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Frustrationstoleranz bei Hunden – So lernt dein Hund Geduld!

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Frustrationstoleranz – So lernt dein Hund Geduld

Dein Hund fängt an zu fiepen oder zu winseln, sobald er mal ein paar Sekunden warten muss oder seine Wünsche nicht sofort erfüllt werden? Sehr nervig und nicht nur stressig für dich, sondern auch ganz besonders stressig für deinen Hund. Man spricht im Fachjargon von einer fehlenden Frustrationstoleranz, durch die dein Hund mit Wartezeiten oder der Nichterfüllung seiner Wünsche nur sehr schlecht umgehen kann und schnell gefrustet ist. Ich verrate dir heute die Ursachen für eine fehlende Frustrationstoleranz und wie du testen kannst, ob dein Hund zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt ansatzweise eine besitzt.

 

Frustrationstoleranz erklärt

Kein Hund - und übrigens auch kein Mensch - kommt mit Geduld und Selbstdisziplin auf die Welt. Das braucht er aber, um mit Frust umgehen zu können. Denk mal zurück, als du noch ein kleines Kind warst und einen Schokoriegel an der Supermarktkasse haben wolltest. Deine Mutter sagte damals ganz klipp und klar „NEIN“ und zu 99,9% bist du daraufhin zu einer schreienden Heulboje mutiert, um deinen Willen doch noch irgendwie durchzusetzen.

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Du konntest den Frust, diesen Riegel nicht zu bekommen, durch deine bis dato noch fehlende Frustrationstoleranz nicht aushalten. Doch mit der Zeit hast du durch das weiterhin konsequente Handeln deiner Mutter nach und nach immer mehr Frustrationstoleranz aufgebaut. Ein „NEIN“ konntest du immer besser akzeptieren und Schreikrämpfe gehörten letztendlich der Vergangenheit an. Du hast also an Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin gewonnen, was sehr wichtig für die Entwicklung von jedem Individuum ist. Egal ob mit oder ohne Fell.

 

Darum muss dein Hund lernen, mit Frust umzugehen

Auch dein Hund muss demnach im Zusammenleben mit dir lernen, Frust aushalten zu können. Das geht leider nicht von heute auf morgen und Phasen, wie zum Beispiel die Pubertät des Hundes, stellen deine Nerven extrem auf die Probe. Das Gehirn deines Hundes befindet sich ab der Pubertät für einige Monate durch die einschießenden Hormone im Umbau. Durch diesen „inneren Umbau“ mutieren viele Hunde zu echten Nervensägen. Dafür können sie jedoch nichts und daher brauchst du in dieser Zeit Nerven wie Drahtseile, damit dein Hund zusammen mit dir die für ihn sehr wichtige Frustrationstoleranz erlernen kann.

Ursachen fehlende Frustrationstoleranz

Viele Hundebesitzer verpassen es ihrem Hund Frustrationstoleranz beizubringen. Wie das genau passiert? Das ist ganz einfach. Manche Hundebesitzer lesen ihrem Hund jeden Wunsch von den Augen ab. Sie geben dem forderndem Verhalten ihres Hundes meistens nach und werden in ihrem Handeln immer schneller, sobald der Hund nervt. Dadurch lernt der Hund, dass ihn sein nerviges und penetrantes Verhalten weiterbringt.

Andere Hundebesitzer beschäftigen ihren Hund drinnen wie draußen rund um die Uhr. Die dauerhafte Aufmerksamkeit durch den Menschen führt dazu, dass der Hund Ruhephasen ohne Aufmerksamkeit nur schlecht oder auch gar nicht aushalten kann. Wie auch? Er hat es ja nie gelernt.

Unglücklicherweise glauben nach wie vor viele Hundebesitzer, dass ein sehr aufgeregter Hund ein glücklicher Hund ist. Aufregung wird also mit Freude gleichgesetzt, was ein absoluter Trugschluss ist. Starke Aufregung bedeutet in erster Linie Stress für den Hund und Stress wirkt sich auf den ganzen Körper aus und begünstigt unter Umständen unerwünschtes Verhalten.

