Inhalt
- 1 Hund und Kind: Warum der bekannte Hund das größte Risiko ist
- 2 Warum sich Kinder und Hunde so oft missverstehen
- 3 Die Regeln für zu Hause
- 4 Die Regeln für draußen
- 5 Hundesprache für Kinder: die Hunde-Ampel
- 6 Was eine Grazer Kinderklinik herausfand
- 7 Hund und Kind: Die Regeln für dich als Mutter oder Vater
- 8 Hund und Kind: das Wichtigste in Kürze
- 9 Quellen
Hund und Kind, das ist für viele Familien das schönste Bild überhaupt: das Kleinkind, das sich an den großen, geduldigen Hund kuschelt. Gleichzeitig ist es genau das Bild, das mich als Hundemensch nervös macht. Die meisten Kinder, die von einem Hund gebissen werden, kennen diesen Hund nämlich. Oft ist es der eigene, manchmal der von Oma und Opa oder der aus dem Nachbarhaus. Deshalb geht es in diesem Beitrag um die Regeln, die dein Kind im Umgang mit Hunden kennen sollte, zu Hause und draußen. Außerdem erfährst du, was eine Kinderklinik herausgefunden hat, nachdem sie solche Regeln jahrelang an Tausende Kinder weitergegeben hat. Am Ende wirst du verstehen, warum die wichtigsten Regeln für dich gelten.
Hund und Kind: Warum der bekannte Hund das größte Risiko ist
In der Kinderchirurgie in Graz haben Ärztinnen und Ärzte über Jahre ausgewertet, welche Kinder nach einem Hundebiss in die Klinik kamen. Das Ergebnis überrascht viele Eltern: In 82 Prozent der Fälle kannten die gebissenen Kinder den Hund. Ein fremder Hund im Park, vor dem wir unsere Kinder instinktiv schützen, ist also eher die Ausnahme. Viel häufiger passiert es zu Hause, mitten im Alltag, und zwar mit einem Hund, dem alle vertrauen.
Hinzu kommt die Körpergröße. Ein Kleinkind ist mit dem Hund auf Augenhöhe, sein Gesicht befindet sich also genau dort, wo der Hund reagiert. In Graz betraf deshalb die Hälfte aller Bissverletzungen Gesicht, Kopf oder Hals. Genau aus diesem Grund lohnt es sich, die Beziehung zwischen Hund und Kind nicht dem Zufall zu überlassen, auch wenn der eigene Hund der liebste der Welt ist. Gerade dann, möchte ich sagen.
Warum sich Kinder und Hunde so oft missverstehen
Kinder zeigen Liebe mit dem ganzen Körper. Sie umarmen, drücken, geben Küsschen und legen sich zum Kuscheln dazu. Für ein Kind ist das die schönste Art zu sagen: Ich hab dich lieb. Für den Hund fühlt sich dieselbe Geste allerdings ganz anders an. Ein Arm um den Hals hält ihn fest, und ein Gesicht, das sich von oben nähert, erlebt er schnell als Bedrängen. Unter Hunden regelt man Nähe über Abstand, Blicke und Körperhaltung, eine Umarmung als Freundschaftsgeste gibt es dort nicht.
Wie oft solche Situationen vorkommen, zeigt eine Befragung der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Mitgemacht haben 402 Bezugspersonen von Kindern unter sechs Jahren, die mit einem Hund zusammenleben. Fast die Hälfte gab an, dass ihr Kind den Hund häufig umarmt. Gut jedes vierte Kind küsst den Hund häufig, und jedes fünfte legt sich oft zum Hund, während der gerade ruht.
Diese freundlich gemeinten Gesten sind riskanter, als sie aussehen. An einem Traumazentrum in Philadelphia war das Risiko eines Bisses ins Gesicht rund dreimal so hoch, wenn vorher eine freundliche Geste wie Streicheln oder Umarmen stattgefunden hatte. Dazu kommt, dass kleine Kinder die Signale eines Hundes kaum lesen können. Viele Drei- bis Fünfjährige halten einen knurrenden Hund, der die Zähne zeigt, sogar für fröhlich, weil sie das Zähnezeigen mit einem Lächeln verwechseln. Auch Erwachsene tun sich übrigens schwer: Ein Hund, der beim Umarmen ganz still hält und erstarrt, wirkt auf viele Eltern entspannt. In Wahrheit ist dieses Erstarren eines der letzten leisen Signale, bevor es laut wird. Wie du solche Warnzeichen früh erkennst, erkläre ich ausführlich im Beitrag über die Körpersprache des Hundes.
