Anfängerhunde: zehn Hunderassen für Ersthundebesitzer

Du googlest gerade Anfängerhunde und bekommst gefühlt vierzig Listen, die alle dasselbe behaupten? Auffällig dabei: Viele wirken voneinander abgeschrieben. Und weil das so ist, stehen dort regelmäßig Rassen ganz oben, die ihre Menschen anschließend zum Hundetrainer bringen. Ich habe für diesen Beitrag deshalb wochenlang die Fachliteratur und die Studienlage durchgearbeitet, statt zu googeln. Das Ergebnis hat meine eigene Liste übrigens zweimal umgeworfen.

Vorweg noch ein Hinweis, der dir die Suche abkürzt: Welcher Hund tatsächlich zu deinem Alltag passt, findest du mit meinem Rassecheck auf dogstv.de heraus. Das Perfect Match dauert ein paar Minuten und kostet dich nichts.

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Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die in diesem Artikel verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

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Welche Hunderasse passt wirklich zu dir?

Bevor du dich in Schlappohren und Kulleraugen verlierst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf deinen Alltag, deine Zeit und deine Nerven. Der Rassecheck stellt dir ein paar Fragen und zeigt dir danach die eine Rasse, die wirklich zu dir passt – auf Basis echter Rassedaten statt Bauchgefühl.

1
Ein paar Fragen zu Alltag, Erfahrung und Wohnsituation
2
Deine Rasse die eine, die zu deinem Leben passt
3
Ehrlich eingeordnet inklusive Warnung vor Qualzuchtmerkmalen
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Was einen guten Anfängerhund wirklich ausmacht

Die meisten Menschen beschreiben ihren Wunschhund mit klein, süß und kinderlieb. Aus meiner Sicht ist das die schlechteste aller Antworten, weil sie am Kern vorbeigeht. Ein guter erster Hund ist nämlich schlicht ein Hund, der dir deine Fehler verzeiht. Und Fehler wirst du machen, jede Menge sogar, so wie ich sie mit meinem ersten Hund gemacht habe.

Manche Hunde stecken das weg und wackeln fröhlich weiter. Andere dagegen quittieren jeden Anfängerfehler mit einem Verhalten, das du danach jahrelang ausbadest. Genau danach sind meine Anfängerhunde sortiert, und zwar entlang von fünf Filtern.

Bevor ich sie durchgehe, noch ein Wort zur Einordnung. Anfängerhunde sind für mich keine Hunde zweiter Klasse und auch keine langweiligen Rassen. Es sind Hunde, deren Bedürfnisse sich mit einem normalen Berufsalltag vereinbaren lassen, ohne dass jemand dabei zu kurz kommt.

Der erste Filter heißt Fehlerverzeihung. Der zweite betrifft den Trieb, denn ein Hund mit ausgeprägtem Jagd-, Hüte- oder Schutzverhalten bringt ein Programm mit, das sich selbst belohnt. Dagegen kommst du mit gutem Willen und einer Leberwursttube nicht an. Der dritte Filter ist die Auslastung, der vierte die Gesundheit, und der fünfte fragt nach Alltagstauglichkeit im Büro, im Café und in der Bahn.

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Warum die Rasse bei Anfängerhunden weniger entscheidet, als du denkst

Bevor es an die Liste geht, kommt der Satz, der diesem ganzen Format im Kern widerspricht. Eine Übersichtsarbeit hat 48 Veröffentlichungen zur Vererbung von Hundeverhalten ausgewertet, und die Zahlen sind ernüchternd. Beim Hovawart liegt die Erblichkeit der untersuchten Wesensmerkmale zwischen einem und vierzehn Prozent. Das Hüteverhalten beim Border Collie bewegt sich zwischen einem und zehn Prozent. Selbst Nervenstärke und Selbstvertrauen beim Deutschen Schäferhund kommen über zwanzig Prozent nicht hinaus.

