Hundetraining

Hundeerziehung – 3 häufige Fehler in der Hundeerziehung vermeiden

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Die 3 häufigsten Fehler in der Hundeerziehung!

Du glaubst, dass der Besuch einer Hundeschule allein einen gut erzogenen Hund garantiert? Diese Illusion muss ich dir heute leider nehmen. Ich erkläre dir, worauf es wirklich ankommt: Hundeerziehung beginnt im alltäglichen Umgang mit deinem Hund, sowohl zu Hause als auch auf dem Spaziergang!

 

Hundeerziehung - Wie wichtig ist die Hundeschule wirklich?

Jeder Hundebesitzer erhofft sich durch den Besuch der Hundeschule einen wohlerzogenen und gut sozialisierten Hund. Umso größer ist die Verwunderung, dass der Hund auch nach dem erfolgreichen Abschluss der Hundeschule noch immer nicht das Verhalten zeigt, dass man sich eigentlich vom Besuch der Hundeschule versprochen hatte. Die Erklärung dafür ist meist schnell gefunden: „Mein Hund ist halt etwas schwierig!“ oder „Ich habe schon alles versucht, aber dieser Hund lernt es einfach nicht!“

Aufgepasst! Das Wort „Hundeschule“ beinhaltet das Wort „Schule“. Diese versteht sich als Lehranstalt, in der Kindern und Jugendlichen durch planmäßigen Unterricht Wissen und Bildung vermittelt werden. Soziale Kompetenz und respektvolles Verhalten gegenüber anderen Menschen oder auch Tieren lernt man dagegen nicht in der Schule, sondern hauptsächlich zu Hause von seinen Eltern. Das gleiche Prinzip lässt sich auch auf den Hund übertragen. Auch dein Hund lernt die wirklich wichtigen Dinge der Erziehung nicht in der Hundeschule, sondern zu Hause im gemeinsamen Alltag mit dir.

Schau dir dazu auch unsere Beiträge über Frustrationstoleranz So lernt dein Hund Geduld und innere Ruhe! und Impulskontrolle an.

 

Hundeerziehung - Fehlerquellen erkennen und vermeiden

Du möchtest den Alltag mit deinem Hund als ein eingespieltes Team bestreiten? Dann vermeide diese 3 Fehler bei der Erziehung deines Hundes.

 

1. Fehler in der Hundeerziehung - Falsche oder fehlende Orientierung

Zu Hause und auf dem Spaziergang orientierst DU dich meistens an deinem Hund und nicht umgekehrt! An folgenden Beispielen kannst du erkennen, dass dein Hund sich nur wenig bis gar nicht an dir orientiert:

- du gibst deinem Hund vor Verlassen des Hauses das Kommando Sitz. Sobald du das Kommando auflöst, zieht dein Hund dich trotzdem an straffer Leine aus der Haustür heraus

- dein Hund löst das Kommando Sitz oft selbständig auf und wartet erst gar nicht auf deine Freigabe

- du hälst deinen Hund an straffer Leine hinter dir, damit du wenigstens einigermaßen gesittet das Haus verlassen kannst

- du zeigst deinem Hund ein Futterstück oder knisterst mit der Futtertüte, damit er macht was du möchtest

In all diesen Beispielen glaubst du vielleicht, dass dein Hund sich gerade durch die Verwendung von der Leine, Futter oder Kommandos an dir orientiert. Der Realität entspricht das aber leider nicht.

 

Anzeichen einer fehlenden Orientierung

Eine straffe Leine ist immer ein Hinweis darauf, dass dein Hund mit seinen Gedanken gerade nicht bei dir ist. Auch ein von deinem Hund ausgeführtes Kommando bedeutet nicht, dass dein Hund sich gerade wirklich an dir orientiert. Dies wäre nur der Fall, wenn du den Gemütszustand deines Hundes durch den Einsatz vom Kommando von „angespannt“ in „entspannt und aufmerksam dir gegenüber“ verändern würdest. Ist dies nicht der Fall, so veränderst du lediglich seine Körperhaltung von „aufgeregter stehender Hund“ in „aufgeregter sitzender Hund“.

 

Merkmale einer guten Orientierung

Dein Hund zeigt dann eine gute Orientierung an dir, wenn die folgenden Merkmale auf ihn zutreffen. Dein Hund:

- dreht sich im Freilauf oft zu dir um

- bleibt im Freilauf an deiner Seite und entfernt sich nicht ohne deine Freigabe

- achtet darauf, dass die Leine immer locker bleibt

- bleibt entspannt liegen, wenn du mal den Raum verlässt

- zeigt keine Anzeichen von Frust, wenn du ein Spiel beendest

- fordert dich nie auf, ihm schnell genug seinen Futternapf zu füllen

- bleibt abwartend sitzen oder stehen, wenn ihr das Haus für den Spaziergang verlasst

Dann ist es auch völlig egal, ob er vor oder hinter dir aus der Haustür herausläuft, weil seine Gedanken bei dir sind.