Die Regeln für zu Hause
Zu Hause passieren bei kleinen Kindern die meisten Bisse, deshalb beginnen wir hier. Die folgenden fünf Regeln für Hund und Kind gelten für jeden Hund, also auch für den, bei dem du dir absolut sicher bist.
Regel 1: Liebe zeigt man mit der Hand
Umarmen, Küssen und das Gesicht ins Fell drücken sind tabu, auch beim eigenen Hund. Stattdessen darf dein Kind den Hund seitlich an der Brust oder am Hals kraulen, sobald der Hund von selbst zu ihm kommt. Bei ganz kleinen Kindern führst du die Hand beim Streicheln mit, damit nicht aus Versehen ein Büschel Fell in der Faust landet.
Damit dein Kind lernt, dass der Hund bei jeder Berührung mitreden darf, hilft ein kleines Spiel, die Drei-Sekunden-Probe. Dein Kind krault den Hund drei Sekunden lang, nimmt dann die Hand weg und schaut, was passiert. Schiebt sich der Hund wieder an die Hand heran, möchte er mehr. Dreht er sich hingegen weg, schüttelt sich oder geht, ist die Streichelrunde vorbei, und zwar ohne Diskussion.
Regel 2: Ein ruhender Hund hat Pause
Ein schlafender oder ruhender Hund wird in Ruhe gelassen, und sein Liegeplatz gehört ihm ganz allein. In der Wiener Befragung schilderten die Eltern elf kleinere Bissvorfälle, und die häufigste Situation darunter war ein Kind, das den ruhenden Hund gestört hatte. Trotzdem sorgt nur ein kleiner Teil der Familien dafür, dass das Kind den Liegeplatz des Hundes gar nicht erreichen kann. Oft steht das Hundebett mitten im Wohnzimmer, direkt neben der Bauecke. Wie dein Hund lernt, entspannt auf seinem Platz zu bleiben, liest du übrigens im Beitrag Hund Decke beibringen.
Regel 3: Futter und Spielzeug im Maul sind tabu
Futter, Kauknochen und alles, was der Hund im Maul hat, sind für Kinder tabu. Hat der Hund das Kuscheltier geklaut, holt dein Kind einen Erwachsenen, und der regelt das. Warum ich da so streng bin, zeigt eine Auswertung der Verhaltenssprechstunde an der University of Pennsylvania. Untersucht wurden dort die Fälle von 111 Kindern. Bei den Kindern unter sechs Jahren ging es in 44 Prozent der Fälle um Ressourcen, also um etwas, das der Hund verteidigen wollte. Soweit die Vorgeschichte bekannt war, hatten zwei Drittel dieser Hunde vorher noch nie ein Kind gebissen.
Zu dieser Regel gehört auch, dass dein Kind woanders spielt, während der Hund frisst, und dass der Hund beim Familienessen nicht unter dem Hochstuhl wartet. Für einen verfressenen Hund ist der Hochstuhl schließlich der beste Platz im ganzen Haus, und die kleine Hand mit dem Butterbrot hängt direkt daneben. Wenn dein Hund schon heute Futter oder Spielzeug verteidigt, findest du Hintergründe im Beitrag über Hunde, die Futter oder Spielzeug verteidigen.
Regel 4: Der Hund kommt zum Kind
Diese Regel klingt unscheinbar, ist aber eine meiner liebsten. Dein Kind darf den Hund rufen oder sich hinhocken und warten. Kommt der Hund, ist alles gut. Bleibt er liegen, hat er gerade keine Lust, und dann wird er in Ruhe gelassen. In der Wiener Befragung war Knurren insgesamt selten, kam aber häufiger vor, wenn ein Kind frontal auf den Hund zuging. Die Forscherinnen empfehlen deshalb genau das: rufen statt hinlaufen.
Regel 5: Ruhige Spiele mit Abstand
Fangspiele, bei denen der Hund hinter dem rennenden Kind herjagt, Zerrspiele und endloses Bällchenwerfen drehen einen Hund in kurzer Zeit hoch. Selbst das Leckerli aus der Kinderhand ist heikler, als es aussieht. In Wien passierten die Verletzungen rund um Futter und Spielzeug beim Füttern von Leckerli und beim Apportieren, und aggressiv war dabei keiner dieser Hunde. Es waren aufgeregte Hunde und kleine Finger.
Für Kleinkinder eignet sich deshalb Beschäftigung mit Abstand. Dein Kind darf einen Futterball befüllen oder Leckerli in einem Karton verstecken. Anschließend schaut es hinter dem Kindergitter zu, wie der Hund die Beute auspackt. Das macht beiden Spaß, und keiner kommt dem anderen zu nah.