Übersetzt bedeutet das: Der weitaus größte Teil dessen, was dein Hund später für ein Typ wird, entsteht durch Aufzucht, Sozialisierung, Erziehung und durch dich. Die Rasse ist also ein Rahmen und kein Schicksal. Sie sagt dir lediglich, mit welchen Baustellen du eher rechnen musst. Genau so sind die folgenden Empfehlungen gemeint. Wer Anfängerhunde als Garantieschein versteht, wird enttäuscht. Wer sie als groben Rahmen liest, trifft dagegen eine deutlich bessere Entscheidung.

Anfängerhunde auf Platz 10 bis 8: klein, aber keineswegs anspruchslos

Anfängerhunde #10 – Papillon

Auf Platz zehn steht der Papillon. Sein größter Vorteil steckt in seinem Lebenslauf, denn dieser Hund hatte seit Jahrhunderten schlicht keinen Job. Er hat weder Herden zusammengehalten noch Grundstücke bewacht. Folglich fehlen ihm Hütetrieb, Schutztrieb und ein tief verankertes Jagdprogramm, also genau die drei Baustellen, an denen Ersthundemenschen sonst reihenweise scheitern. Zudem ist er der einzige Spaniel mit spitzer Schnauze und wird häufig sechzehn Jahre alt.

Der Haken liegt in seinem Temperament, denn er ist schnell erregbar und ausgesprochen bellfreudig. Außerdem gilt für ihn, was alle kleinen Anfängerhunde betrifft: Hör auf, sie zu tragen. Hundetasche, Mäntelchen und Zwangskuscheln machen aus einem souveränen kleinen Hund schneller einen Kläffer, als dir lieb ist.

Anfängerhunde papillon

Platz 9 – Bichon Frisé

Danach folgt der Bichon Frisé, ebenfalls ein reiner Begleiter ohne Arbeitsauftrag. Besonders überzeugt mich seine Offenheit gegenüber anderen Hunden, denn die Leinenbegegnung ist im Alltag die eigentliche Dauerbaustelle, weit vor Sitz und Platz. Allerdings ist seine Gesundheitsakte länger, als sein fröhliches Gesicht vermuten lässt: Grauer Star, Patellaluxation, Harnsteine und das Cushing-Syndrom treten gehäuft auf.

Anfängerhunde bichon frise


Anfängerhunde #8 – Tibet Spaniel

Auf Platz acht steht ein Hund, den in Deutschland kaum jemand kennt. Der Tibet Spaniel hielt in tibetischen Klöstern von der Mauer aus Wache und musste dabei heiße Sommer und eisige Winter überstehen. Entsprechend robust ist er bis heute, und aus seriöser Zucht gilt er als meist gesund. Diesen Satz liest man in der Fachliteratur bei erschreckend wenigen Rassen. Sein Haken: Fremden gegenüber bleibt er abweisend, und bei Langeweile stellt er die Übung schlicht ein. Zwanzig Wiederholungen von Sitz empfindet dieser Hund als Beleidigung.

Anfängerhunde tibet spaniel

Anfängerhunde auf Platz 7 bis 5: die unterschätzte Mitte

Platz 7 – Havaneser

Der Havaneser überzeugt vor allem durch sein Nervenkostüm, und das ist bei einem ersten Hund die härteste Währung überhaupt. In der Budapester Persönlichkeitsstudie liegt er bei der emotionalen Stabilität auf Rang 20 von rund hundert Rassen. Dennoch braucht er konsequente Sozialisierung, weil bei ihm eine erhöhte soziale Ängstlichkeit beschrieben wurde.

Anfängerhunde havaneser


Anfängerhunde Platz 6 – Flat Coated Retriever

Deutlich seltener trifft man den Flat-Coated Retriever, was ich ausgesprochen schade finde. Sein größter Pluspunkt heißt Berechenbarkeit: Eine schwedische Untersuchung an über tausend Flats zeigte, dass Trainierbarkeit, Wesensfestigkeit und Kooperationsbereitschaft gut weitergegeben werden. Wenn du dir also die Elterntiere ansiehst, weißt du ziemlich genau, was in achtzehn Monaten in deinem Wohnzimmer sitzt. Leider treten Krebserkrankungen bei ihm häufiger auf als bei anderen Retrievern, weshalb ich ihn nur über Zuchten empfehle, die ihre Gesundheitsdaten offenlegen. Praktisch ist außerdem sein eingebauter Motor: Er apportiert leidenschaftlich gern, und damit hast du eine Belohnung in der Hand, die zuverlässig funktioniert.

