Hundetraining

Artgerechte Ernährung I 5 Mythen rund um die Hundeernährung

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Die artgerechte Ernährung ist, neben den Erziehungsmethoden für Hunde, eins der größten Diskussionsthemen unter Hundebesitzern. Die Einen sagen, nur BARF ist artgerechte Ernährung. Andere sagen, der Hund wird auch mit Billigfutter uralt. Hier stell ich dir meine Top 5 der Mythen über artgerechte Ernährung vor und kläre auf, was dahinter steckt.

 

Irrtum 1:  Hunde sind reine Fleischfresser

Den Begriff Karnivore hat bestimmt jeder schonmal in Bezug auf artgerechte Ernährung bei Hunden gehört. Karnivoren bezeichnet die Ordnung der Fleischfresser in Bezug auf Ihren Ernährungstyp. Allerdings sind Fleischfresser nicht gleich Fleischfresser. Katzen zählen zu den strikten Fleischfressern, da sie auf die Aufnahme von rein tierischer Kost angewiesen sind. Hunde allerdings gehören zu den Omni-Karnivoren, die sich VORWIEGEND von tierischen Produkten ernähren. Pflanzliche Stoffe stehen aber dennoch auf ihrem Speiseplan.

Artgerechte Ernährung wie beim Wolf?

Sehr häufig wird die Ernährung des Hundes noch immer mit seinem Vorfahren, dem Wolf, verglichen, wohingegen in Erziehungsfragen dieser Vergleich regelrecht verpönt ist. Hat der Wolf ein Beutetier erlegt, wird er nicht nur die Top-Fleischstücke wie Filet oder Keule verzehren, sondern weitestgehend das ganze Tier verspeisen. Je nach Versorgungslage auf dem Beutetiermarkt greift ein Wolf im Zweifel auch zu pflanzlichem Material wie z.B. Gräser, Früchte Wurzeln etc.  

Aber was genau unterscheidet den Hund zum Wolf? Hunde können mittlerweile, im Gegensatz zum Wolf, Stärke verwerten. Hundefutter enthält heutzutage häufig einen hohen Anteil an Kohlehydraten. Die Energiegewinnung aus Kohlehydraten geht wesentlich schneller, als rein aus Proteinen und Fetten. Eine sehr protein- oder fettlastige Fütterung belastet sowohl Leber als auch Niere. Zu hohe Fettgehalte können zu Durchfall oder sogenanntem Fettstuhl führen. Eine artgerechte Ernährung sollte daher immer aus ausgewogenen Bestandteilen bestehen.

Diese Bestandteile findest du im Hundefutter

 

Irrtum 2:  Nur BARF ist artgerechte Ernährung

„Nur wenn ich barfe, weiß ich genau was mein Hund bekommt“ Diesem Spruch, den ich tatsächlich auch früher selbst genutzt habe, kann ich heute nur noch bedingt zustimmen. Kein Hundehalter, außer er ist selbst Jäger, Metzger oder Wurster, kann zu 100% bestimmen, was genau in den heutzutage einfach zu beziehenden Barf – Brei enthalten ist.

Die meisten Hundehalter werden ihre Barf – Zutaten im Internet bestellen. Die Einzelbestandteile der tiefgekühlten Ware können oft nur schwer augenscheinlich identifiziert werden.

Welcher Hersteller von Barf Produkten greift nicht zu den gleichen Fleischteilen, wie Hersteller von Trocken- oder Dosenfutter? Jeder Hersteller eines hochwertigen Hundefutters, deklariert seine Bestandteile offen auf der Verpackung. Dabei ist es egal ob er frische Produkte oder Trocken- bzw. Nassfutter herstellt.

Meine persönliche BARF-Erfahrung

Auch ich habe meinen Hund zu Beginn gebarft, weil ich davon ausging, nur das Beste für ihn zu tun. Artgerechte Ernährung war und ist für mich als Halter sehr wichtig. Das Problem lag leider darin, dass er das rohe Fleisch einfach nicht vertragen hat. Die Folge davon war ständiger Durchfall, dauerhafte Magenentzündung und damit verbunden häufige Besuche beim Tierarzt.

Mein damals rudimentäres BARF-Wissen habe ich aus diversen Büchern, sowie aus im Internet verfügbare BARF-Rechner bezogen. Eingängiger und intensiv beschäftigt habe ich mich damit allerdings erst in meiner Ausbildung zum Ernährungsberater für Hunde. Kein Forum oder Gruppe im Netz ersetzt einen kompetenten Ernährungsberater*in, der die für deinen Hund erforderlichen Bedarf ermittelt. Barfen klingt einfach, ist es aber häufig nicht. Es wird umso komplizierter, wenn rasse- oder typbedingte Einschränkungen vorhanden sind.

Fazit

Nicht falsch verstehen, Barfen ist eine tolle Sache! Ich möchte nur klarstellen, dass dies nicht die einzige Form für eine artgerechte Ernährung darstellt. Artgerechte Ernährung bedeutet in erster Linie,  dass der Hund mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgt wird und er munter und gesund bleibt. Dabei ist es egal, zu welcher Form der Fütterung man greift. Einzelne Hersteller von Nass- oder Trockenfutter bieten sehr hochwertige Hundefutter an. Man sollte sich nur intensiver mit den deklarierten Inhaltsstoffen beschäftigen.

