktion. In schweren Fällen nehmen die Hirnkammern bis zu 40 Prozent des gesamten Gehirnvolumens ein. Anders gesagt: Bei einem schwer betroffenen Tier besteht ein knappes Drittel von dem, was eigentlich Gehirn sein müsste, nur noch aus Flüssigkeit.

Die Folgen reichen von Krampfanfällen über Desorientierung und neurologische Ausfälle bis hin zu Lähmungen und Tod. Bei Welpen kann sich der Schädel kuppelförmig nach oben wölben, weil der innere Druck so groß wird, dass die noch nicht verknöcherten Schädelplatten ausweichen. Hydrocephalus ist die häufigste Großhirnmissbildung beim Hund und sie betrifft, wenig überraschend, vor allem die Kleinhunderassen: Chihuahua, Yorkshire Terrier, Pomeranian, Mops. Das ist keine Ausnahme. Das ist eine bekannte Rassendisposition.

Persistierende Fontanelle: Ein Loch im Schädel, ein Leben lang

Die offene Fontanelle Chihuahua ist die direkte Folge dieser Schädel-Gehirn-Diskrepanz. Bei Welpen ist es normal, dass die Schädelplatten zur Geburt noch nicht verknöchert sind — sie müssen ja durch den Geburtskanal passen. In den ersten Lebensmonaten wachsen die einzelnen Knochenstücke zusammen und schließen die Lücken, die Fontanellen genannt werden. Bei vielen Chihuahuas passiert das nie. Eine Studie aus 2021 von Kiviranta und Kollegen hat per Computertomographie nachgewiesen, dass 92 Prozent der untersuchten Chihuahuas mindestens eine offene Schädelstelle haben. 92 Prozent. Das sind nicht ein paar Pechfälle. Das ist die statistische Regel.

Die betroffenen Hunde laufen ein Leben lang mit einer Stelle am Kopf herum, an der zwischen Außenwelt und Gehirn nur noch Haut, Unterhaut und Hirnhäute liegen. Ein versehentlicher Tritt, ein Sturz vom Sofa, das Tapsen mit der Pfote eines größeren Hundes — alles kann zu einer Hirnverletzung führen. Eine Auswertung der Schädelbruchdaten dreier großer Veterinärkliniken zeigte, dass Chihuahuas neben Yorkshire Terriern überdurchschnittlich häufig mit Schädelfrakturen vorgestellt werden. Genau aus diesem Grund.

Chiari-ähnliche Malformation: Wenn Hirnteile nach unten gepresst werden

Die Chiari-ähnliche Malformation ist die wahrscheinlich unbekannteste, aber gleichzeitig eine der dramatischsten Erkrankungen beim Chihuahua. Sie funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie der Hydrocephalus, betrifft aber einen anderen Teil des Gehirns. Bei der Chiari-Malformation passt das Kleinhirn nicht mehr richtig in den hinteren Schädelbereich. Weil der gezüchtete Schädel zu klein ist, werden Teile des Kleinhirns durch das sogenannte Hinterhauptsloch gepresst — eine Öffnung, die eigentlich nur für Blutgefäße und Nervenstränge vorgesehen ist. Die Folgen sind dramatisch.

Die durchgepressten Hirnteile blockieren den normalen Abfluss der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Der Druck im Schädel und im Rückenmarkskanal steigt. Es entstehen Schmerzen und zwar massive Nervenschmerzen, die für den Hund ständig präsent sind. Eine finnische Studie an 53 Chihuahuas brachte ein Ergebnis: Alle 53 Tiere wiesen die Chiari-ähnliche Malformation auf. 100 Prozent.

Bei anderen Kleinhunderassen wie dem Cavalier King Charles Spaniel, dem Yorkshire Terrier und dem Pomeranian tritt die Erkrankung ebenfalls gehäuft auf — beim Cavalier so dramatisch, dass das norwegische oberste Berufungsgericht 2023 ein Zuchtverbot für die Rasse verhängt hat. Begründung: das Leiden der Tiere sei aufgrund der Chiari-ähnlichen Malformation nicht mehr mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Das Tückische: Viele Halterinnen erkennen die Symptome lange nicht.

