Berner Sennenhund: der freundlichste Hund mit kurzem Leben

Kaum eine Rasse wird so einhellig gelobt wie diese. Der Berner Sennenhund gilt als geduldig mit Kindern, verträglich mit Artgenossen und so ruhig, dass er einen ganzen Haushalt entspannter macht. Tatsächlich geben ihm die Daten in diesen Punkten recht, und das kommt bei Rasseklischees selten vor.

Es gibt allerdings eine Zahl, die dieses Bild verschiebt. Sie steht seit Jahrzehnten in europäischen Studien, und sie hat wenig mit Charakter oder Erziehung zu tun. Diese Rasse stirbt früher als fast jede andere, und zwar deutlich früher, als ihre Größe erklären würde.

In diesem Rasseporträt bekommst du beide Seiten. Zunächst geht es um Herkunft, Wesen und Alltag, danach um Gesundheit, Zucht und die Frage, worauf du beim Züchter achten musst.

Berner Sennenhund

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Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die in diesem Artikel verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

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Woher der Berner Sennenhund stammt

Ursprünglich kommt diese Rasse aus dem bernischen Voralpengebiet, wo sie über Jahrhunderte gearbeitet hat. Ihr alter Name lautet Dürrbächler, benannt nach einem Weiler bei Riggisberg samt seinem Wirtshaus. Genau dort wechselten die Postkutschen auf dem Weg ins Kurbad Gurnigel die Pferde, und Berner Händler kauften bei dieser Gelegenheit Zughunde ein.

Geformt haben diesen Hund zwei Berufsgruppen. Zum einen die Bauern, die im achtzehnten Jahrhundert im Kanton Bern zu Wohlstand kamen. Wohlstand zog damals Bettler und Landstreicher an, deshalb brauchte man einen Hund von respekteinflößender Größe, der zuverlässig meldete, wer sich näherte. Zum anderen die Küher, die auf Hochweiden über tausend Metern das Vieh hüteten und dafür Treibhunde brauchten. Weil sich Hofhunde und Treibhunde jahrhundertelang vermischten, war das am Ende ein und derselbe Hund.

Dazu kam der Zugdienst. Metzger, Milchhändler, Handwerker und Gärtner spannten diese Tiere vor ihre Karren, und dieser Job hat den Körperbau geprägt.

Wichtig für das Verständnis der heutigen Rasse ist allerdings etwas anderes. Diese Bauernhunde waren farblich ein bunter Haufen, es gab sie fast weiß, gelbweiß, rotweiß und ganz schwarz. Die dreifarbigen hießen Gelbbäckler oder Vieräugler, und häufiger als die übrigen waren sie nicht. Was heute als unverwechselbares Markenzeichen gilt, war ursprünglich also eine Variante unter vielen.

Um 1900 stand die Rasse schlecht da. Ein Kaffeewirt aus Bern namens Fritz Probst überredete Freunde, ihre Dürrbächler auf einer Hundeschau zu zeigen. 1902 waren es drei Hunde, zwei Jahre später traten in Bern sechs an, und vier davon kamen ins Schweizerische Hundestammbuch. Im November 1907 folgte die Klubgründung, und 1913 gaben die Berner Züchter dem Drängen nach: Aus dem Dürrbächler wurde offiziell der Berner Sennenhund.

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Berner Sennenhund Charakter: was die Studienlage tatsächlich zeigt

In der Budapester Persönlichkeitsstudie, für die Halterinnen und Halter von 5.733 Hunden aus 98 Rassen einen Fragebogen ausfüllten, ist diese Rasse mit 94 Tieren vertreten. Das Profil fällt ungewöhnlich eindeutig aus.

Betrachtet man die Verträglichkeit mit Artgenossen, dann landet der Berner Sennenhund auf Rang sieben von 98. Bei der Gelassenheit, also dem Verhalten in belastenden oder unklaren Situationen, steht er auf Rang vierzehn. Beides deckt sich mit dem, was Halter berichten: ein Hund, den Feuerwerk, Baustellenlärm und Kinderkrach weniger aus der Fassung bringen als den Durchschnitt.

Zwei weitere Werte fallen dagegen anders aus, als viele erwarten. Bei der Kühnheit gegenüber fremden Menschen liegt er mit Rang 47 fast exakt im Mittelfeld. Das Bild vom furchtlosen Wächter, das in manchen Rassebeschreibungen steht, deckt sich mit dieser Zahl schlecht. In der Trainierbarkeit erreicht er Rang 71, liegt also unter dem Durchschnitt.

Dieser letzte Wert wird regelmäßig missverstanden. Gemeint sind Lernwitz und Spielfreude, kein Gehorsam. Ein Hund, der Aufgaben in Ruhe zu Ende denkt, bekommt in solchen Bewertungen automatisch weniger Punkte als einer, der sofort losspringt. Der Berner ist im Kopf also kein langsamer Hund, eher ein bedächtiger.

