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Hundefutter / Analytische Bestandteile verstehen / Rohprotein und Co

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Hundefutter Hund Ernährung / Analytische Bestandteile

Jeder Futtermittelhersteller ist verpflichtet die Inhaltsstoffe wie Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Rohfaser gut lesbar auf der Futterverpackung für Hundefutter zu deklarieren. Doch was sagen dir diese Werte nun genau über die Qualität des Hundefutters aus? Das verraten wir dir im folgenden Artikel.

 

Trockenmasse

Hundefutter, egal ob Trocken- oder Nassfutter unterteilt sich immer in einen Anteil Trockenmasse (oder auch Trockensubstanz) und in einen Rohwasseranteil, sprich Feuchtigkeit. Der Trockenmasse wurde also sämtliches Wasser entzogen. Der Wasseranteil des Futters wird von vielen Herstellern auf dem Futtersack angegeben. Wenn du keine Angaben dazu findest, kannst du bei Trockenfutter in etwa von einem Wasseranteil von um die 10% ausgehen. Bei Nassfutter ist dieser Wert mit ca. 70-85% entsprechend höher.

Wer seinen Hund ausschließlich mit Trockenfutter ernährt, sollte darauf achten, dass ein Fleischgehalt von mindestens 25 bis 30 Prozent Fleisch in der Trockenmasse vorhanden ist. Die meisten Angaben auf dem Futtersack beziehen sich nämlich nicht auf die Trockenmasse, sondern auf den Frischfleischanteil. Dieser Frischfleischanteil beinhaltet allerdings noch einen großen Anteil Wasser, was den prozentualen Anteil an Fleisch dann deutlich nach unten korrigiert.

Weender Futtermittelanalyse

Die Ermittlung der analytischen Bestandteile (Rohprotein, Rohasche, Rohfaser, Rohfett) erfolgt durch die sogenannte Weender Futtermittelanalyse. Diese labortechnische Analyse liefert allerdings keine Aussage über die Qualität des Futters und ob dein Hund es wirklich gut verwerten kann. Das verdeutlichen wir dir nun mal an einem Beispiel mit identischen Analysewerten, aber komplett unterschiedlichen „Zutaten".

 

Beide Beispiele enthalten:

10% Rohprotein / 6,5% Rohfett / 2,4% Rohfasern / 68% Wasser

Zusammensetzung Beispiel 1:

Rindfleisch, Leber, Herz, Hühnerfett, Sonnenblumenöl, Mais und Hafer

Zusammensetzung Beispiel 2:

4 Paar Lederhandschuhe, 4 L Motoröl, gemahlene Kohle und 30 L Spülwasser.

Dieses Beispiel verdeutlicht sehr schön, dass die Angaben von Rohprotein und Co keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität des Futters zulassen.

 

Rohprotein (Rp)

Das Rohprotein beschreibt den Eiweißanteil des Futters. Eiweiße sind wichtig für den Körper, denn sie werden für die Bildung von Muskeln, Organen und Bindegewebe benötigt. Aber sagt eine hohe Prozentangabe etwas über die Qualität des Futters aus? Leider nein. Bei der Angabe vom Rohprotein gibt es starke Qualitätsunterschiede, denn hochwertiges Protein aus Muskelfleisch wird vom Körper deutlich besser aufgenommen und verwertet, als Protein aus Bindegewebe, Hufen, Federn, Krallen, o.ä.

Aber nicht nur das! Das auf dem Futtersack angegebene Rohprotein kann durchaus auch zu einem großen Teil aus rein pflanzlichen Stoffen gewonnen worden sein. Allerdings ist der Hund in erster Linie ein Fleischfresser und darum sollten auch die Proteine im Futter ihren Ursprung hauptsächlich im Fleisch haben. Schau dir also nochmal die genaue Zusammensetzung des Futters an. In der Zusammensetzung hat der Hersteller idealerweise genau angegeben, aus welchen Bestandteilen das Hundefutter besteht und ob das angegebene Rohprotein aus hochwertigen Eiweißen oder aus minderwertigen Eiweißen stammt.

 

Wieviel Protein benötigt der Hund?

Nun, das kommt ganz auf deinen Hund an. Ein sportlich geführter Hund benötigt ein Futter mit einem höheren Rohprotein-Anteil, da er diese Energie für seine sportlichen Höchstleistungen benötigt. Beim häufiger vorkommenden normal geforderten Familienhund sollte man auf einen nicht so hohen Rohprotein-Anteil achten (zwischen 20-23%). Eine langfristige Überversorgung deines Hundes mit Proteinen, insbesondere aus minderwertigen Eiweißquellen, kann zu körperlichen Symptomen, wie Durchfall oder auch zu Verhaltensauffälligkeiten führen.