Die Hunde zeigen sie auf eine Weise, die leicht zu übersehen ist. Charakteristisch ist das sogenannte Phantomkratzen, der Hund kratzt sich am Hals oder hinter dem Ohr, ohne dabei aber tatsächlich die Haut zu berühren. Ein Kratzen in der Luft. Andere Anzeichen sind das Pressen des Kopfes gegen Wände oder Möbel, plötzliches Schreien ohne erkennbaren Anlass, Vermeidung von Berührungen am Kopf und Gangunsicherheiten. Was wie eine Marotte aussieht, ist tatsächlich der Versuch des Tieres, mit massiven Nervenschmerzen umzugehen. Wenn dein Chihuahua sich also gelegentlich am Kopf kratzt und dabei die Haut nicht trifft, bitte ernst nehmen und tierärztlich abklären lassen. Diagnostisch ist die CM nur per MRT zuverlässig zu erfassen.

Patellaluxation beim Chihuahua: Die rutschende Kniescheibe

Die Patellaluxation ist so verbreitet, dass jede Chihuahua-Halterin den Begriff früher oder später kennenlernt. Die Kniescheibe rutscht aus ihrer Führungsrille, entweder nach innen oder nach außen, beim Chihuahua meistens nach innen. Der Hund lahmt plötzlich, hält das Beinchen hoch, hüpft auf drei Beinen weiter. Sobald die Kniescheibe wieder zurückrutscht, läuft er normal weiter, als wäre nichts gewesen. Genau das macht die Sache trickreich, weil viele Halterinnen das Phänomen für eine Marotte halten und nicht zum Tierarzt gehen.

Dabei ist jeder Luxationsvorgang mit Schmerzen verbunden, und auf Dauer verschleißt das Gelenk. In fortgeschrittenen Fällen ist eine Operation unumgänglich. Die Ursache ist eine angeborene Achsenfehlstellung der Hinterbeine — schlicht: O-Beine. Das ist typisch für klein gezüchtete Rassen, weil beim Verkleinerungsprozess die Beinachsen oft mit verzogen werden. Vererbt wird das Ganze auch noch zuverlässig, weshalb Patellaluxation in jeder seriösen Zuchtuntersuchung getestet werden muss.

Trachealkollaps: Wenn die Luftröhre kollabiert

Die Knorpelringe, die die Luftröhre offen halten sollten, sind beim Chihuahua oft zu schwach. Unter dem normalen Atemdruck, vor allem bei Aufregung, Anstrengung oder beim Ziehen an der Leine, fallen sie in sich zusammen. Der Hund hustet plötzlich trocken und gänsehaft, klingt fast wie eine Hupe, kriegt schwer Luft. In schweren Fällen wird das Atmen zur Dauerbaustelle. Was man als Halterin tun kann: niemals ein Halsband nutzen, sondern ausschließlich ein gut sitzendes Brustgeschirr. Wer einem Chihuahua mit Anlage zum Trachealkollaps ein Halsband umlegt, riskiert akute Atemprobleme bei jedem Leinenzug.

Brachyzephalie beim Chihuahua: Atemnot wie beim Mops, nur kleiner

Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass der Chihuahua zu den brachyzephalen, also kurzschnäuzigen, Rassen gezählt wird. Beim Mops ist es offensichtlich, beim Chihuahua weniger spektakulär — aber medizinisch gilt dasselbe Problem: Die Schnauze ist zu kurz, der Nasen-Rachen-Raum ist zu eng, der Atemwiderstand ist erhöht. Wenn ein Chihuahua schnarcht wie ein Lastwagenfahrer auf einer Autobahnraststätte, ist das nicht süß. Das ist ein Symptom des brachyzephalen Syndroms. Die QUEN-Qualzucht-Datenbank führt diesen Hund ausdrücklich unter den Rassen, bei denen das Qualzuchtmerkmal Brachyzephalie auftritt.

Das heißt: Die Atemnot beim Chihuahua ist offiziell als zuchtbedingter Schaden anerkannt. Trotzdem werden, vor allem aus russischen Zuchtlinien, immer noch Chihuahuas mit immer kürzeren Nasen produziert, die Tiere sehen aus wie Teddybären und lassen sich gut verkaufen, weil sie das Kindchenschema noch stärker bedienen. Tierschutzrechtlich ist das ein Skandal. Verkaufstechnisch ein Erfolgsmodell.

