Inhalt
- 1 Vorab in eigener Sache
- 2 Vom Nischenhund zum globalen Statussymbol
- 3 Französische Bulldogge – Eine Engländerin in Frankreich
- 4 BOAS: Wenn Atmen zur Arbeit wird
- 5 Der Gendefekt, den jede Französische Bulldogge trägt
- 6 Warum die Französische Bulldogge sich kaum noch natürlich fortpflanzen kann
- 7 Exotic Frenchies: Wenn Modefarben zu Tierschutzproblemen werden
- 8 Niederlande verbietet, Deutschland sieht zu
- 9 Was du tun kannst, wenn du schon eine Französische Bulldogge hast
- 10 Fazit: Die Französische Bulldogge ist nicht das Tier, das die Werbung verkauft
- 11 FAQ – Häufige Fragen zur Französischen Bulldogge
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Die Französische Bulldogge: Sie watscheln durch jede deutsche Großstadt. Auf Instagram posieren sie wie selbstverständlich. Lady Gaga, Leonardo DiCaprio und unzählige Berliner Twentysomethings tragen sie auf dem Schoß. Gleichzeitig hat diese Rasse laut einer Studie des Royal Veterinary College die kürzeste Lebenserwartung aller Hunderassen in Großbritannien. Wie passt das zusammen? Tatsächlich verbirgt sich hinter der niedlichen Optik eine unbequeme Realität.
Disclaimer:
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die in diesem Artikel verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.
Vorab in eigener Sache
Ich produziere gerade außerdem eine große Doku-Serie über Qual- bzw. Defektzuchten, weil wir uns bei extremen Körperformen leider oft Gesundheit „reinzüchten“, die keiner schönreden sollte. Willst du das nicht verpassen? Dann abonniere unbedingt den Newsletter oder meinen YouTube-Kanal. Wenn du als Halter oder Züchter deine Geschichte teilen möchtest, dann schreib mir gern eine E-Mail an info@dogstv.de .
Vom Nischenhund zum globalen Statussymbol
Die Französische Bulldogge ist innerhalb von zehn Jahren vom Nischentier zum Trendhund Nummer eins geworden. Eine Zahl zeigt das Ausmaß: 2015 wurden in den USA rund 16.000 Französische Bulldoggen pro Jahr neu registriert. Im Jahr 2022 waren es fast 100.000. Das ist eine Versechsfachung in nur sieben Jahren. Außerdem hat der Frenchie 2022 eine kleine Sensation gebaut. Er hat den Labrador vom Thron gestoßen. Davor war diese Rasse 31 Jahre lang unangefochten die beliebteste in Amerika.
Auch in Deutschland sieht das Bild ähnlich aus. In Berlin, München und Hamburg ist die Französische Bulldogge mittlerweile Rasse Nummer eins. Bundesweit steht sie zudem konstant unter den Top fünf. Wer sich heute durch Berlin-Mitte bewegt, kommt nicht weit, bis ihm das nächste Bündel aus Fledermausohren, Kulleraugen und keuchender Atmung entgegenkommt.
Was diesen Aufstieg ausgelöst hat, sind drei Faktoren, die ungefähr gleichzeitig wirksam wurden. Erstens die Promis: Lady Gaga adoptierte in den frühen 2010ern ihre Frenchies Koji, Gustav und Miss Asia und postete sie ständig auf Instagram. Daneben Leonardo DiCaprio mit Django, Hugh Jackman mit Dali, Dwayne „The Rock“ Johnson mit Hobbs, Reese Witherspoon, Justin Bieber, Madonna und viele andere. Zweitens Instagram selbst: Eine Auswertung aus 2021 listet die Französische Bulldogge unter den drei meistgeposteten Hunden auf der Plattform weltweit. Drittens die zunehmende Urbanisierung. Wer im sechsten Stock einer 60-Quadratmeter-Wohnung lebt, kann sich keinen Labrador halten. Die Französische Bulldogge braucht wenig Platz, wenig Auslauf und passt sich der urbanen Lebenswelt perfekt an.
So weit die Erfolgsgeschichte. Doch das, was die Französische Bulldogge zum Trendhund gemacht hat, ist genau das, was sie krank werden lässt.
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Französische Bulldogge – Eine Engländerin in Frankreich
Die Französische Bulldogge ist, das verrät der Name nicht ganz, ursprünglich Engländerin. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in England das sogenannte Bull-Baiting populär. Dabei wurden Hunde darauf trainiert, sich in der Nase eines angeketteten Bullen festzubeißen. Für diesen blutigen „Sport“ wurden die Bulldoggen gezüchtet: kompakt, muskulös und mit kurzer Schnauze, damit sie beim Reinbeißen noch atmen konnten. Die kurze Schnauze, sie war von Anfang an dabei.