Die Regeln für draußen
Draußen trifft dein Kind auf Hunde, die es nicht kennt, und auf Halterinnen und Halter, deren „Der macht nix“ du nicht überprüfen kannst. Darum gelten für Hund und Kind unterwegs drei eigene Regeln.
Erst den Menschen fragen, dann den Hund
Bevor dein Kind einen fremden Hund anfasst, fragt es: „Darf ich ihn streicheln?“ Ein Ja vom Menschen heißt allerdings noch lange nicht, dass der Hund auch Ja sagt. Also bleibt dein Kind stehen, lässt den Hund kommen und schnuppern und krault ihn dann kurz an der Seite. Kommt der Hund nicht, ist das seine Antwort.
Angebundene Hunde bleiben in Ruhe
Hunde, die vor dem Supermarkt angebunden warten, hinter einem Zaun stehen oder im Auto sitzen, sind für Kinderhände immer tabu. Diese Hunde können nicht ausweichen, und manche verteidigen ihren Platz. In der Auswertung aus Pennsylvania wurden Kinder, die den Hund nicht kannten, am häufigsten gebissen, während der Hund sein Revier bewachte. Das betraf mehr als die Hälfte dieser Fälle.
Werde zum Baum
Die wichtigste Regel für draußen übst du am besten zu Hause wie eine Feuerwehrübung. Wenn ein fremder Hund auf dein Kind zugerannt kommt, wird es zum Baum. Es bleibt stehen, faltet die Hände vor dem Bauch, schaut auf seine Füße und zählt leise im Kopf, bis der Hund weg ist oder ein Erwachsener kommt. Die Idee stammt aus dem kanadischen Präventionsprogramm „Be a Tree“. Ein Baum ist für einen Hund langweilig, er schnuppert kurz und zieht weiter. Ein Kind, das kreischend wegrennt, ist für viele Hunde dagegen eine Einladung zum Hinterherjagen. Wird dein Kind doch einmal umgestoßen, rollt es sich wie ein Stein zusammen: auf die Knie, das Gesicht nach unten und die Hände schützend im Nacken.
Ein Wort an alle Hundehalter
Die meisten, die das hier lesen, haben selbst einen Hund. Wenn Kinder auf deinen Hund zulaufen, ruf ihn zu dir, auch wenn du dir absolut sicher bist. Du weißt, dass er nix macht. Das Kind und seine Eltern wissen es hingegen nicht, und ihre Angst in diesem Moment ist echt. Ersetz den Satz „Der macht nix“ deshalb durch „Ich hol ihn“. Das kostet dich drei Sekunden und rettet einer Familie den Spaziergang. Klappt der Rückruf in solchen Momenten noch nicht zuverlässig, helfen dir die fünf häufigsten Fehler beim Rückruftraining weiter.
Stehst du dagegen auf der anderen Seite, darfst du freundlich und klar sagen: „Bitte nimm ihn trotzdem zu dir.“ Das ist völlig in Ordnung, und dein Kind sieht dabei, dass du dich um seine Sicherheit kümmerst.
Hundesprache für Kinder: die Hunde-Ampel
Die Regeln für Hund und Kind funktionieren wie Verkehrsregeln. Richtig sicher wird es aber erst, wenn dein Kind auch versteht, was der Hund gerade sagt. Hunde warnen nämlich fast immer, bevor sie beißen, nur eben sehr leise. Am Anfang stehen kleine Beschwichtigungs- und Stresssignale wie Gähnen, obwohl der Hund gar nicht müde ist, ein schnelles Lecken über die Nase oder das Wegdrehen des Kopfes. Manche Hunde heben eine Pfote, legen die Ohren an oder zeigen das Weiße im Auge. Reagiert niemand darauf, geht der Hund weg. Kann er nicht weg, wird er steif und erstarrt. Erst danach kommen Knurren, das Hochziehen der Lefzen, Schnappen und am Ende der Biss. Fachleute sprechen von einer Eskalationsleiter, und der Biss steht ganz oben auf der letzten Sprosse.
Für Kinder übersetze ich diese Leiter gern in eine Hunde-Ampel, und die Ampel gilt dabei für den Hund. Grün heißt, der Hund ist locker, sein Körper ist weich, und er kommt von allein. Gelb sind die leisen Zeichen von eben, also Gähnen, Nase lecken, Wegdrehen oder Weggehen. Bei Gelb macht dein Kind Pause und lässt den Hund in Ruhe. Rot ist schließlich alles ab dem Erstarren, und bei Rot geht dein Kind ruhig weg und holt einen Erwachsenen.
