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DEIN HUND ZIEHT AN DER LEINE? 

Dein Hund zieht an der Leine, wenn du während des Spaziergangs jemanden triffst, mit dem du dich kurz in Ruhe unterhalten möchtest? Oder lässt die Leinenführigkeit deines Hundes noch komplett zu wünschen übrig sobald ihr an ablenkungsreicheren Orten spazieren geht? Dann ist dieser Artikel genau der richtige für dich. Denn erfolgreich an der Leinenführigkeit deines Hundes arbeiten kannst du nur, wenn du die Führleine richtig einsetzt. Was du vermeiden solltest und worauf du achten musst, verrate ich dir jetzt. 

Dein Hund zieht an der Leine und kommt dadurch derzeit noch häufig zum Erfolg? Dann setzt du die Führleine bislang falsch ein. Denn dein Hund lernt im gemeinsamen Alltag mit dir das, was du ihm beibringst. Sowohl drinnen in der Wohnung als auch draußen während des Spaziergangs. Das bedeutet, dass unsere Fehlersuche bei DIR, dem Leinenende, beginnt.

Entwicklungsphase

Die größte Herausforderung bezüglich einer guten Leinenführigkeit ist zweifellos das Alter deines Hundes. Oder besser gesagt, dein Umgang damit. Ein junger Hund, das ist er grob verallgemeinert bis zum ungefähr dritten Lebensjahr, steckt voller Energie und Tatendrang. Der Hund zieht an der Leine, weil er die Welt entdecken möchte. Er lässt sich schnell ablenken, schießt immer mal wieder übers Ziel hinaus oder auch ins Leinenende und testet fleißig seine Grenzen aus. Warum? Um herauszufinden welche Rolle ER in eurer Beziehung spielt und welche DU. Zweifelsohne eine herausfordernde Zeit, aber du bestimmst, ob dein Hund in diesen ersten Lebensjahren gutes Benehmen oder Unsinn lernt. Ich verdeutliche das Ganze jetzt mal anhand einer Situation, die dir vielleicht bekannt vorkommt. Dein Hund zieht an der Leine, obwohl du dich kurz in Ruhe mit jemandem unterhalten möchtest. Wie du die Leine in dieser Situation einsetzt bestimmt, OB und WAS dein Hund lernt.

Ist die Leinenführigkeit noch ausbaufähig, dann ändere das. Unser Onlinekurs „Bleib mal locker, Leine!“ zeigt dir wie.

Mensch-Hund-Begegnung

Dein Hund und du trefft während des Spaziergangs zufällig einen guten Bekannten. Dein Hund zieht an der Leine, macht einen freudigen Satz nach vorne und springt deinen Bekannten an. Peinlich berührt ziehst du deinen Hund an straffer Leine zurück in deine Nähe. Du entschuldigst dich und hältst deinen Hund an kurz gehaltener straffer Leine bei dir, damit er deinen Bekannten nicht erneut anspringt. Trotzdem DU dein Ziel erreichst, lernt dein Hund nichts. Denn dazulernen kann dein Hund nur, wenn er an lockerer Leine in deiner Nähe bleibt, während du dich unterhältst.

Hund-Hund-Begegnung

Nun legen wir noch eine Schippe drauf. Dein Hund und du geht spazieren und trefft spontan auf einen guten Bekannten samt HUND. Dein Hund zieht an der Leine, weil er es kaum abwarten kann, sich dem Artgenossen zu nähern. Kaum angekommen dürfen sich die Hunde kurz an straffer Leine begrüßen. Da es sehr wuselig zugeht beendest du die Kontaktaufnahme zeitnah und ziehst deinen Hund an straffer Leine zurück in deine Nähe. Die Unterhaltung gestaltet sich weiterhin unruhig, weil dein Hund den Kontakt zum Artgenossen noch nicht als beendet ansieht. DU jedoch schon und dank der straffen Leine gelingt es dir, dich durchzusetzen. Aber hat dein Hund auch was gelernt? Du ahnst es schon: Leider nein! Etwas gelernt hätte er nur, wenn er an lockerer Leine akzeptiert, dass du gerade keinen Kontakt zwischen den Hunden wünschst.

So geht’s richtig

Ab sofort setzt du die Leine richtig ein und verbesserst nicht nur die Leinenführigkeit, sondern auch die Ansprechbarkeit deines Hundes. Dein Hund zieht an der Leine, weil er einem Wunsch nachgehen möchte. DEINE Aufgabe ist es, ihm verständlich zu vermitteln was du in dieser Situation von ihm erwartest. Dafür stehen dir unterschiedlichste Möglichkeiten zur Verfügung, drei davon verrate ich dir jetzt. 