 

Rohasche (Ra)

Im Labortest wird das Trockenfutter bei hoher Temperatur verbrannt und übrig bleiben lediglich die unverbrennbaren Anteile des Futters. Das sind neben Mineralien und Spurenelementen auch ein Anteil Staub und Sand. Ein sehr hoher Rohaschegehalt weist meist darauf hin, dass viele Knochen, Federn oder ähnliches verarbeitet wurden, was der Verdaulichkeit des Hundefutters nicht unbedingt zuträglich ist. Der Rohasche-Wert sollte idealerweise nicht über ca. 7,5% liegen.

Rohfaser (Rfa)

Rohfasern sind die unverdaulichen Bestandteile des Futters. Rohfasern haben einen pflanzlichen Ursprung und bestehen zu 1/3 aus Cellulose, welches sich positiv auf die  Verdauung auswirkt. Ballaststoffe dagegen bestehen zu 100% aus Cellulose und sind darum nicht mit Rohfasern gleichzusetzen. Ballaststoffe sind sehr wichtig für eine gesunde Darmflora, liefern den Darmbakterien wichtige Nährstoffe und beeinflussen damit auch die Kotkonsistenz. Als kleine Faustregel kannst du dir merken: Je höher der Rohfaseranteil im Futter, desto größer der Hundehaufen, da ein Großteil des Futters ungenutzt ausgeschieden wird. Der Rohfaser-Anteil liegt idealerweise um die 4%.

 

Rohfett (Rfe)

Unter Rohfett verbergen sich alle Fette, die das Hundefutter enthält. Fette sind wichtige Energielieferanten für deinen Hund. Aus dem Rohfett-Wert kannst du jedoch nicht rückschließen, ob es sich um hochwertige oder minderwertige Fette handelt. Diese findest du idealerweise in der Zusammensetzung. Hochwertige Fette sind zum Beispiel Leinöl oder Fischöl. Eher minderwertiges Fett versteckt der Futtermittelhersteller gern unter dem Oberbegriff "Öle und Fette" und dies kann bei deinem Hund zu breiigem Kot und sogar zu Durchfall führen.

 

Kohlehydrate

Jedes Trockenfutter enthält auch immer Kohlehydratanteile. Darunter fallen unter anderem auch die zuvor angesprochenen Ballaststoffe, die der Körper zwar kaum zur Energiegewinnung nutzt, die aber dennoch wichtig für eine gesunde Darmfunktion sind. Ballaststoffe findest du in hochwertigem Getreide, wie zum Beispiel Hirse oder Vollkornreis oder auch in Gemüse und Obst.

Der Anteil der Kohlehydrate wird nicht auf der Verpackung des Hundefutters angegeben. Diesen Wert kannst du annähernd nur rechnerisch bestimmen.

Formel zur Berechnung der Kohlehydrate (KH):

KH = Trockensubstanz – (Rp+Ra+Rfa+Rfe)

Beispielberechnung (Lupovet Poulet Suisse)

Rohprotein (Rp) 24%

Rohfett (Rfe) 9,5%

Rohfaser(Rfa) 4,6%

Rohasche (Ra) 7,0%

Feuchtigkeit ca. 11%

Trockensubstanz (TS) = 100% - 11% = 89%

KH = 89% - (24%+9,5%+4,6%+7,0%) = 43,90%

MERKE: Dieser errechnete Kohlehydrat-Anteil entspricht nicht einem komplett unverdaulichen Anteil, da in den Kohlehydraten auch verdauliche Anteile enthalten sind.

 

Verdaulichkeit

Falls du zu den Hundehaltern gehörst, die täglich 4 oder mehr Kotbeutel für die Hinterlassenschaften ihres Hundes benötigen, so schaue dir sein Futter unbedingt mal genauer an. Eine große Menge an abgesetztem Kot bzw. häufiger Kotabsatz könnte ein Hinweis darauf sein, dass dein Hund einen Großteil seines Hundefutters gar nicht verwerten kann und einfach unverdaut und ungenutzt ausscheidet.

Formel: So ermittelst du die scheinbare Verdaulichkeit der Energie*

Scheinbare Verdaulichkeit der Energie:

= 91,2 – 1,43 * (Rfa/TS*100)

Beispiel an Lupovet Poulet Suisse:

91,2 – 1,43 * (4,6/89*100) =  83,81 %

*rein rechnerischer Wert basieren auf dem Rohfaseranteil. Eine genauere Bestimmung der Verdaulichkeit erfolgt über das Verhältnis Futtermenge-Kotabsatz/Futtermenge*100

FAZIT: Die labortechnischen Analysewerte von Rohprotein, Rohasche, Rohfaser und Rohfett sind bei praktisch allen bei uns verkäuflichen Futtersorten im grünen Bereich und eignen sich also kaum als alleiniges Auswahlkriterium für ein Futter. Daher solltest du immer einen genauen Blick auf die Zutaten des Futters werfen, um zu sehen, was sich hinter den Angaben von Rohprotein und Co wirklich verbirgt!

 

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