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Anfängerhunde flat coated retriever

Platz 5 – Whippet

Wegen des Whippet habe ich meine erste Fassung dieser Liste komplett umgeschrieben. Zu Hause verbringt er einen guten Teil des Tages zusammengerollt auf dem Sofa, er bellt kaum und zeigt kein Wachverhalten. Damit ist er der entspannteste Kandidat für Mietwohnung und Alleinbleiben. Draußen dagegen wird er zum Sichtjäger, weshalb Freilauf gut überlegt sein will. Erwähnenswert bleibt zudem seine Lebenserwartung, denn kleine langnasige Rassen stehen in der großen britischen Auswertung von über 580.000 Hunden ganz oben.

Anfängerhunde whippet

Anfängerhunde Platz 4 bis 2: die bekannten Namen

Anfängerhunde Platz 4 – Labrador Retriever

Jetzt bekomme ich Ärger, und zwar mit mir selbst. Ich habe auf meinem Kanal ein Video gemacht, in dem ich den Labrador auseinandergenommen habe. Trotzdem steht er hier auf Platz vier, und das hat einen Grund. Meine Kritik galt nie dem Hund. Sie galt dem, was Menschen aus ihm machen. Wer sich einen Arbeitshund ins Haus holt, ihn für einen Plüschbären hält und dann einmal um den Block geht, erntet genau die bekannten Probleme.

Nimmt man ihn dagegen so, wie er wirklich ist, gehört er zu den besten Anfängerhunden überhaupt. In Kanada stammen sechzig bis siebzig Prozent aller Blindenführhunde aus dieser Rasse, was alles über seine Kooperationsbereitschaft sagt. Entscheidend ist der Punkt, den ich für den ehrlichsten dieses Artikels halte: Seine Baustellen sind steuerbar. Gewicht, Auslastung und Zuchtlinie hast du in der Hand.

Anfängerhunde labrador

Platz 3 – Golden Retriever

Der Golden Retriever wiederum punktet durch sein moderates Erregungsniveau. Er dreht nicht hoch, bellt wenig und ist kaum territorial, weshalb aus misslungenen Situationen selten eine Eskalation wird. Auf der anderen Seite stehen Ellbogen, Hüften, Epilepsie und die bekannte Krebslast der Rasse. Hinzu kommt ein unbequemer Befund, über den selten geredet wird: Beim Golden ist eine familiär vererbte Neigung zu aggressivem Verhalten beschrieben worden. Angesichts der niedrigen Erblichkeitswerte weiter oben ist das eine Ausnahme und kein Urteil über die Rasse. Es heißt schlicht, dass du dir beide Elterntiere in Ruhe ansehen solltest.

Anfängerhunde golden retriever

Anfängerhunde Platz 2 – Pudel

Auf Platz zwei folgt der Pudel, der seit Jahrzehnten unter einem hartnäckigen Klischee leidet. Tatsächlich ist er ein Wasserjagdhund, und das Wort pudelnass stammt genau von ihm. Für Einsteiger interessant: Er jagt Beute kaum hinterher, er bringt sie zurück. Damit lässt sich sein Trieb per Dummy im Garten befriedigen. Wichtig bleibt allerdings, bei den großen Größen zu bleiben, denn beim Toypudel finden sich Beschreibungen wie papierdünnes Schädeldach und rudimentär ausgebildete Zähne.

Anfängerhunde pudel

Platz 1: der Hund, der als Familienhund gezüchtet wurde

Ganz oben steht bei mir der Eurasier, und ausschlaggebend war weniger sein Wesen als die Art, wie diese Rasse gezüchtet wird. Julius Wipfel verpaarte 1960 eine Wolfsspitzhündin mit einem Chow-Rüden, zwölf Jahre später kam der Samojede dazu. Seitdem haben sich Zuchtvereine aus mehreren Ländern zusammengeschlossen, und Verpaarungen werden auf Grundlage von über 30.000 Gesundheitsdaten geplant. Ausstellungserfolge spielen dabei ausdrücklich keine Rolle.