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A beautiful proud big dog of the Rottweiler breed sits on a sandy beach against the backdrop of a stormy sea, and looks into the distance

Größe, Gewicht und Alltag mit Berner Sennenhund

Ein Rüde misst nach Standard zwischen 64 und 70 Zentimeter Schulterhöhe, Hündinnen liegen bei 58 bis 64. Dazu kommen 40 bis 55 Kilogramm Gewicht. Diese Maße sind übrigens bewusst gewählt, denn Albert Heim betonte immer wieder, an dieser Rasse solle nichts Übertriebenes sein.

Im Alltag ist genau diese Masse der anspruchsvollste Teil. Ein Hund dieser Größe wirft dich beim Anspringen um, ohne es böse zu meinen, und er nimmt dich an der Leine mit, sobald ihn etwas interessiert. Leinenführigkeit, Rückruf und ruhiges Warten an der Haustür gehören deshalb ins erste Jahr. Später holst du das mit fünfzig Kilo Hund kaum noch nach.

Drei Punkte gehen im Beratungsgespräch häufig unter. Erstens die Treppen, denn große Rassen mit Anlage zu Gelenkproblemen gehören nicht in eine Wohnung im vierten Stock ohne Aufzug. Zweitens das Wachstum selbst, weil ein Tier, das binnen zwölf Monaten von einem halben Kilo auf fünfzig geht, Fehler bei Fütterung und Belastung schlecht verzeiht. Drittens die Hitze, denn ein Hund im Wintermantel für Berghöhen hat im deutschen Hochsommer ein ernstes Problem.

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Erziehung: jedes Problem hat eine Vorgeschichte

Diese Rasse macht selten Probleme aus Ungehorsam. Meistens erledigt sie dann ihren alten Job, und den hat ihr jemand über zweihundert Jahre lang antrainiert.

Das Bellen an der Grenze stammt vom Hofhund, der Fremde früh melden sollte. Räber beschreibt die Wachsamkeit als besonders deutlichen Zug dieser Rasse und hält fest, dass sich der Bewachungsinstinkt mit wenig Zutun verstärken lässt. Genau darin liegt die Falle: Dein Hund bellt den Paketboten an, dieser legt das Paket ab und geht. Aus Hundesicht hat das Bellen funktioniert.

Ebenfalls vom Hofhund kommt die Neigung, Besitz zu bewachen. Im Wohnzimmer wird daraus der Kauknochen, der Lieblingsplatz oder der Kofferraum. Bei zwölf Kilo Hund diskutiert man vielleicht noch darüber, bei fünfzig bekommt die Sache ein anderes Gewicht, deshalb gehört Tauschen und Abgeben in die ersten Monate der Erziehung beim Berner Sennenhund.

Vom Treibhunderbe der Küher stammt die Reaktion auf schnelle Bewegung, also auf rennende Kinder, Jogger und Fahrräder. Mit Aggression hat das wenig zu tun, denn aus Hundesicht läuft dort eine Herde weg.

Schließlich die Eigenständigkeit. Auf der Alp musste der Benner Sennenhund entscheiden, ohne dass ein Mensch in Sichtweite war. Wer zehnmal dasselbe verlangt, ohne dass der Hund einen Zweck erkennt, bekommt beim elften Mal etwas anderes. Halter nennen das dann stur.

Ein Punkt wird dabei fast immer übersehen: Auf dem Hof lernte dieses Tier seine Toleranz nebenbei, zwischen Katzen, Hühnern, Knechten und Nachbarn. Diese Schule gibt es in einer Stadtwohnung nicht mehr. Was er früher im Vorbeigehen lernte, musst du heute planen.


Fellpflege beim Berner Sennenhund: das unterschätzte Kapitel

Der Berner Sennenhund trägt langes Deckhaar über dichter Unterwolle, gebaut für Bergwinter. In einer beheizten Wohnung ergibt das eine eigene Physik. Er haart das ganze Jahr, und zweimal jährlich wechselt er das Fell so umfassend, dass du das Ergebnis in Tüten abfüllen könntest.

Nötig ist gründliches Bürsten bis auf die Unterwolle, während des Fellwechsels auch täglich. Bei vernachlässigter Pflege verfilzt das Haar und beginnt unangenehm zu riechen. Rasieren ist dagegen die falsche Idee, weil dieses Doppelhaar in beide Richtungen isoliert und zusätzlich vor Sonne schützt.

Berner Sennenhund Fellpflege

Berner Sennenhund – Gesundheit & Co.

Nun zum unangenehmen Teil. Eine Schweizer Untersuchung wertete gemeinsam mit dem Schweizer Klub die Lebensläufe von Berner Sennenhunden aus, die 2001 und 2002 geboren wurden. Von 389 erfassten Tieren waren am Ende 381 gestorben. Die mittlere Lebenserwartung lag bei 8,4 Jahren, Hündinnen kamen auf 8,8, Rüden auf 7,7. Eine niederländische Auswertung ergab einen Median von 8,0 Jahren.