Im Jahr 1835 verbot das britische Parlament dann das Bull-Baiting. Daraufhin wurden die Bulldoggen arbeitslos. Manche Züchter machten sie deshalb kleiner und salonfähiger. In Nottingham hatten Spitzenklöpplerinnen eine besondere Vorliebe für diese Mini-Bulldoggen. Als die industrielle Revolution ihre Werkstätten verschwinden ließ, wanderten viele dieser Frauen nach Nordfrankreich aus. Ihre kleinen Bulldoggen wanderten mit.
In Paris wurde die Französische Bulldogge zum Lieblingshund der Belles de Nuit, also der Edelprostituierten von Montmartre. Von dort arbeitete sich die Rasse die soziale Leiter hoch. Toulouse-Lautrec malte einen Frenchie namens Bouboule. Auch die russische Zarenfamilie hielt sich welche. König Edward VII. ließ sich 1899 in Balmoral mit seinem Frenchie namens Peter fotografieren. Auf der Titanic war 1912 ein Frenchie an Bord, der dem amerikanischen Banker Robert Williams Daniel gehörte. Er hieß Gamin de Pycombe und hatte 150 britische Pfund gekostet, was heute über 10.000 Pfund entspricht.
Zwischen 1920 und etwa 2010 war es dann lange still um die Französische Bulldogge. Sie war ein Nischenhund für Liebhaber, mehr nicht. Erst der oben beschriebene dreifache Trigger aus Promis, Instagram und Urbanisierung hat sie aus diesem Nischendasein katapultiert. Mit allen Konsequenzen, die heute sichtbar sind.

BOAS: Wenn Atmen zur Arbeit wird
Wer sich mit der Französischen Bulldogge beschäftigt, stößt schnell auf einen Begriff: BOAS. Brachyzephales Obstruktives Atemwegssyndrom. Auf Deutsch heißt das: Diese Hunde bekommen keine Luft. Und damit nicht so etwas wie „kriegen schwer Luft, also gerade so“. Anatomisch gesehen ist die Atmung für eine Französische Bulldogge ein Vollzeitjob.
Was im Körper passiert, ist das Ergebnis konsequenter Selektion auf eine immer kürzere Schnauze. Ein normaler Hundeschädel mit normaler Nase und normalen Nasenmuscheln wurde züchterisch auf ein Drittel der ursprünglichen Länge zusammengestaucht. Die Nase wurde platt, die Nasenmuscheln aber nicht. Sie wurden in den verbleibenden Restraum reingequetscht. Heute sind die Nasenlöcher keine Löcher mehr, sondern schmale Schlitze. Hinten im Rachen hängt überschüssiges Schleimhautgewebe, das bei jedem Atemzug mitvibriert. Außerdem ist die Luftröhre oft zu eng.
Das Ergebnis ist dieser typische Frenchie-Sound, den uns Insta-Reels als „süß“ verkaufen. Das Schnarchen, das Grunzen, das Rasseln, das Reverse-Niesen. Wer schon mal eine Französische Bulldogge halten hat, kennt das. Was viele Frenchie-Halter aber nicht wissen: Dieses Schnarchen ist kein niedliches Rasse-Feature. Es ist ein Symptom. Schnarchen zeigt, dass dieser Hund gerade nicht richtig atmen kann.
Fühl es selbst, wie die Französische Bulldogge atmet
Wer das verstehen will, kann sich einen einfachen Selbsttest machen. Trinkhalm holen, Nase zuhalten, drei Minuten ausschließlich durch den Strohhalm atmen. Im Sitzen. Dann aufstehen, durchs Zimmer gehen, immer noch durch den Strohhalm atmen. Dann zehn Kniebeugen. Wie fühlt sich das an? Genau so atmet eine durchschnittliche Französische Bulldogge ihr ganzes Leben lang. Beim Spielen, beim Spaziergang, im Sommer, vor Aufregung. Vierundzwanzig Stunden am Tag und das sieben Tage die Woche.
Im Sommer wird es besonders kritisch. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur über die Atmung. Sie hecheln, das verdunstet Feuchtigkeit, das kühlt sie. Bei der Französischen Bulldogge ist dieser Mechanismus jedoch kaputt, weil die Nasenmuscheln zerquetscht sind. Frenchies kollabieren regelmäßig im Sommer, bei Aufregung oder beim Spielen. Hitzschlag gehört zu den häufigsten Todesursachen dieser Rasse.
