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Deutscher Schäferhund: Das musst du vor dem Kauf wissen

Der Deutsche Schäferhund ist seit Jahrzehnten die meistgezüchtete Hunderasse Deutschlands. Polizeihund, Filmstar, Familienmitglied, Wachhund. Kaum eine Rasse steht so sehr für Treue und Arbeitsfreude wie er. Und er ist eine Rasse, die zum Teil darunter leidet, was Menschen aus ihr gemacht haben. In diesem Rasseportrait schauen wir uns diesen Hund ehrlich an. Woher er kommt, wie er tickt, für wen er passt und für wen nicht, welche Probleme im Alltag typisch sind und welche gesundheitlichen Themen jeder kennen sollte, der über die Anschaffung nachdenkt.

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Die Herkunft des Deutschen Schäferhunds: Vom Hütehund zum Statussymbol

Die Geschichte des Deutschen Schäferhundes beginnt 1899 mit einem Mann namens Max von Stephanitz. Der ehemalige Kavallerieoffizier wollte den perfekten deutschen Gebrauchshund züchten und kaufte im April 1899 auf einer Hundeschau in Karlsruhe einen Rüden namens Hektor Linksrhein. Er taufte ihn um in Horand von Grafrath, gründete im selben Monat den Verein für deutsche Schäferhunde und trug Horand als ersten Hund überhaupt ins Zuchtbuch ein. Damit war der Deutsche Schäferhund offiziell geboren.

Was viele nicht wissen: Hektor war kein urtümlicher Hütehund vom Bauernhof. Er stammte aus der Zuchtstätte des Berufszüchters Friedrich Sparwasser in Frankfurt, der schon seit den 1870er Jahren gezielt sogenannte Thüringer Schäferhunde züchtete und ausstellte. Der Deutsche Schäferhund war also von Anfang an ein Zuchtprodukt mit ästhetischen Zielen. Die ursprünglichen Thüringer Schäferhunde, von denen er abstammt, waren echte Arbeitstiere, die in Mitteldeutschland Schafherden trieben und bewachten.

Stephanitz drehte die junge Rasse bewusst in Richtung Leistung. Sein Motto lautete, dass der Schäferhund nützlich sein soll, nicht schön. Über Jahrzehnte setzte sich das durch. Der Deutsche Schäferhund wurde zum bekanntesten Diensthund der Welt, von der Reichswehr über die Polizei bis nach Hollywood, wo der Schäferhund Rin Tin Tin in den zwanziger Jahren zum Filmstar wurde. Mit dem Ruhm kam jedoch die Schauzucht zurück, und damit beginnt der schwierige Teil der Geschichte.

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Charakter und Wesen: Der Streber unter den Hunden

Wenn du den Deutschen Schäferhund als Persönlichkeit beschreiben willst, dann ist er ein Streber im besten Sinn. Er will arbeiten, er will gefallen und er braucht eine Aufgabe. Genau diese Eigenschaften machen ihn so beliebt im Hundesport, bei der Polizei, im Rettungsdienst und bei Blindenführhundschulen. Über Generationen wurde der Deutsche Schäferhund auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen selektiert, und das spürst du in jeder Minute mit ihm.

Was den Deutschen Schäferhund von vielen anderen Familienhunden unterscheidet, ist seine Bindungsschärfe. Während ein Labrador praktisch jeden Menschen sympathisch findet, konzentriert sich der Schäferhund auf seine eigenen Bezugspersonen und betrachtet den Rest erst einmal mit gesunder Distanz. Diese enge Bindung kann so weit gehen, dass er seine Familie ungefragt beschützt.

Der Deutsche Schäferhund ist außerdem hochintelligent. Er lernt schnell, denkt mit und hinterfragt Kommandos, die ihm sinnlos erscheinen. Wer ihn mit reiner Strenge führen will, bekommt einen Hund, der entweder dichtmacht oder Gegendruck aufbaut. Dazu kommt eine oft unterschätzte Sensibilität. Der Schäferhund nimmt die Stimmung seines Menschen wahr und reagiert darauf. Stress in der Familie überträgt sich schnell auf den Hund.

Deutscher Schäferhund
Closeup of a happy German Shepherd dog I Lizenz: Envato von GoodFocused

Für wen der Deutsche Schäferhund geeignet ist

Der Deutsche Schäferhund passt zu aktiven Menschen mit Hundeerfahrung, die bereit sind, Zeit und Konsequenz zu investieren. Wer einen sportlichen Begleiter für lange Spaziergänge, Joggen, Radfahren oder Wandern sucht, findet im Schäferhund einen ausdauernden Partner. Auch für alle, die mit ihrem Hund tatsächlich arbeiten möchten, ist die Rasse eine der besten Wahlmöglichkeiten überhaupt. Hundesport, Fährtenarbeit, Obedience, Rettungshundearbeit und Mantrailing liegen dem Deutschen Schäferhund im Blut.