 

Eine ehrliche Bestandsaufnahme

Finde zunächst heraus, wie gut die Orientierung deines Hundes an dir bisher überhaupt ist. Achte in den nächsten Tagen darauf, wie oft am Tag dein Hund Entscheidungen trifft. Überprüfe, wann dein Hund etwas aus einem eigenen Antrieb heraus, sprich ohne deine vorherige Aufforderung, tut:

- Der Hund sucht selbständig häufig deine Nähe auf. Du streichelst ihn daraufhin, bewusst oder unbewusst.

- Dein Hund bringt dir häufig sein Lieblingsspielzeug. Du gehst auf sein Spiel ein.

- Du forderst ein Kommando von deinem Hund. Ohne Aussicht auf eine Belohnung wird er das Kommando nicht ausführen.

- Dein Hund verfolgt dich, sobald du aufstehst und den Raum verlässt.

- Auf der Couch machst du deinem Hund Platz, sobald er zu dir kommt.

- Auf dem Spaziergang achtest DU auf eine lockere Leine, wenn dein Hund eine interessante Schnüffelstelle gefunden hat.

Trifft dein Hund 80% der Entscheidungen am Tag, so hast du im Umkehrschluss auch nur 20% Mitspracherecht, wenn du mal eine Entscheidung treffen möchtest. Und gerade in Konfliktsituationen sind 20% Mitspracherecht natürlich nicht mal ansatzweise ausreichend, um Einfluss auf das Verhalten deines Hundes nehmen zu können.

Wie du eine gute Orientierung deines Hundes an dir erreichst, haben wir dir in den  Beiträgen Führung übernehmen – Grenzen setzen!  und So bleibt dein Hund entspannt auf seiner Decke! genau erklärt.

2. Fehler in der Hundeerziehung – Zuviel Verantwortung für deinen Hund

Dein Hund läuft an der Leine vor dir, obwohl er in bestimmten Situationen außer Kontrolle gerät!

Ein Hund, der vor seinem Besitzer in der Poleposition läuft braucht ein ausgeglichenes Wesen und Souveränität, um entspannt mit auftauchenden Reizen umgehen zu können. Viele Hunde haben diese Souveränität aber nicht.  Sie springen in gewissen Situationen in die Leine und blenden ihren Menschen dabei komplett aus. Dieses Verhalten zeigt sich insbesondere bei Auftauchen von starken Reizen (anderer Hund, Radfahrer, Jogger...) Daraus entstehende Leinenaggressionen zeigen einerseits die Überforderung des Hundes mit der Situation und andererseits eine fehlende Orientierung am Besitzer.

So ein Hund benötigt einen Menschen an seiner Seite, der ihn leitet und der bestimmt ,wie mit dem Reiz umgegangen wird. Du benötigst also die Souveränität und Kompetenz, um deinem Hund zu zeigen, dass er sich auf dich verlassen kann. Ebenso wichtig ist es, den Hund stoppen zu können, wenn er sich aus einem falschen Pflichtgefühl heraus selber um den Reiz kümmern möchte. Das passiert häufig dann, wenn der Hund seinem Menschen diese Kompetenz nicht zutraut.

Um deinen Hund leiten zu können, muss er maximal neben oder besser noch hinter dir an lockerer Leine laufen und auf dich achten. Wie du deinem Hund beibringen kannst hinter dir zu laufen, erkläre ich dir im Beitrag 3 Tipps für die Beschäftigung auf dem Spaziergang!

 

3. Fehler in der Hundeerziehung – Zuviel Freiheit für deinen Hund

Du lässt Verhaltensweisen deines Hundes zu, die du - wenn nötig – aber nicht oder nur mit sehr viel Mühe unterbinden kannst! 