Dass so etwas wirkt, hat ein Forschungsteam um die Psychologin Kerstin Meints gezeigt. Drei- bis Fünfjährige und ihre Eltern lernten dort, die Stresssignale von Hunden richtig zu deuten. Anschließend verstanden Kinder wie Erwachsene die Hunde deutlich besser, und der Effekt hielt noch nach sechs Monaten und nach einem Jahr. Die feinen Signale am unteren Ende der Leiter blieben allerdings für alle am schwersten, und genau deshalb bist du als Erwachsene oder Erwachsener hier gefragt.
Ein Punkt liegt mir dabei besonders am Herzen: Bestraf deinen Hund niemals fürs Knurren. Das Knurren ist die deutlichste Warnung, die dein Hund dir geben kann. Wer es wegbestraft, bekommt am Ende einen Hund, der beim nächsten Mal eine Sprosse überspringt. Die Ursache des Knurrens gehört dagegen ernst genommen und mit fachlicher Hilfe angegangen.
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Hund und Kind: Die Hunde-Ampel
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Zur Hunde-AmpelWas eine Grazer Kinderklinik herausfand
Regeln für Kinder sind wichtig, das steht außer Frage, wenn es um Hund und Kind geht. Was sie allein bewirken, zeigen allerdings drei Untersuchungen, die mich beim Recherchieren lange beschäftigt haben.
Ein Forschungsteam um David Schwebel hat 2012 das Lernprogramm „The Blue Dog“ an 76 Kindern zwischen dreieinhalb und sechs Jahren getestet. Drei Wochen lang lernten die Kinder damit zu Hause. Danach erkannten sie auf Bildern viel besser, welche Situationen mit Hunden gefährlich sind. Als sie dann aber einem echten, fremden Hund gegenüberstanden, verhielten sie sich kaum anders als vorher. Das Wissen war im Kopf angekommen, im Verhalten hingegen noch nicht.
Ein Jahr später beobachtete ein Team um Barbara Morrongiello die Eltern. Kind und Elternteil trafen im Labor auf einen Hund, den beide nicht kannten. Trotzdem ermunterten viele Eltern ihr Kind, Kontakt aufzunehmen, obwohl sie über diesen Hund gar nichts wussten. Bei einem zweiten Termin mit einem anderen fremden Hund hielten sie sogar weniger engen Abstand zu ihrem Kind als beim ersten.
Und dann kam Graz. Ab 2008 gab die dortige Kinderchirurgie genau solche Regeln an Grundschulkinder zwischen sechs und neun Jahren weiter. Erreicht wurden rund 80 Prozent der Grundschulkinder der Stadt, jedes Jahr zwischen 1.800 und 2.000. Hunderte übten das zusätzlich mit echten Hunden, gemeinsam mit Tierärztinnen und Hundetrainern. Später verglichen die Ärztinnen und Ärzte die Jahre 2014 bis 2018 mit der Zeit vor dem Programm.
Zuerst die gute Nachricht: Der Anteil schwerer Bissverletzungen, die operiert werden mussten, sank von 26 auf 8 Prozent. Die Zahl der Kinder, die pro Jahr nach einem Hundebiss in die Klinik kamen, ist in dieser Zeit allerdings nicht gesunken. Vorher waren es im Schnitt knapp 38 pro Jahr, nachher gut 42. Und in 69 Prozent der Fälle kannten die Kinder den Hund, der sie gebissen hat.
Die Forschenden führen die leichteren Verletzungen auf ihr Programm zurück. Mit einer rückblickenden Auswertung lässt sich das zwar nicht beweisen, das Muster passt aber zu allem, was die anderen Studien zeigen. Regeln für Kinder helfen, im Ernstfall glimpflicher davonzukommen. Dass es überhaupt zum Ernstfall kommt, verhindern sie allein kaum. Ein Vierjähriger vergisst schließlich die schönste Regel in dem Moment, in dem der Hund so flauschig aussieht. Die Verantwortung für die Sicherheit kann ein Kind nicht tragen, die liegt bei uns.
