Hundetraining

Rückruftraining Fehler / Rückruf mit Erfolg – 3. Diese Fehler solltest du vermeiden!

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Du hast dir unseren Beitrag „Rückruf mit Erfolg – 2. So baust du das Rückrufsignal auf“ angesehen, trainierst fleissig, aber das Rückruftraining mit deinem Hund klappt nicht so gut, wie du es dir wünscht? Häufig machen wir immer wieder kleine Fehler, die das Rückruftraining negativ beeinflussen. Welche Fehler das sind und wie du diese vermeidest, erklären dir die folgenden 7 Punkte. Rückruftraining Fehler

1. Körpersprache und Stimme: Du sagst „Hier“ und dein Körper sagt „Geh weg!“

Dein Hund kommuniziert hauptsächlich nonverbal, das heißt mit Hilfe seiner Körpersprache. Wir Menschen dagegen kommunizieren hauptsächlich verbal, also mit Worten und in ganzen Sätzen. Das sich dadurch Missverständnisse zwischen deinem Hund und dir ergeben können liegt wohl auf der Hand, da du völlig unterschiedliche Kommunikationsmodelle hast.
Deine Körpersprache ist also immens wichtig und entscheidet oft, ob dein Rückruf erfolgreich ist oder nicht. Stehe aufrecht beim Rückruf! Beugst du dich stark nach vorne, so wirkst du aus Hundesicht bedrohlich und forderst körpersprachlich eigentlich Abstand von deinem Hund. Gehe beim Rückruf ein Stück rückwärts, denn auch das wirkt einladend auf deinen Hund. Bei sehr kleinen Hunden kannst du auch in die Hocke gehen, sofern deine Knie das mitmachen.
Hunde reagieren auch sehr gut auf den Klang unserer Stimme – nutze sie also und feure deinen Hund an, wenn er auf dem Weg zu dir ist. Apropos Klang der Stimme: Sprich dein Rückruf-Signal fröhlich und motivierend aus. Ja! Auch Männer können das, wenn sie sich etwas anstrengen. Ein dahin geschmettertes, strenges „Hier“ wird deinen Hund kaum dazu veranlassen, gerne zu dir zu kommen. Im Gegenteil: auch deine Stimme sagt eigentlich „Hau bloß ab!“
Rückruftraining Fehler

2. Dein Hund hat den Rückruf bereits negativ verknüpft

Dazu eine kleine Anekdote, die ich selbst erlebt habe: Es war ein schöner Tag und ich ging mit Amy in der Feldflur spazieren. Es dauerte nicht lange und ein fremder Hund kam wie ein geölter Blitz über die Felder in unsere Richtung angeschossen. Frauchen brüllte aus der Entfernung hinterher: „Bruno! Hier! Kommst du wohl hierhin! Ey! Bleib sofort stehen! Freundchen, du bekommst echt Ärger! Bruuuuuunooooooooooooooooo!“

Es versteht sich von selbst, dass Bruno das Gezeter von Frauchen nicht als Rückruf, sondern eher als eine Art Cheerleading und Motivator – noch schneller zu mir zu rennen – verstand und sie gepflegt ausblendete. Bei mir angekommen war Bruno zwar nicht böse, aber ziemlich nervig, distanzlos und unerzogen. Also haben Amy und ich versucht, uns Bruno vom Hals zu halten. Bruno’s Frauchen zeterte derweil weiter – natürlich ohne Erfolg. Nach einiger Zeit verstand Bruno, dass wir ihn nicht adoptieren möchten und machte sich auf den Weg zurück zu Frauchen. Diese stand wie ein Rache-Engel da und machte Bruno nun – obwohl er gerade auf dem Weg zu ihr war – so richtig zur Schnecke. „Bruuuuunooooo … was sollte das? Du spinnst wohl! Immer das gleiche mit dir! Komm du mir mal nach Hause! Verdammt nochmal! Was bist du nur für ein unerzogener Köter!“ Ihr Oberkörper war dabei weit nach vorne gelehnt, die Stimme wütend. Bruno sah das und wurde immer langsamer und langsamer. Seine Haltung immer geduckter. Das brachte Frauchen dann so richtig auf die Palme: „Nun trödelst du auch noch? Freundchen! Wie sehr willst du mich noch provozieren! Mach, dass du hier hin kommst! Aber zackig!“ Als Bruno dann irgendwann – halb auf dem Bauch kriechend bei seinem Frauchen ankam – war … zack … die Leine dran, Bruno wurde unsanft mitgezogen und dann noch ein paar Meter lang wüst beschimpft, weil Frauchen so richtig schön auf 180 war.
Die Moral von der Geschichte? Wenn dein Hund den Rückruf ignoriert und dann – wie in Bruno’s Fall – aber doch kommt, dann sei freundlich. Ja, das fällt schwer, aber dein Hund versteht nicht, warum du böse auf ihn bist. Denk an die 2 Sekunden-Regel, die ich euch in unserem Video „Geheimtipps für eine erfolgreiche Hundeerziehung“ verraten habe. Dein Hund sieht nur, dass du ziemlich sauer bist, weil er gerade auf dem Weg zu dir ist! Das Bruno seine Bewegung verlangsamt hat und eine immer geducktere Haltung angenommen hat, war eine klare Kommunikation von ihm. Bruno sagte zu Frauchen: „Was ist denn los? Warum bist du denn so sauer? Ich bin doch auf dem Weg zu dir!“ Dein Hund verbindet deinen Wutanfall nicht mehr mit der vergangenen Situation. Die hat dein Hund gedanklich schon lange abgehakt. Er verbindet das wütende Verhalten mit der aktuellen Situation – nämlich dem zurück laufen zu dir.
Und mal ehrlich.
Würdest du gerne und freiwillig zu jemandem hingehen, der dich wüst beschimpft und du nicht mal weißt warum? Wohl kaum. Freu dich also IMMER, wenn dein Hund zu dir kommt. Egal was vorher war. Natürlich belohnst du ihn nach so einer Aktion nicht noch mit einem Hundekeks, aber sei auf alle Fälle freundlich, leine ihn entspannt an, damit er beim nächsten Hund nicht wieder abzwitschert und setze deinen Weg fort. Und vor allem: Lerne aus dieser Erfahrung! Bruno hat seinem Frauchen deutlich gezeigt, dass ihr Rückruf-Signal nicht wirklich funktioniert, weil sie bisher anscheinend zu faul war es richtig zu üben. Aber warum muss der arme Bruno darunter leiden?
Rückruftraining Fehler