Zahnprobleme: 42 Zähne, kein Platz

Ein ausgewachsener Hund hat 42 Zähne im Gebiss. Egal, ob Bernhardiner oder Chihuahua — 42 Zähne. Das Problem: Beim Chihuahua hat das Maul ungefähr die Größe einer halben Praline. Die Zähne haben dort schlicht keinen Platz. Sie stehen schief, drängeln sich gegenseitig, sammeln Plaque, entzünden sich, fallen aus. Es gibt einen Spruch unter Chihuahua-Halterinnen, der mehr Wahrheit enthält, als ihn lustig macht: So gut wie kein Chihuahua wird alt und hat noch alle Zähne. Viele werden im Alter von wenigen Jahren ihre ersten Zahnsanierungen durchlaufen, und es ist üblich, dass im Alter das gesamte Gebiss gezogen werden muss.

Hinzu kommt ein anatomisches Detail, das man kennen sollte: Der Unterkieferknochen ist bei manchen Chihuahuas so dünn geworden, dass er beim Kauen auf hartem Futter brechen kann. Halterinnen bekommen nach Zahnsanierungen oft die Auflage, das Tier nichts Hartes mehr beißen zu lassen. Knochen, harte Kausnacks, klassisches Hundespielzeug zum Kauen — alles tabu, weil der Kiefer brechen könnte.

Geburtsschwierigkeiten beim Chihuahua

Die meisten Hündinnen können nicht mehr natürlich gebären. Die Welpen-Köpfe sind im Verhältnis zum Geburtskanal zu groß. Ergebnis: geplanter Kaiserschnitt als Standardprozedur. Seriöse Züchterinnen planen den Kaiserschnitt-Termin von vornherein ein und züchten nur mit Hündinnen, deren Becken überhaupt eine vaginale Geburt zulässt. Was das bedeutet, ist absurd: Wir haben hier eine Hunderasse, die ohne medizinische Hilfe schlicht nicht mehr fortpflanzungsfähig ist. Ohne Tierärztin, ohne Skalpell, ohne Inhalationsnarkose wären die Tiere längst ausgestorben. Das ist kein Naturhund mehr. Das ist eine medizinisch alimentierte Rasse.

Weitere Probleme im Überblick

Hinzu kommen Erkrankungen, die im Einzelfall ebenso schwerwiegend sein können:
Mitralklappeninsuffizienz (eine Herzklappenerkrankung, die bei Kleinhunden überdurchschnittlich häufig auftritt)
Hypoglykämie (Unterzuckerung durch den schnellen Stoffwechsel — deshalb das ständige Zittern)
Augenverletzungen und chronisch trockene Augen durch die hervorstehenden Glubschaugen
Tränen-Nasen-Kanal-Verschlüsse mit den charakteristischen rotbraunen Tränenspuren unter den Augen Verletzungsanfälligkeit des gesamten Skeletts. Ein gesunder Sprung vom Sofa, der einen Labrador nicht beeindruckt, kann beim Chihuahua zu einem Knochenbruch führen. Wer einen Chihuahua hält, plant Tierarztbesuche besser nicht punktuell, sondern kalendarisch.

Teacup Chihuahuas: Die Steigerung des Wahnsinns

Wenn der normale Chihuahua schon problematisch ist, dann sind Teacup Varianten der Tiefpunkt. „Teacup“ ist keine offizielle Rasse, sondern eine Marketing-Erfindung: Hunde, die so klein sind, dass sie in eine Teetasse passen. Unter einem Kilogramm, manche unter 500 Gramm.

Wie kommt man dazu? Indem man die kleinsten und schwächsten Welpen aus einem Wurf — die ohnehin oft genetisch belastet sind — gezielt untereinander verpaart. Mit allen Defekten der Mutterrasse, nur in potenzierter Form: Wasserkopf, Patellaluxation, Atemwege, Zähne. Alles. Nur in Mini.