Das steckt im Hundefutter wirklich drin

 

Irrtum 3: Macht rotes Fleisch aggressiv?

Rotem Fleisch wird nachgesagt, so jedenfalls laut einigen Beiträgen im Internet, dass es aggressiv machen soll. Ich habe auch gelesen, dass Footballtrainer ihre Spieler vor dem Spiel rohes, rotes Fleisch essen lassen, damit sie auf dem Spielfeld aggressiver sind. Stimmt das wirklich?

Der Unterschied zwischen rotem und weißem Fleisch ist, dass rotes Fleisch mehr Muskelproteine hat als weißes Fleisch. Diese Muskelproteine speichern Sauerstoff in der Muskelzelle. Betrachtet man die Nährstoffe, so haben rotes und weißes Fleisch kaum Unterschiede im Proteingehalt (ca. 20gr. / 100 gr). Der Unterschied liegt allein im Fett- und Mineralstoffgehalt, da rotes Fleisch einen höheren Fettanteil, also auch mehr Kalorien hat als weißes Fleisch.

Aber sind diese Unterschiede allein Beleg dafür, dass rotes Fleisch aggressiv macht? Es gibt derzeit keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, weder aus Sicht des Nährstoffgehaltes noch aus verhaltensbiologischer Sicht.

 

Irrtum 4: Getreide gehört nicht in artgerechte Ernährung

Für diesen Mythos hält auch gern der Wolf als Begründung her, da einige noch immer der Meinung sind, zwischen Wolf und Hund gibt es bei der Verdauung kaum Unterschiede. Bedenkt man allerdings, dass die Verdauung bereits in der Maulhöhle des Hundes beginnt, so sind rassebedingt erhebliche Unterschiede zu erkennen. Siehe Mops im Vergleich zum Wolf.

Wie schon erwähnt, ist der Hund mit mehr Genen ausgestattet, die in der Lage sind, Kohlehydrate zu verdauen. Kohlehydrate dienen dem Hund als schneller Energielieferant.

Aber Kohlehydrate sind nicht gleich Kohlehydrate! Weizen und Reis z.B. enthalten Kohlehydrate in Form von Stärke, dafür aber kaum wichtige Ballaststoffe wie Zellulose. Diese ist wichtig für eine gesunde Darmflora.

Hundefutter & Hormone

Getreide ist nicht gleich Getreide. Mais z.B. dient als günstiges Futtermittel in der Futtermittelindustrie. Es wird gern als günstige Komponente dem Hundefutter beigemengt. Mais hat allerdings einen niedrigen Tryptophan- und hohen Tyrosingehalt, welches die Bindung des Serotonin (Glückshormon) hemmt. Insbesondere bei gestressten Hunden oder Hunden mit Aggressionsproblemen können sich durch diese Fütterung Probleme vermehren oder das Training erschweren.

Fazit

Die Aussage, dass Getreide für Hunde generell ungesund ist, muss verneint werden. Auch hier kommt es mal wieder auf den Hund an. Nicht jedes Getreide ist schlecht, aber nicht jeder Hund verträgt jedes Getreide.

 

Irrtum 5: Reine Handfütterung stärkt die Bindung

Der Spruch „Ein Hund beißt nie die Hand, die ihn füttert“ kann schon dadurch widerlegt werden, dass Hundetrainer immer wieder Problemfälle mit Futteraggressionen behandeln müssen. Futteraggression kann mehrere Ursachen haben. Eine Ursache kann sein, dass der Hund beim Fressen ständig unter Stress steht. Für mich zählt demnach zur artgerechter Ernährung auch, dass der Hund seine Mahlzeit stressfrei einnehmen kann.

Bindung bei Futterstress?

Futter ist die wichtigste Ressource des Hundes, um sein Selbsterhaltungstrieb, also sein Überleben, zu sichern. Für Hunde, die nicht wissen wann es das nächste Mal zu fressen gibt, wird Futter zu einem gewissen Stressfaktor. Mit Hunger und Stress zu lernen, ist für den Hund fast unmöglich. Das sieht man besonders bei den Hunden, die ihre komplette Ration auf dem Spaziergang bekommen. Sie beschäftigen sich kaum mit ihrer Umwelt und den Reizen und konzentrieren sich nur auf die Futterhand ihres Menschen. An wem die Futterhand dabei hängt, ist dem Hund eigentlich ziemlich egal. Von Bindung kann da keine Rede sein.

Übertragen wir Futter und Bindung mal auf uns selbst, kann ich nur sagen, dass ich bisher keine starke und intensive Bindung zu meinem Lieblingsdönermann aufgebaut habe. Letztendlich ist es der Döner der schmeckt und wer ihn verkauft ist dem Konsument auch nicht so wichtig.

So baust du Bindung zu deinem Hund auf

Fazit

Die sich jetzt fragen, ob sie ihren Hund gar nicht mehr aus der Hand füttern sollen, kann ich nur sagen: Klar doch, aber in Maßen! Mindestens 50% der täglichen Ration solltest du deinem Hund normal aus dem Napf füttern, sodass er nicht in Futterstress gerät.

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