Es gibt Operationen, die das lindern können. Die Nasenlöcher werden vergrößert, Nasenmuscheln gelasert, Schleimhauttaschen entfernt. Das hilft. Aber es macht den Hund nicht gesund. Es macht ihn weniger krank.
Der Gendefekt, den jede Französische Bulldogge trägt
Es gibt einen Gendefekt namens DVL2. Diese Mutation in einem Entwicklungsgen ist für eine ganze Reihe der typischen Frenchie-Eigenschaften verantwortlich. Dazu gehören die kurze Schnauze, der flache Schädel, die großen Augen, die Wirbelsäulenmissbildungen und die Stummelrute. All das auf einmal. Dieser Gendefekt sitzt praktisch in 100 Prozent aller Französischen Bulldoggen. Es gibt keinen reinrassigen Frenchie auf der Welt, der diesen Defekt nicht hat.
Beim Menschen heißt eine sehr ähnliche Genmutation Robinow-Syndrom. Eine extrem seltene Erkrankung, von der in Deutschland pro Jahr etwa zwei Kinder betroffen geboren werden. Diese Kinder haben oft eine flache Stirn, große Augen, eine sehr kurze Nase und Wirbelsäulenmissbildungen. Niemand würde das in der Humanmedizin „süß“ nennen. Beim Hund mit der gleichen Genetik basteln wir uns daraus eine Modeerscheinung. Professor Achim Gruber, Tierpathologe an der FU Berlin, formuliert das so: Wir haben bei Hunden durch Inzucht das kultiviert und finden das schön, was wir für unsere eigenen Kinder und Enkelkinder nicht wollen.

Die Folgen für die Französische Bulldogge
Die Folgen dieses gezüchteten Defekts sind weitreichend. Französische Bulldoggen haben heraustretende Augen, die anfällig sind für Verletzungen und Entzündungen. Außerdem führen enge Gehörgänge zu chronischen Ohrenentzündungen. Hinzu kommt ein hohes Risiko für Bandscheibenvorfälle. Auch ihr verkrüppelter Stummelschwanz ist problematisch, denn damit können die Hunde kaum kommunizieren. Die meisten Französischen Bulldoggen sind zudem Allergiker, mit Futtermittel- oder Umweltallergien oder beidem. Eine deutsche Studie kam zu dem Ergebnis: 52 Prozent aller untersuchten Hunde haben Allergien.
Und dann die Zahl, mit der jede ehrliche Diskussion über diese Rasse anfängt und endet. Im Vereinigten Königreich wertete das Royal Veterinary College 2022 eine riesige Datenbank tierärztlicher Fälle aus. Ergebnis: Die Französische Bulldogge hatte unter allen untersuchten Rassen die kürzeste Lebenserwartung. Spätere Studien aus anderen Ländern kommen auf 7,7 Jahre in der Schweiz, 8,3 in Deutschland, 9,8 in einer britischen Folgestudie. Egal welche Zahl du nimmst, alle liegen weit unter dem, was ein Hund dieser Größe schaffen müsste. Ein gesunder kleiner Hund kann 16, 17, 18 Jahre alt werden. Eine Französische Bulldogge schafft mit Glück die Hälfte.
Warum die Französische Bulldogge sich kaum noch natürlich fortpflanzen kann
Bei der Französischen Bulldogge ist die Fortpflanzung keine Privatsache zwischen zwei Hunden mehr. Sie ist zu einer tierärztlichen Dienstleistung geworden. Rein anatomisch sind Frenchies kompakte, breite, kurzbeinige Hunde. Der Rüde hat es schwer, die Hündin zu besteigen. Das Becken ist schmal, die Atmung wird beim Decken zur Belastung, die Mechanik passt schlecht zusammen.
Heißt das, dass Frenchies sich nicht selbst fortpflanzen können? So weit geht es zum Glück noch nicht. Es geht, es funktioniert auch manchmal ungeplant. Aber es ist erschwert und oft mit Verletzungs- und Überhitzungsrisiko für beide Tiere. Deshalb läuft seriöse Frenchie-Zucht heute überwiegend über künstliche Besamung. Der Grund ist nicht, dass es anders gar nicht ginge. Vielmehr ist es planbarer. Und in einer Rasse, in der jeder Hund ein medizinisches Problemfeld ist, geht man lieber kein Risiko ein.
Und dann kommt die Geburt. Eine RVC-Studie aus 2022 hat ergeben, dass Französische Bulldoggen ein fast sechzehnmal höheres Risiko für Geburtskomplikationen haben als Mischlinge. Eine viel zitierte britische Untersuchung von Evans und Adams aus 2010 hat bei der Französischen Bulldogge eine Kaiserschnitt-Rate von 81 Prozent ermittelt.