Beim Wesen fallen genau die drei kritischen Baustellen weg: Das Jagdverhalten spielt kaum eine Rolle, er ist wachsam ohne Kläfferei, und Fremden begegnet er freundlich auf Abstand. Dazu kommt eine hohe Reizschwelle, und die federt deine Anfängerfehler ab. Einen Haken gibt es dennoch, und der ist wichtig: Der Rassename ist nicht geschützt. Kaufe also ausschließlich bei einem Verein, der diese Gesundheitsdaten führt.

Anfängerhunde eurasier

Warum Mops, Französische Bulldogge und Cavalier hier fehlen

Jetzt fragst du dich sicher, wo die beliebtesten Familienhunde Deutschlands geblieben sind. Deshalb sage ich es so deutlich, wie ich kann: Ich empfehle prinzipiell keine Rassen, deren Körperbau sie krank macht. Keine Hunde, die nicht richtig atmen können, und keine, deren Schädel zu klein ist für ihr eigenes Gehirn.

Eine einzige Zahl genügt dafür. In einer Untersuchung mussten 47 Möpse einen Kilometer in rund elf Minuten laufen, also strammes Spazierengehen. Etwa die Hälfte hat diesen Test nicht bestanden, und ob die Hunde aus einer VDH-Zucht stammten oder nicht, spielte dabei keine Rolle.

Beim Cavalier King Charles Spaniel tut es besonders weh, weil er charakterlich tatsächlich hervorragend zu Einsteigern passt. Sein Problem sitzt im Körper: Bei der Syringomyelie ist der Schädel zu klein für das Gehirn, und in einer Auswertung von 122 betroffenen Hunden hingen die daraus folgenden Nervenschmerzen mit Angst, hoher Erregbarkeit und messbar schlechterer Lebensqualität zusammen.

Damit ist die Antwort ziemlich simpel: Beim Labrador kann ich dir sagen, füttere weniger und lauf mehr. Bei diesen Rassen kann ich dir gar nichts sagen, weil der Hund geliefert ist, bevor er geboren wird. Und damit wir uns richtig verstehen: Wenn einer dieser Hunde gerade neben dir liegt, dann ist er dein Hund, und du liebst ihn. Der einzelne Hund kann nichts für seine Zucht.

Der beste Anfängerhund steht auf keiner Rasseliste

Zum Schluss noch der Hund, über den in keiner Liste zu Anfängerhunden ein Wort steht, obwohl er für viele Einsteiger die beste Wahl wäre. Ich meine den erwachsenen Hund aus dem Tierheim.

Das häufigste Gegenargument lautet, man wisse ja gar nicht, was man bekommt. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Bei einem Welpen weißt du nämlich gar nichts, denn du bekommst eine Wundertüte, aus der in achtzehn Monaten ein Charakter wird, den du erst dann in voller Blüte siehst. Bei einem erwachsenen Hund dagegen kennst du Größe, Verhalten gegenüber Kindern, Leinenführigkeit und Auslastungsbedarf. Erinnere dich außerdem an die Erblichkeitszahlen vom Anfang: Was dieser Hund erlebt hat und wer ihm jetzt zur Seite steht, wiegt schwerer als sein Stammbaum.

Mein Fazit lautet deshalb: Wähle deinen ersten Hund nach seinem Bedürfnis und nicht nach seinem Gesicht. Alle zehn Anfängerhunde aus dieser Liste geben dir dabei ein Sicherheitsnetz, weil sie dir Zeit lassen, in die Rolle hineinzuwachsen.

Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit. Selbst die entspannteste Rasse ersetzt keine gute Hundeschule, keine Zeit und kein Geld. Anfängerhunde kommen ebenso wenig fertig erzogen aus der Kiste wie alle anderen. Was sie dir bieten, ist Spielraum für Fehler, und genau dieser Spielraum entscheidet oft darüber, ob aus den ersten zwölf Monaten eine schöne Zeit wird oder ein Dauerstress.

FAQ – Häufige Fragen

https://youtu.be/8zAg4vBEk6A


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