Ein glücklicher und zufriedener Hund zeichnet sich durch eine entspannte Grundhaltung aus. Seine Freude drückt er mit ruhigen und locker schwingenden Körperbewegungen aus. Der aufgeregte und gestresste Hund erinnert mit seinen Körperbewegungen dagegen eher an einen gezündeten Silvesterknaller.

 

Mach den Test: Wie geduldig ist dein Hund zum jetzigen Zeitpunkt?

Erstelle zunächst eine Liste, was deinen Hund zum aktuellen Zeitpunkt moderat auf die Palme bringen und bei ihm Frust erzeugen würde. Hier ein paar Beispiele, was auf deiner Liste stehen könnte:

  • Du füllst Futter in den Napf, lässt den gefüllten Napf aber noch eine halbe Stunde auf der Arbeitsfläche stehen.
  • Du leinst deinen Hund für den Spaziergang an, öffnest die Haustür aber nicht, sondern wartest noch stillschweigend eine Weile im Flur.
  • Setz dich beim Spaziergang auf eine Bank oder einen Baumstamm und dein angeleinter Hund muss mit dir zusammen eine Pause einlegen.
  • Geh an der Wiese, an der ihr normalerweise spielt, vorbei.
  • Leg das Lieblingsspielzeug deines Hundes für ihn gut sichtbar auf den Schrank oder auf deinen Schoss, er darf es aber nicht haben.
  • Dein Hund sieht seinen Hundekumpel, darf ihn aber nicht wie gewohnt begrüßen.

Nutze diese Situationen für dein Anti-Frust-Training. Beobachte, ob dein Hund die jeweilige Situation geduldig aushält oder ob er aufgrund fehlender Frustrationstoleranz zum schreienden Kind an der Supermarktkasse mutiert.

 

Wichtige Infos für das Training

Viele Hundebesitzer nutzen eine Fülle von Kommandos, gerne auch mehrfach wiederholt, wenn sie zu ihrem aufgeregten Hund durchdringen möchten. „Aus, Nein, Pfui, auf deine Decke, Runter, Ab, Lass das!“ Vielen Hunden klingeln im Zusammenleben mit uns mächtig die Ohren. Zudem ist dieser Schwall an Wörtern auch ein prima Verstärker für die schon bestehende Aufregung deines Hundes.

Und selbst wenn dein Hund eins der Kommandos ausführt, so verändert es in der Regel nichts an dem inneren Wunsch, den dein Hund gerade hat und dessen Nichterfüllung Frust in ihm erzeugt. Er bleibt also trotz Kommando (z.B. Sitz) genauso aufgeregt und gefrustet wie zuvor, da du lediglich die Körperposition deines Hundes verändert hast. Ja und DU bekommst ebenfalls Frust, weil deine Kommandos nicht die erwünschte Wirkung zeigen.

Daher verschließe deinen Mund zukünftig weitestgehend und agiere souverän. Ein Korrektursignal gefolgt von konsequentem Handeln deinerseits ist völlig ausreichend und sehr gut verständlich für deinen Hund.  Auf Dauer wird dadurch das Ertönen deines Korrektursignals ausreichen, um deinen Hund vom unerwünschten Verhalten abzuhalten. Wie du das Korrektursignal aufbaust und einsetzt, findest du in DIESEM Beitrag.

 

Alltägliche Trainingssituationen

Du bereitest Essen in der Küche vor und dein Hund soll währenddessen draußen warten. Ab der Küchentür ist DEIN Raum, den dein Hund nicht betreten darf. Versucht er es dennoch, so schickst du ihn rigoros per Raumverwaltung und vor allem ohne Kommandos weg. Bleib hartnäckig bis dein Hund deine Grenze wirklich akzeptiert. Das erkennst du daran, dass dein Hund innehält und nicht mehr aktiv versucht, deine Grenze zu überschreiten. Es kann anfänglich eine Zeit dauern, bis dein Hund deine Grenze anerkennt, da es für ihn Neuland ist, dass DU plötzlich Entscheidungen treffen möchtest. Bleib dran und sei geduldig und vor allem sei immer Buddha gepaart mit Supermann.

Genauso gut kannst du Üben, wenn Besuch kommt. Du verschaffst dir Raum, um deinen Besuch in Ruhe zu begrüßen. Dein Hund muss derweil hinter deiner gedachten Grenze warten. Oder nutze die tägliche Situation an der Haustür, bevor du in den Spaziergang startest. Verschaffe dir auch hier Raum und lass dich nicht von deinem Hund bedrängen und durch die Tür quetschen.