Anzeige / Affiliate Links / Letzte Aktualisierung am 23.05.2024

Verwende ein Kommando

Dein Hund zieht an der Leine, weil er einen Menschen oder Artgenossen begrüßen möchte? Damit er direkt versteht, dass dies nicht erwünscht ist, gib deinem Hund eine Aufgabe, auf die er sich konzentrieren kann. Fordere beispielsweise, bevor du die Person begrüßt, das Sitz- oder Platz-Kommando von deinem Hund. Sich auf die Einhaltung des Kommandos zu konzentrieren hilft deinem Hund, sich in Zurückhaltung zu üben. Löst dein Hund das Kommando selbständig auf, bringst du ihn freundlich-bestimmt zurück in die Sitz- oder Platz-Position. Achte im Anschluss darauf, dass die Leine wieder leicht durchhängt. Nimm dir Zeit und übe derartige Begegnungssituationen zunächst mit dir bekannten Personen, um die nötige innere Ruhe zu haben. 

Nutze eine Berührung

Eine weitere Möglichkeit ist den Vorwärtsdrang deines Hundes durch eine stoppende Berührung zu unterbrechen. Das heißt! Dein Hund zieht an der Leine, du fasst die Leine gegebenenfalls etwas nach, blockst deinen Hund anschließend mit der flachen Hand im Brustbereich und hinderst ihn so am Weitergehen. Erst wenn er abwartend stehenbleibt, nimmst du die Hand wieder weg und achtest darauf, dass die Leine leicht durchhängt. Setzt sich dein Hund erneut in Bewegung, blockst du ihn ein weiteres Mal wie beschrieben. Deine Nachricht lautet: „Der Raum vor mir ist für dich tabu, warte bitte an lockerer Leine in meiner direkten Nähe ab.“ Bleib so lange geduldig und mit der nötigen inneren Ruhe am Ball, bis dein Hund deine Anweisung akzeptiert. 

Setze eine visuelle Grenze

Reagiert dein Hund sensibel auf Berührungen, dann nutze deine flache Hand wie eine Art visuelle Grenze. Sprich! Dein Hund zieht an der Leine,du stoppst ihn mit Hilfe der Leine und hältst gleichzeitig deine flache Hand mit ausreichend Abstand auf Augenhöhe deines Hundes. Lockere die Leine anschließend etwas und überprüfe, ob dein Hund deine gesetzte Grenze an lockerer Leine akzeptiert oder eine erneute Erinnerung benötigt. 

Zusatztipp

Dein Hund zieht an der Leine, egal was du tust? Vergrößere den Abstand zum jeweiligen Menschen oder Artgenossen, damit es ihm leichter fällt sich zurückzuhalten. Sobald es auf Abstand gut klappt, arbeitest du dich schrittweise näher an den jeweiligen Reiz heran. Tag für Tag, Woche für Woche. Sei geduldig und hinterfrage auch stets dein eigenes Verhalten. Denn IMMER, wenn du eine Situation mit Hilfe der straffen Leine managst und endest, lernt dein Hund nichts. Um dich zukünftig selber dabei zu ertappen frage dich: „WIE würde mein Hund sich verhalten, wenn ich die straffe Leine jetzt nachgebe oder gar fallenlasse?“ Gefällt dir die Antwort auf diese Frage nicht, weißt du, woran du noch arbeiten musst. Weiter geht’s mit der nächsten Herausforderung.

Reizlage

Herausforderung Nummer 2, die die Leinenführigkeit erschwert, ist die dich und deinen Hund umgebene Reizlage. Zweifelsohne ist es wichtig, dass dein Hund von Anfang an lernt, Reize an lockere Leine auszuhalten. Doch die richtige Dosis bestimmt über Erfolg oder Misserfolg! Setzt du deinen Hund den für ihn stressigen Reizen zu lange aus, forderst du ihn nicht, sondern überforderst ihn. Seine Überforderung zeigt er dadurch, dass er ab einem bestimmten Zeitpunkt auf nichts mehr reagiert. Dein Hund zieht an der Leineund ignoriert jegliche Versuche, wieder mit ihm in Kontakt zu kommen. Die Leine bleibt aufgrund der zu hohen Reizlage dauerhaft straff, die Leinenführigkeit leidet und ein Lernerfolg bleibt aus. Worauf du während des Spaziergangs achten und was du vermeiden solltest erkläre ich dir jetzt beispielhaft anhand von Malinois Rüde Klaus(i).