Was das in der Realität bedeutet, lässt sich an einer einzelnen Züchterin verstehen. Ich habe für mein Video mit Kathi gesprochen, einer ehemaligen Frenchie-Züchterin. Sie hatte vier Würfe, drei davon per Kaiserschnitt, einer mit aufgeplatzter Naht und Klinikaufenthalt. Die Tierarztkosten ihrer vier Hunde über die Jahre: rund 20.000 bis 25.000 Euro. Eine andere Halterfamilie, die ich für das Video besucht habe, hat allein für die BOAS-Operationen ihres Hundes 10.000 Euro bezahlt. Und sie haben zwei Frenchies.
Wer also denkt, eine kleine Bulldogge kostet weniger als ein Schäferhund, weil sie weniger frisst, denkt zu kurz. Eine Französische Bulldogge kostet lebenslang mehr. Die Zahlen sind dokumentiert.
Exotic Frenchies: Wenn Modefarben zu Tierschutzproblemen werden
Wer in den letzten Jahren auf Instagram oder TikTok unterwegs war, ist ihnen begegnet: den Exotic Frenchies. Französische Bulldoggen, die nicht in den FCI-Standardfarben (gestromt, fawn, pied) gezüchtet werden, sondern in Modefarben wie Blue, Lilac, Isabella, Merle, Platinum, Big Rope oder Fluffy. Klingt nach Eiscreme-Karte, ist aber eine Auflistung von Tierschutzproblemen.
Blue ist die genetische Verdünnung von Schwarz, der sogenannte Dilute-Faktor. Lilac ist die Verdünnung von Schoko. Isabella ist die Doppelverdünnung. Merle ist das gefleckte Muster, das man eigentlich von Australian Shepherds und Border Collies kennt. Und hier wird es interessant: Merle gab es bei der Französischen Bulldogge ursprünglich überhaupt nicht. Die Rasse hatte dieses Gen nie. Es wurde irgendwann reingekreuzt, vermutlich über Tigerdackel oder Merle-Chihuahuas, dann über mehrere Generationen rückgekreuzt, bis der Hund formal wieder als reinrassig gilt.
Doppel-Merle-Hunde, deren beide Elternteile das Merle-Gen tragen, kommen mit massiven Beeinträchtigungen zur Welt. Sie sind oft taub, blind, haben missgebildete Augen und Fellfehlbildungen. Das ist nach deutschem Tierschutzgesetz eindeutig Qualzucht. Trotzdem werden Merle-Frenchies gezielt gezüchtet, weil das die Hunde sind, die auf Instagram die meisten Likes generieren.
Bei den Dilute-Farben Blue und Lilac gibt es ein zweites Problem: die Color Dilution Alopecia, kurz CDA. Etwa 10 bis 30 Prozent dieser Hunde entwickeln im Laufe ihres Lebens chronischen Haarausfall. Lebenslang und nicht therapierbar. Verantwortungsvolle Dobermann-Züchter haben den Grey-Dobermann deshalb komplett aus der Zucht genommen. Die Frenchie-Szene macht das Gegenteil und treibt die Preise hoch. In den USA werden für Lilac-Merle-Welpen schon 50.000 Dollar bezahlt. VDH und FCI erkennen diese Farben nicht an. Das hindert aber niemanden daran, sie zu züchten und zu kaufen.
Niederlande verbietet, Deutschland sieht zu
Andere Länder haben aus dem Problem der Französischen Bulldogge bereits gesetzliche Konsequenzen gezogen. Die Niederlande haben 2014 ein Gesetz erlassen und 2019 verschärft. Es legt fest: Hunde mit einer Schnauze kürzer als ein Drittel der Schädellänge dürfen nicht mehr gezüchtet werden. Im August 2023 ist die Übergangsfrist endgültig abgelaufen. Wer heute in den Niederlanden eine Französische Bulldogge in Standardausführung züchtet, macht sich strafbar. Auch Norwegen hat 2022 per Gerichtsurteil die Zucht von Englischen Bulldoggen und Cavalier King Charles Spaniels verboten.
Und Deutschland? Wir haben seit 1986 das Qualzuchtverbot in Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes stehen. Die Tierschutz-Hundeverordnung ergänzt das seit 2022 um ein Ausstellungsverbot für Qualzuchtmerkmale. Trotzdem ist die Französische Bulldogge in Deutschland eine der beliebtesten Rassen. Wieso? Weil die Gesetze auf dem Papier eine Sache sind und der Vollzug eine andere.