Zum Vergleich liegen die Werte über alle Rassen hinweg bei etwa zehn bis elf Jahren. Der Berner Sennenhund verliert also rund ein Viertel seines Lebens, und mit seiner Größe allein lässt sich das nicht erklären, weil andere Rassen dieser Gewichtsklasse darüber liegen.

Entscheidend ist die Frage, woran diese Hunde sterben. In der Schweizer Auswertung waren Tumorerkrankungen bei 58 Prozent der Fälle die Todesursache, in der niederländischen bei über 55 Prozent. Alles andere zusammen kommt nicht an diesen einen Block heran.

Daneben bringt die Rasse die üblichen Baustellen großer Hunde mit. An den Gelenken sind Hüft- und Ellbogendysplasie ein Thema, weshalb seriöse Vereine auswerten und Zuchtwerte führen. Der tiefe Brustkorb bringt ein Risiko für die Magendrehung mit, einen Notfall, bei dem Minuten zählen. Außerdem tritt eine bestimmte Nierenerkrankung, die Glomerulonephritis, bei dieser Rasse häufiger auf als bei anderen. Junge Tiere zwischen acht und achtzehn Monaten trifft gelegentlich eine schmerzhafte Entzündung der Hirnhäute, die allerdings auf Kortison gut anspricht.

Erblich ist zudem die degenerative Myelopathie, bei der die Hinterhand langsam ausfällt. Immerhin gibt es dafür einen DNA-Test, sodass sich die Verpaarung zweier Trägertiere vermeiden lässt.

Berner Sennenhund Krankheiten


Defektzucht beim Berner Sennenhund?

Beim Stichwort Qualzucht denken die meisten an platte Schnauzen und verdrehte Wirbelsäulen. Davon findet sich hier nichts, denn dieser Hund hat eine normale Schnauze, gerade Beine und einen funktionierenden Körper. Nach dem Maßstab des Gesetzgebers, also der äußeren Form, ist er unauffällig.

Trotzdem stirbt er früher als fast jede andere Rasse. Das Problem sitzt folglich im Genpool und nicht im Körperbau.

Erinnere dich an die vier Hunde von 1904. Auf einer solchen Handvoll Tiere fußt diese Rasse. Dazu kommt der übliche Mechanismus: In den vierziger Jahren wurde ein Rüde namens Alex von Angstdorf Weltsieger und deckte anschließend einundfünfzig Würfe. Was ein solcher Hund an Gutem mitbringt, verbreitet sich rasend schnell, aber seine Krankheitsanlagen ebenso.

Räber hält in seiner Enzyklopädie offen fest, dass man beim Herausarbeiten der Rasse vor Inzucht auf erwünschte Tiere nicht zurückschreckte. Aus damaliger Sicht war das folgerichtig, weil aus einem bunten Haufen Bauernhunde in wenigen Jahrzehnten ein einheitlicher Rassehund werden sollte. Bezahlt wird dieser züchterische Erfolg heute mit Lebenszeit.

Die Zahlen dazu sind ernüchternd: 17 Prozent dieser Hunde sterben vor dem fünften Geburtstag, 45 Prozent erreichen das achte Lebensjahr nicht, und 72 Prozent werden keine zehn.

Fairerweise gehört dazu, dass die Szene das Problem nicht wegschweigt. Der Schweizerische Sennenhunde-Verein für Deutschland arbeitet seit Jahren gemeinsam mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit genomischen Zuchtwerten, darunter einem Zuchtwert für Langlebigkeit und einem Vortest mit vier Risikoklassen. Ein Hund mit hohem Risiko wird dabei gezielt mit einem Partner aus der niedrigsten Klasse verpaart, statt aus der Zucht zu fallen.

Für wen der Berner Sennenhund wirklich passt

Ein Berner Sennenhund passt zu dir, wenn du im Erdgeschoss oder mit Aufzug wohnst, Platz hast und Wandern bei jedem Wetter zu deinem Leben gehört. Ebenso passt er, wenn du ein realistisches Budget einplanst, denn Futter, Versicherung und Tierarztrechnungen sehen bei fünfzig Kilo anders aus als bei einem fünfzehn Kilo-Hund. Außerdem solltest du bereit sein, beim Züchter unbequeme Fragen zu stellen und die Antworten auszuhalten und dich im Zweifel auch gegen einen Welpen aus einem Wurf entscheiden.

Weniger passt er, wenn du einen Sporthund für Tempo und enge Wendungen suchst, weil dieser Körper dafür nicht gebaut ist. Ebenso wenig passt er, wenn du zehn Stunden täglich außer Haus bist, aber dazu zähle ich eigentlich alle Hunde. Und er passt vor allem dann nicht, wenn du sicher weißt, dass du einen Abschied mit sieben oder acht Jahren nicht verkraftest. Das ist keine Schwäche. Es ist eine ehrliche Selbsteinschätzung.

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FAQ – Häufige Fragen zum Berner Sennenhund

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