 

2 Beispiele für fehlende Frustrationstoleranz – mit Lösung

Fütterung

PROBLEM:

Füllst du nach dem Spaziergang immer schnell und zuverlässig den Napf deines Hundes, weil er sonst anfängt zu fiepen oder schon aufgeregt in Richtung Küche rennt? Oder dein Hund kennt bereits seine Fütterungszeiten und weist dich darauf täglich hin, wenn es Zeit wird seinen Napf zu füllen.

LÖSUNG:

Fülle wie gewohnt den Futternapf deines Hundes. Stell den Futternapf auf die Arbeitsfläche, sodass dein Hund nicht drankommt. Warte, bis dein Hund entspannt ist und sein Futter nicht mehr aufgeregt von dir einfordert. Sollte dein Hund die Arbeitsfläche hochklettern wollen, so schickst du ihn per Raumverwaltung weg vom Napf. Hat er dagegen nur neugierig die Nase in der Luft, so ignorierst du das. Je nach Hund kann es eine Weile dauern, bis er runterfährt und entspannt. Nutze die Wartezeit um ein Buch zu lesen oder check deinen Instagram oder Facebook Account. Deinen aufgeregten Hund ignorierst du dabei komplett. Sobald dein Hund entspannt ist gehst du wortlos zum Napf und stellst ihn ohne Kommando auf den Boden. Ein Kommando würde deinen Hund nur erneut aufregen und so lernt er, dass er nicht per Kommando ans Futter darf, sondern über eine entspannte Grundhaltung.

 

Hundebegegnungen

PROBLEM:

Schon bei Sicht des anderen Hundes zieht dich dein Hund aufgeregt fiepend an der Leine zum anderen Hund hin, weil er diesen so schnell wie möglich begrüßen will? Du lässt das zu, weil ein Spaziergang – ohne vorherige Begrüßung der Hunde - nicht möglich ist? In so einem Fall hast du deinem Hund erfolgreich beigebracht, dass er mit seinem ungeduldigen Verhalten ans Ziel gelangt.

LÖSUNG:

Verabrede dich wie gewohnt mit dem Hundekumpel zum Spaziergang. Beide Hundebesitzer nehmen ihre Hunde nach außen und an kurzer Leine. Die Hunde dürfen sich nicht begrüßen, solange sie aufgeregt sind. Beide Menschen gehen zielstrebig gemeinsam ihres Weges. Ihr seid wie auf Schienen unterwegs und lasst euch durch eure Hunde nicht vom Weg abbringen.

Sollten die Hunde vor eure Füße hüpfen, so korrigiert ihr das, indem ihr sie ruhig und ohne Hektik zurück an eure Seite führt. Lobe deinen Hund ruhig, wenn er lieb an deiner Seite läuft. Er soll merken, welches Verhalten du toll findest und welches nicht. Seid geduldig und haltet durch, denn eure Hunde werden sehr schnell lernen. Dein Hund zieht und zerrt extrem und schnürt sich halb die Luft ab? Dann lege ihm als Erste-Hilfe-Maßnahme die Leine zusätzlich zu der Befestigung am Halsband noch als Schlaufe um die Brust. Das ist angenehmer für deinen Hund und dir macht es das Handling deines aufgeregten und zappeligen Hundes auch einfacher.

Lasst eure Hunde als Belohnung von der Leine, wenn sie ruhig und entspannt neben euch laufen. Dies aber natürlich nur an einem dafür geeigneten Ort. Nach euerm ok dürfen die Hunde losstarten, sich begrüßen und zusammen toben. An der Leine ist die Begrüßung ab sofort tabu, sofern beide Hunde sehr aufgeregt reagieren und sich in den Leinen verfangen könnten. Zudem möchtest du ab sofort nie mehr hilflos und wie ein Bremsklotz am anderen Ende der Leine hängen.

Solltest du noch weitere Probleme haben, bei denen du eine fehlende Frustrationstoleranz vermutest, schreib diese uns gern in die Kommentare. So können wir dir die Lösung in einem unserer kommenden Videos präsentieren.

 

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