Fallbeispiel KLAUSI

Malinois Rüde Klaus, genannt Klausi, ist kürzlich 2 Jahre alt geworden. Die ersten 1,5 Lebensjahre lebte er bei seinem Vorbesitzer eher ländlich, also reizarm. Seit dem Umzug zu seinen neuen Menschen lebt Klaus jedoch in der Stadt. Die für Klaus ungewohnt hohe Reizlage plus sein aktueller Hormonstatus strapazieren sein Nervenkostüm. Seine Konzentrationsfähigkeit ist eingeschränkt und die Leinenführigkeit aus diesem Grund noch ausbaufähig. Mal angenommen so ein Hund vom „Typ Klaus“ landet bei einem Menschen, der sich entweder an straffer Leine mitziehen und den Hund größtenteils „machen“ lässt oder bei einem Menschen, der alle paar Meter schimpfend an der straffen Leine ruckt. Beide Vorgehensweisen ändern nichts an dem zu hohen Erregungslevel und der damit einhergehenden schlechten Ansprechbarkeit. Ergo: der Hund zieht an der Leine und wird es auch weiterhin tun, weil sein Mensch zu undeutlich kommuniziert.

So geht’s richtig!

Damit sich die Leinenführigkeit deines Hundes auch unter höherer Reizlage verbessert, musst du regelmäßig üben. Dies aber wohldosiert und mit verständlicher Anleitung. Gib deinem Hund trotz des stressigen Umfelds selbstbewusst Orientierung vor, damit die gedankliche Verbundenheit zwischen euch bestehen bleibt. Wie’s geht habe ich bereits im Beitrag „Machst DU auch diese Fehler?“ erklärt. Achte zudem darauf, die Länge des Spaziergangs an die Reizlage und das Nervenkostüm deines Hundes anzupassen. Denn denk dran: dein Hund zieht an der Leine, weil er sich entweder zu wenig angeleitet fühlt oder ihn die Reizlage überfordert! Regelmäßige Pausen, in denen dein Hund die ihn umgebenen Umweltreize in Ruhe verarbeiten kann sind ebenfalls hilfreich, um die Leinenführigkeit schrittweise zu perfektionieren. Parallel dazu gehst du täglich ausgiebig an ruhigeren Orten spazieren, an denen sich dein Hund mental erholen und seinen Bewegungsdrang stillen kann. Je nach Erziehungsstand entweder an lockerer Führ- oder Schleppleine oder auch im Freilauf.

Dein Leitfaden

Erstelle dir jetzt deinen ganz persönlichen Leitfaden für eine bessere Leinenführigkeit und notiere dir die folgenden 4 Fragen.

FRAGE 1: Wann, wo und wie lange gehst du spazieren?

FRAGE 2: In welchen Situationen zieht dein Hund an der Leine? 

FRAGE 3: Wie beurteilst du dein Auftreten und Leinenhandling?

FRAGE 4: Wie gut war die Ansprechbarkeit deines Hundes?

Beantworte diese 4 Fragen eine Woche lang nach JEDEM einzelnen Spaziergang und bekomm ein immer besseres Gespür dafür, was dir und deinem Hund aktuell gut tut und was nicht. 

Hinweis

Geht außer dir noch eine andere Person mit deinem Hund spazieren, dann wirf auch das mit in die Waagschale! Bitte die Person die 4 Fragen ebenfalls eine Woche lang zu beantworten und zieht nach Ablauf der Woche gemeinsam Resümee.

  • Wie viele Spaziergänge hast du übernommen, wie viele die andere Person?
  • Geht ihr unterschiedlich lang, an unterschiedlichen Orten spazieren?
  • Zeigt sich dein Hund bei der anderen Person bezüglich der lockeren Leine kooperativer? Hinterfrage was euch im Umgang mit dem Hund unterscheidet. 
  • Geht ihr teils auch zu zweit mit dem Hund spazieren? Notiere, wer den Hund führt, wie es läuft und welchen Unterschied es macht, wenn mal der ANDERE das Leinenende übernimmt. Jedes Detail zählt!

Fazit

Dein Hund zieht an der Leine, weil er aktuell noch nicht anders kann. Doch dank deiner Notizen und den daraus entstehenden neuen Erkenntnissen kommst du deinem Ziel, der lockeren Leine, Schritt für Schritt näher. Bleib geduldig am Ball und hinterfrage vor allem dein eigenes Auftreten täglich! Denn dazulernen kann dein Hund nur, wenn DU ihm den passenden Rahmen dafür ermöglichst.

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