Zwischen Amy und mir ist alles erlaubt, was ich auch ohne Mühe unterbinden kann. Mittlerweile ist ziemlich viel erlaubt, weil Amy mir gegenüber respektvoll auftritt und ich ihr Verhalten beeinflussen könnte, wenn es sich in eine falsche Richtung entwickeln würde. Aus meinem Zusammenleben mit Amy gebe ich dir nun ein paar Beispiele:

 

Hundeerziehung - Respekt schafft Freiheit

Hund fordert Streicheleinheiten

Da Amy die meiste Zeit des Tages eh in ihrem Körbchen liegt und schläft, freue ich mich über die Kontaktaufnahme und erwidere diese auch gern. Habe ich aber mal keine Zeit oder Lust auf Streicheleinheiten, dann kann ich Amy jederzeit ohne eine Diskussion ihrerseits wegschicken. Anders sähe es aus, wenn Amy auf Streicheleinheiten bestehen und diese durch anrempeln, mit der Pfote kratzen, fiepen oder anspringen einfordern würde. In dem Fall wird das Regelwerk bei uns zu Hause erstmal wieder etwas enger geschnallt.

Hund darf zuerst durch die Tür

Da Amy dies an lockerer Leine tut und auf mich achtet, ist es natürlich in Ordnung, wenn sie vor mir aus der Haustür herausgeht. Anders sähe es aus, wenn sie mich an straffer Leine aus der Haustür zieht und mich komplett ausblendet. Schau dir dazu auch gern unseren Beitrag Hilfe, mein Hund zieht schon an der Haustür! an.

Hund im Freilauf

Hat ein Hund gelernt Freiheiten nicht auszunutzen, darf er sie natürlich auch genießen. Aufgrund von Amy’s ausgeprägten Jagdtrieb habe ich sie aber immer im Blick. Ich registriere sofort, wenn sie sich ein bisschen zu intensiv mit ihrer Umwelt beschäftigt.

Gehen die Ohren nach vorne, nimmt die Nase Witterung auf. Wandert die Rute immer höher, so heißt es eingreifen. Ein Warnsignal oder Korrektursignal kündigt Amy an, dass ich mit ihrem Verhalten gerade nicht einverstanden bin. Fährt sie daraufhin wieder runter, so darf sie den Freilauf weiter genießen. Tut sie es nicht, so schicke ich sie zum Runterkühlen eine Weile hinter mich oder nehme sie an die Leine.

Schau dir dazu auch unsere Beiträge Nutzung der Schleppleine in der Praxis! und Leine ab, Hund weg? Hund im Freilauf“ an.

Hund auf der Couch

Bei meinen Eltern wird der Sessel gerne mit dem Vierbeiner geteilt. Ella – die Hündin meiner Eltern – teilt sich einen Sessel mit meinem Vater. Amy teilt sich einen Sessel mit meiner Mutter. Warum ich kein Problem damit habe, obwohl es bei uns zu Hause tabu ist? Amy hüpft von ganz allein aus dem Sessel heraus, sobald meine Mutter in die Nähe des Sessels kommt. Sie legt sich dann woanders hin. Anders sähe es aus, wenn Amy stoisch im Sessel liegenbleiben würde, nach dem Motto: „Bist du blind? Such dir einen anderen Platz, dieser ist schon belegt!“.

In diesem Fall würde ich ihre Freiheiten im Haus einschränken und das Regelwerk enger gestalten.

 

Fazit

Ich hoffe dir ist klar geworden, wie wichtig der alltägliche Umgang mit deinem Hund in der Hundeerziehung ist. Nur du hast es in der Hand hast, in welche Richtung sich dein Hund entwickelt. Ein ausgeglichener Hund, der kompetent mit Reizen jeglicher Art umgeht, verzeiht Nachlässigkeiten in der Erziehung. Hat dein Hund aber die ein oder andere Baustelle, dann benötigt er zwingend einen Menschen an seiner Seite, an dem er sich orientieren kann. Andernfalls ist ein Fortschritt in der Hundeerziehung sonst nicht möglich!

Eine gute Orientierung deines Hundes an dir erreichst du aber nicht dadurch, dass du dich an deinem Hund ausrichtest, ihn fütterst und liebst. Eine gute Orientierung erreichst du nur durch sinnvolle Regeln und Grenzen, die dein Hund sowohl zu Hause als auch auf dem Spaziergang einhalten muss.

Dabei gilt: Egal wie aufgeregt und nervig dein Hund auch sein mag, bleib immer innerlich ruhig, aber gleichzeitig durchsetzungsfähig! Negativen Emotionen wie Frust oder Wut folgt ein Hund nämlich nicht. Diese negativen Emotionen spiegeln lediglich die eigene Überforderung mit der Situation wieder. Zudem solltest du statt vieler Kommandos lieber deinen gesunden Menschenverstand und dein Bauchgefühl nutzen, wenn dein Hund seine Grenzen mal wieder austestet.

 

 

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