Dr. Jan Peter Bach, Tierarzt beim VDH, hat in unserem Interview eine entscheidende Zahl genannt. Über 99 Prozent der Französischen Bulldoggen in Deutschland kommen nicht aus VDH-kontrollierter Zucht. Wenn du in Berlin-Mitte einer Französischen Bulldogge begegnest, stammt sie also mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99 Prozent nicht aus einer kontrollierten Zucht. Der Rest kommt von Hobbyzüchtern, sogenannten Vermehrern, aus Anzeigen auf Online-Portalen oder direkt aus Osteuropa. Die Halterfamilie, die ich für mein Video besucht habe, hat ihren Frenchie zum Beispiel aus Ungarn gekauft. Erst über Google Maps haben sie gemerkt, dass die Hunde dort in hühnerstallartigen Verschlägen gehalten wurden.
Der VDH hat ein Outcross-Programm gestartet, bei dem andere Rassen eingekreuzt werden, um die Nase wieder länger zu kriegen. Etwa die Hälfte der VDH-Frenchie-Welpen aus dem vorigen Jahr hatte schon eine längere Schnauze. Das klingt nach einer guten Sache. Bei nur einem Prozent VDH-Anteil betrifft das aber höchstens 0,5 Prozent aller Französischen Bulldoggen in Deutschland. Und der Rest?
Was du tun kannst, wenn du schon eine Französische Bulldogge hast
Falls du das hier liest und gerade eine Französische Bulldogge auf dem Schoß hast: bitte niemals abgeben. Nicht ins Tierheim und nicht weiter verkaufen. Der Hund kann nichts dafür. Was du aber tun kannst, ist Folgendes. Lass deinen Tierarzt deinen Hund ehrlich einschätzen. Pass im Sommer doppelt so gut auf wie bei einem anderen Hund. Halte das Gewicht im Auge. Vermeide intensive körperliche Belastung in der Hitze. Und vor allem: Wenn dich jemand fragt, woher du den Hund hast, sei ehrlich. Sag den Leuten, dass du einen medizinischen Sonderfall im Wohnzimmer hast und keine Werbeträgerin für Instagram.
Wenn du noch keine Französische Bulldogge hast und überlegst, dir eine zu holen, gibt es zwei Alternativen, die ich dir ans Herz lege. Erstens den Continental Bulldog, eine relativ neue Rasse, die durch Outcross aus der Englischen Bulldogge entstanden ist. Längere Nase, längere Rute, sportlicherer Körperbau. Der VDH hat in den letzten zwei Jahren rund 100 Cambridge-BOAS-Tests an Continental Bulldogs durchgeführt und keinen einzigen BOAS-Fall gefunden. Diese Hunde laufen am Fahrrad, liegen entspannt auf dem Sofa und atmen einfach. Wer den Bulldoggen-Look will, kriegt ihn da auch.
Die zweite Alternative: Tierheim. In jedem zweiten deutschen Tierheim sitzt mindestens eine Französische Bulldogge oder ein Bulldoggen-Mischling, der ein Zuhause sucht.
Fazit: Die Französische Bulldogge ist nicht das Tier, das die Werbung verkauft
Die Französische Bulldogge ist eine Rasse, die unter der Verantwortung von Züchtern, Käufern und der Politik gleichermaßen leidet. Sie wird gezielt nach einem Aussehen gezüchtet, das medizinisch hochproblematisch ist. Außerdem kaufen sie Menschen, die meistens nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Und schließlich toleriert ein Gesetzgeber das Ganze, der es seit 1986 nicht geschafft hat, sein eigenes Qualzuchtverbot effektiv durchzusetzen.
Was wir als Gesellschaft ändern können, beginnt bei der Nachfrage. Professor Achim Gruber hat es in unserem Interview so gesagt: Es werden nur solche Hunde gezüchtet, die am Markt verlangt werden. Wenn niemand mehr eine Französische Bulldogge mit zu kurzer Nase kauft, wird auch niemand mehr eine züchten. Bis dahin liegt die Verantwortung bei jedem einzelnen Menschen, der vor der Kaufentscheidung steht.
Das ganze Thema mit allen Interviewpartnern findest du in meinem aktuellen Video auf YouTube. Dort gibt es auch Originaltöne aus Tierarztpraxen. Außerdem erzähle ich darin die Geschichte eines Welpen, der zum Fressen in einem Hochstuhl sitzen muss. Schau bitte rein. Diese Rasse braucht weniger Likes und mehr Aufklärung. Die QUEN-Qualzucht-Datenbank führt diesen Hund ausdrücklich unter den Rassen, bei denen das Qualzuchtmerkmal Brachyzephalie auftritt.