Ebenso passt der Deutsche Schäferhund zu Menschen, die einen wachsamen Begleiter wollen, der zur Familie gehört, sich aber bei Fremden meldet. Familien mit älteren Kindern und ausreichend Zeit profitieren von der Loyalität und Lernfreude dieser Rasse. Wichtig ist dabei immer, aus welcher Zuchtlinie der Hund stammt, denn das beeinflusst sowohl Gesundheit als auch Temperament erheblich.

Für wen der Deutsche Schäferhund nicht geeignet ist

So vielseitig die Rasse ist, so klar sind auch die Gründe gegen einen Deutschen Schäferhund. An erster Stelle steht: Er ist kein Anfängerhund. Das betont sogar der Zuchtverein selbst. Wer zum ersten Mal einen Hund hält, unterschätzt den Aufwand, den ein Schäferhund mit sich bringt, fast immer.

Auch für Menschen mit wenig Zeit ist der Deutsche Schäferhund die falsche Wahl. Diese Hunde brauchen täglich mehrere Stunden Bewegung und geistige Beschäftigung. Ein Schäferhund, der nur kurz Gassi geführt wird und ansonsten auf dem Sofa liegt, wird unausgeglichen und sucht sich seine eigenen Beschäftigungen, meist auf Kosten der Wohnungseinrichtung.

Nicht geeignet ist die Rasse zudem für Allergiker und für Menschen, die sich an Hundehaaren stören. Der Deutsche Schäferhund haart das ganze Jahr über, im Fellwechsel zweimal jährlich besonders stark. Schwarze Kleidung und ein Schäferhund im Haushalt sind nur schwer vereinbar. Wer in einer kleinen Mietwohnung mit empfindlichen Nachbarn lebt, sollte ebenfalls genau überlegen, denn der Schäferhund neigt zum Bellen und Melden.


Häufige Probleme mit dem Deutschen Schäferhund im Alltag

Viele Probleme, die Halter mit ihrem Deutschen Schäferhund haben, entstehen nicht durch schlechte Hunde, sondern durch falsche Haltung. Ein häufiges Thema ist der übersteigerte Schutztrieb. Dieser Hund wurde gezüchtet, um Familie und Territorium zu verteidigen. Wird dieser Trieb nicht gelenkt, übernimmt der Hund die Kontrolle selbst und bellt oder bedrängt jeden Fremden.

Ein zweites großes Thema ist die Unterforderung. Wenn ein Deutscher Schäferhund seine Energie nicht abbauen kann, entwickelt er häufig Hyperaktivität, Zwangsverhalten oder Aggression. Gleichzeitig ist auch das Gegenteil ein Problem: die Überforderung. Viele Halter überdrehen, sobald sie merken, dass ihr Hund Auslastung braucht, und packen Agility, Mantrailing und tägliche stundenlange Spaziergänge übereinander. Das Ergebnis ist ein Hund, der nicht mehr zur Ruhe kommt. Ein erwachsener Deutscher Schäferhund braucht etwa siebzehn bis zwanzig Stunden Ruhe am Tag. Ruhe ist eine Fähigkeit, die der Hund von klein auf lernen muss.

Weitere typische Schwierigkeiten sind Trennungsangst durch die enge Bindung, ausgeprägtes Bellverhalten und Gelenkschäden durch falsche Welpenernährung. Gerade beim schnell wachsenden Hund kann zu energiereiches Futter im Welpenalter lebenslange Schäden verursachen.

Gesundheit: Die typischen Krankheiten des Deutschen Schäferhundes

Beim Thema Gesundheit wird es ernst, denn der Deutsche Schäferhund gehört zu den Rassen mit vielen bekannten Erbkrankheiten. Das prominenteste Problem ist die Hüftdysplasie. Nach Daten der amerikanischen Orthopedic Foundation for Animals wurde bei rund 20,6 Prozent der untersuchten Hunde dieser Rasse eine Hüftdysplasie festgestellt, bei der Ellbogendysplasie sind es knapp 19 Prozent. Jeder fünfte geröntgte Deutsche Schäferhund hat also ein Hüftproblem.

Mindestens ebenso bitter ist die degenerative Myelopathie, eine fortschreitende Nervenerkrankung, die das Rückenmark zerstört und den Hund nach und nach in der Hinterhand lähmt. Der Deutsche Schäferhund zählt zu den weltweit am häufigsten betroffenen Rassen. Es gibt einen Gentest auf das verantwortliche SOD1-Gen, den seriöse Züchter durchführen sollten.