Genau hier wird es für das Thema Hund und Kind noch einmal unbequem. In der Wiener Befragung ließ rund die Hälfte der Eltern ihr Kind mit dem Hund auch mal unbeaufsichtigt, und ungefähr genauso viele fanden es in Ordnung, dass ihr Kind so viel mit dem Hund kuscheln darf, wie es will. Gegenüber fremden Hunden waren dieselben Eltern vorsichtig, beim eigenen Hund dagegen kaum. Außerdem wurde mit dem Alter des Kindes weniger aufmerksam beaufsichtigt, obwohl ältere Kinder immer mehr mit dem Hund anstellen, vom Anziehen über das Bürsten bis zum Kommandos-Geben.
Hund und Kind: Die Regeln für dich als Mutter oder Vater
Aus all dem folgen sechs Regeln, und diesmal bist du gefragt. Sie sind der wirksamste Schutz im Zusammenleben von Hund und Kind.
Hinschauen oder trennen
Entweder du schaust aktiv hin, oder Kind und Hund sind getrennt. Im selben Raum zu sein, während du nebenbei aufs Handy schaust, ist keine Aufsicht. Wenn du kochst, duschst oder telefonierst, trennt ein Kindergitter, eine Tür oder die Hundebox die beiden. Das ist Unfallverhütung, genau wie die Steckdosensicherung, und an deinem Vertrauen in deinen Hund ändert es kein bisschen.
Ein Rückzugsort für den Hund
Dein Hund braucht einen Rückzugsort, an den dein Kind gar nicht hinkommt. Das kann ein Körbchen hinter einem Gitter sein oder ein ruhiges Zimmer. Wichtig ist, dass er dort dazugehört, ohne bedrängt zu werden, also abgetrennt und trotzdem dabei.
War der Hund zuerst da, gib ihm Zeit
In der Wiener Befragung zeigten Hunde, die schon vor dem Kind in der Familie lebten, mehr Angstverhalten gegenüber dem Kind als Hunde, die mit Kindern aufgewachsen sind. Solche Hunde brauchen Zeit, Rückzug und eine Aufsicht, die vorausdenkt. Zwing deinen Hund deshalb nie zum Kontakt, damit er sich an das Kind gewöhnt, denn erzwungene Nähe kann die Angst sogar verschlimmern.
Veränderungen ernst nehmen
Wenn dein Hund plötzlich knurrt, sich häufiger zurückzieht oder beim Anfassen empfindlich reagiert, geh zuerst zur Tierärztin. In der Auswertung aus Pennsylvania wurden bei der Hälfte der Hunde, die ein Kind gebissen hatten, gesundheitliche Probleme gefunden oder vermutet, die zum Beißen beigetragen haben können. Rund drei Viertel zeigten außerdem auffällige Ängstlichkeit. Schmerzen machen auch den geduldigsten Hund dünnhäutig. Danach holst du dir Hilfe bei einer Verhaltensberatung oder einem guten Hundetrainer.
An besonderen Tagen hat der Hund frei
Beim Kindergeburtstag mit zwölf kreischenden Gästen, beim Familienfest oder wenn die Freunde deiner Kinder zum Spielen kommen, hat der Hund Feierabend. Er bekommt sein ruhiges Zimmer und einen guten Kauartikel, und die Party läuft ohne ihn. Fremde Kinder kennen eure Regeln schließlich nicht, und niemand kann zwölf Kinder und einen Hund gleichzeitig im Blick behalten.
Die Leine gehört in sichere Hände
Aus der Grazer Studie gibt es noch ein Detail, über das kaum jemand spricht. Von den 296 Kindern, die dort nach einem Unfall mit einem Hund behandelt wurden, hatten 84 gar keine Bissverletzung. Gut die Hälfte davon war gestürzt, weil der Hund an der Leine gezogen oder das Kind beim Spielen angesprungen hatte, und viele hatten sich an der Leine verletzt, zum Beispiel an den Fingern. Dein Kind führt einen Hund deshalb nur dann allein, wenn es ihn sicher halten kann, und die Leine wird niemals um Hand oder Handgelenk gewickelt.
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Hund und Kind: das Wichtigste in Kürze
Die Regeln für dein Kind sind wichtig, und es lohnt sich, sie mit Hund und Kind gemeinsam zu üben. Dein Kind lernt, den Hund zu sich kommen zu lassen, ihn nicht zu umarmen, ihn beim Fressen und Schlafen in Ruhe zu lassen und draußen zum Baum zu werden. Damit gehen Unfälle seltener schlimm aus. Die Regeln, die wirklich verhindern, dass überhaupt etwas passiert, trägst allerdings du: hinschauen oder trennen, einen Rückzugsort schaffen und die leisen Signale deines Hundes ernst nehmen, bevor er laut werden muss.
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Jetzt vorbestellenQuellen
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