Die VDH-Zuchtordnung verbietet die Zucht solcher Tiere seit 2018; das Mindestgewicht für Zuchttiere liegt bei einem Kilogramm. Klingt gut. Funktioniert aber nur dort, wo der Verband für das Deutsche Hundewesen tatsächlich Einfluss hat und das ist nicht da, wo Teacup-Hunde verkauft werden. Nämlich auf Plattformen wie Quoka, Markt.de, Kleinanzeigen.de und Co. Der Deutsche Tierschutzbund spricht in diesem Zusammenhang von „mafiösen Strukturen“. 2023 wurden mindestens 731 Tiere im illegalen Welpenhandel beschlagnahmt, die meisten waren Hunde, viele davon kleine Rassehunde wie der Chihuahua.

Chihuahua Charakter und Erziehung: Mehr Hund, als man denkt

Eines der hartnäckigsten Klischees rund um den Chihuahua ist die Annahme, kleine Hunde müssten nicht so richtig erzogen werden. Sie sind ja klein. Sie passen ja auf den Schoß. Falsche Annahme und gleichzeitig der Grund, warum die Rasse einen so schlechten Ruf hat.

Eine vielzitierte Studie der University of Pennsylvania aus 2008, basierend auf über 6.000 Hundehaltern aus mehr als 30 Rassen, hat gezeigt: Dackel, Chihuahuas und Jack Russell Terrier zeigten die höchsten Raten ernsthafter Aggression. Gegenüber Fremden, gegenüber anderen Hunden und sogar gegenüber den eigenen Haltern. Eine spätere finnische Studie der Universität Helsinki aus 2021 mit über 9.000 Hunden hat das bestätigt: Kleine Hunde haben statistisch eine höhere Wahrscheinlichkeit, aggressives Verhalten zu zeigen, als mittelgroße oder große.

Aber: Aggression ist nicht in den Genen, Aggression ist in der Erziehung. Das Small Dog Syndrome, auf Deutsch oft als „Kleinhundesyndrom“ bezeichnet, ist eigentlich eine Krankheit der Halterinnen und Halter. Kleine Hunde dürfen, was große Hunde nicht dürfen: aufs Bett, auf den Schoß, Besucher anbellen, an der Leine ziehen. Eine Studie von Arhant et al. aus 2010 (Veterinärmedizinische Universität Wien) zeigte: Halterinnen kleinerer Hunde sind in der Erziehung deutlich inkonsequenter, nutzen seltener konsequente Trainingsmethoden und unternehmen weniger gemeinsame Aktivitäten mit ihrem Hund. Genau diese Faktoren korrelieren mit Verhaltensproblemen.

Der Chihuahua ist tatsächlich ein hochintelligenter, mutiger und selbstbewusster Hund mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt. Wer ihn ernst nimmt, ihm Grenzen setzt und ihm beibringt, sich in der Welt zu benehmen, bekommt ein bemerkenswert tolles Tier. Wer ihn wie ein Plüschtier behandelt, das in die Handtasche gehört, macht ihn nervlich kaputt.

Chihuahua kaufen: Worauf du achten musst

Wer trotz allem einen Chihuahua haben möchte, sollte ein paar Regeln beherzigen — und niemals, wirklich niemals, von Kleinanzeigen-Plattformen kaufen.

Die wichtigsten Punkte für den Chihuahua Kauf:

Schau dir die Elterntiere an, bevor du dich entscheidest. Frag nach Hydrocephalus-Tests, Patellaluxation-Untersuchungen, Herz-Befunden. Bestehe darauf, dass die Welpen mindestens zwölf Wochen alt sind, bevor sie das Muttertier verlassen, und mindestens ein Kilogramm wiegen. Achte darauf, dass der Züchter Mitglied in einem anerkannten Zuchtverband ist und nicht stur das Geschäft abwickelt, sondern dir selbst Fragen stellt — über deine Wohnsituation, deine Erfahrung mit Hunden, deine Verfügbarkeit. Ein guter Züchter will wissen, in welche Hände sein Welpe kommt.

Ein seriös gezüchteter Chihuahua kostet zwischen 1.000 und 1.800 Euro. Angebote unter 500 Euro sind ein klares Warnsignal. Sehr klare Empfehlung: Adoptiere einen Chihuahua aus dem Tierheim. Es sitzen genug da. Auch in Deutschland. Auch jetzt gerade — viele davon mit der ganzen Vorgeschichte des illegalen Welpenhandels und entsprechend dankbar für ein gutes Zuhause.

FAQ – Häufige Fragen zur Chihuahua Qualzucht

https://youtu.be/2AULqIvLmt0


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