Ein weiteres rassetypisches Leiden ist das Cauda-Equina-Syndrom, im Volksmund treffend Schäferlähme genannt. Dabei verengt sich der Wirbelkanal im Übergang vom letzten Lendenwirbel zum Kreuzbein und drückt auf die Nervenwurzeln. Beim Deutschen Schäferhund ist dieser Übergang anatomisch besonders beweglich, weshalb die Rasse stark prädisponiert ist. Studien nennen eine Prävalenz von rund sieben Prozent. Dass eine Erkrankung im Volksmund nach einer Rasse benannt wird, sagt schon viel aus.

Dazu kommt die exokrine Pankreasinsuffizienz, kurz EPI. Bei dieser autosomal-rezessiv vererbten Erkrankung produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme, sodass der Hund seine Nahrung nicht mehr verwerten kann und trotz Fressen abmagert. Der Deutsche Schäferhund ist die weltweit am häufigsten betroffene Rasse. Auch beim Krebs zeigt sich eine Belastung: Das Hämangiosarkom, ein bösartiger Tumor der Blutgefäße, tritt beim Schäferhund deutlich häufiger auf als im Durchschnitt. Hinzu kommen Magendrehung, Allergien und chronische Ohrenentzündungen. In einer großen britischen Studie des Royal Veterinary College lag die durchschnittliche Lebenserwartung des Deutschen Schäferhundes bei nur 10,3 Jahren, deutlich unter dem, was eine mittelgroße Rasse erreichen sollte.

Show-Linie, Arbeitslinie und DDR-Linie: Der Ost-West-Unterschied

Ein entscheidender Punkt, den viele Interessenten übersehen, ist die Tatsache, dass es nicht den einen Deutschen Schäferhund gibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands entwickelten sich die Zuchtlinien getrennt voneinander. In Westdeutschland legte die Zucht zunehmend Wert auf das Erscheinungsbild. Im Showring waren ein schwungvoller Trab und eine lange, abfallende Kruppe gefragt. So entstand die Hochzucht- oder Showlinie mit dem charakteristisch abfallenden Rücken und der stark gewinkelten Hinterhand, die heute zu Recht in der Kritik steht.

In der DDR wurde der Deutsche Schäferhund dagegen straff staatlich organisiert und als Gebrauchshund gezüchtet. Belastbarkeit, Nervenstärke und Gesundheit standen im Vordergrund. Ab 1979 wurde in der DDR-Zucht nur noch mit HD-freien Hunden gezüchtet, und bereits 1984 war die DDR-Linie zu etwa 94 Prozent frei von Hüftdysplasie. Der DDR-Schäferhund hat einen geraden Rücken, eine moderate Winkelung, oft eine dunklere Färbung und einen kräftigen Knochenbau.

Heute unterscheidet man im Schäferhundwesen meist drei Linien. Aus der westdeutschen Hochzucht stammt die Showlinie, die häufig die typischen Gesundheitsprobleme zeigt. Daneben gibt es die Arbeitslinie, oft aus DDR-Blut und tschechischen Linien hervorgegangen, sportlich und leistungsorientiert. Und schließlich die DDR-Linie selbst, die sich am ursprünglichen Gebrauchshund orientiert. Wenn du einen gesunden Deutschen Schäferhund suchst, ist die Wahl der richtigen Linie der wichtigste Faktor überhaupt.

Worauf du beim Kauf eines Deutschen Schäferhundes achten solltest

Wer sich für einen Deutschen Schäferhund entscheidet, sollte den Welpenkauf gründlich angehen. Frag den Züchter explizit nach der Linie, also ob es sich um Show-, Arbeits- oder DDR-Linie handelt. Lass dir die Papiere und die Röntgenbilder der Elterntiere zeigen. Hüft- und Ellbogendysplasie müssen getestet sein, und der DM-Gentest auf das SOD1-Gen sollte selbstverständlich sein.

Schau dir außerdem die Mutterhündin an und beobachte, wie sie sich bewegt. Wenn die Hündin schon in jungen Jahren einen stark abfallenden Rücken hat und nicht entspannt läuft, ist das ein Warnsignal. Sei ehrlich zu dir selbst, ob dein Leben zu diesem anspruchsvollen Hund passt, denn ein Deutscher Schäferhund begleitet dich viele Jahre und braucht täglich Zeit, Beschäftigung und Konsequenz. Und vergiss den Tierschutz nicht: In deutschen Tierheimen warten zahlreiche Schäferhunde und Schäferhundmischlinge auf ein neues Zuhause.

Fazit: Die Französische Bulldogge ist nicht das Tier, das die Werbung verkauft

Der Deutsche Schäferhund ist eine faszinierende Rasse mit einer bewegten Geschichte und einem großen Herzen. Wer sich der Verantwortung bewusst ist, auf eine gesunde Linie achtet und bereit ist, in Erziehung und Beschäftigung zu investieren, bekommt einen treuen Begleiter fürs Leben. Das ausführliche Video zu diesem Thema findest du direkt hier auf meinem Kanal.

FAQ – Häufige Fragen zum Deutschen Schäferhund

https://youtu.be/n058iMaWpLQ


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