3. Du bist ungeduldig und ungenau

Du benutzt dein Rückruf-Signal nicht einheitlich, wandelst es öfter mal ab, versuchst deinen Hund auch in brenzligen Situationen – die eigentlich noch viel zu schwierig für ihn sind – mit deinem Rückruf-Signal abzurufen und so richtig ausgiebig geübt hast du auch nicht. Hast du daran gedacht, dass der Hund viele viele Hunderte Wiederholungen benötigt, bevor er so wirklich weiß, was das Wort bedeutet? Und ich spreche hier von vielen vielen Wiederholungen ohne Ablenkung, danach mit leichter, mittlerer und schließlich schwerer Ablenkung.
Das läppert sich ungemein. Je nach Hund kann das Training eines sicheren Rückrufes also locker bis zu einem Jahr dauern! Daher denke immer an Management, wie z.B. die Schleppleine, wenn dein Hund den Rückruf des öfteren gekonnt ausblendet. Ansonsten wird er sein von dir unerwünschtes Verhalten nur weiter verfeinern und darauf pfeifen, wenn du ihn rufst. Erinnere dich auch an den Einsatz von alternativen Rückruf-Signalen, welche wir dir im letzten Video verraten haben.

4. Du rufst deinen Hund nur, um ihn von etwas Spannendem abzuhalten

Ja, das ist der Klassiker. Du benutzt den Rückruf am liebsten und ausschließlich, wenn du deinem Hund den Spass mit einem Hundekumpel, Waldbewohner oder ähnlichem nehmen möchtest. Kommt er zu dir ist … zack … die Leine dran und es geht ab nach Hause. Da weiß jeder Hund ziemlich schnell, dass der Rückruf etwas wirklich blödes ist, dem man lieber aus dem Weg geht. Also wenn Hund schlau ist – und das ist dein Hund. Denke also immer daran, dass du deinen Hund zwischendurch auch mal rufst, wenn in seiner Umwelt nichts aufregendes passiert. Schau dir dazu gern noch mal unser Video „Rückruf mit Erfolg – 2. Der Aufbau“ an.
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5. Du lernst nicht aus mißlungenen Situationen

Der ganze Rückruf steht und fällt damit, dass du Situationen in denen es nicht funktioniert hat verkennst und dein Hund den Rückruf damit immer regelmäßiger ignoriert. Du nimmst das Zähne knirschend hin und schimpfst auf deinen Hund, der es einfach nicht zu kapieren scheint. Nee, nee. Dein Hund lernt immer und das jede Minute. Er lernt besonders gut, wenn du dein Rückruf-Signal gibst, er es gepflegt ignoriert und weiterhin sein Ding macht. Lernerfolg: „Wenn ich den Rückruf ignoriere kann ich weiterhin machen was ich möchte und mein Mensch zieht ja eh keine Konsequenzen daraus.“ Wichtig ist also, dass du aus deinen Fehlern lernst! Nein, dein Hund macht keine Fehler – er nutzt deine Fehler lediglich aus! 
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6. Du rufst deinen Hund ständig oder auch viel zu selten

Pausenlos redest du auf deinen Hund ein. Du kannst dich auf dem Spaziergang einfach nicht entspannen und vertonst alles, was dein Hund so macht. Das Rückruf-Signal ist allgegenwärtig, egal ob dein Hund deiner Meinung nach zu weit vor läuft, zu weit hinten ist, zu weit links oder rechts ist. Die ersten 2 oder 3 Male kommt dein Hund vielleicht noch – in der Hoffnung ein Stück Futter zu ergattern – zu dir, aber schnell wird es ihm zu blöd und er blendet deine wohlklingende Stimme einfach den Rest des Spazierganges aus. Achte also darauf den Rückruf wohldosiert einzusetzen und mit einer für deinen Hund passenden Belohnung zu versehen. Oder benutzt du das Rückruf-Signal vielleicht viel zu selten? Auch das ist problematisch, da das Wort im Gehirn deines Hundes gelöscht wird, wenn es nur alle Jubeljahre mal ausgesprochen wird. Achte also darauf, es mäßig aber regelmäßig zu verwenden, damit dein Hund seine Bedeutung nicht vergisst. 
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7. Wichtige Zusatzinfo: Achte auf die Körpersprache deines Hundes

Achte beim Rückruf – und natürlich auch sonst – immer auf die Körpersprache deines Hundes. Dein Hund spiegelt mit seinem Verhalten wider, wie du gerade auf ihn wirkst! Er zeigt dir mit seinem Verhalten, ob du gerade freundlich oder weniger freundlich wirkst und ob es sicher ist zu dir zu kommen oder ob man aus Hundesicht besser Abstand von dir hält. Denk an den armen Bruno, der immer langsamer wurde auf dem Weg zurück zum schimpfenden Frauchen, die das – fälschlicherweise – als Trödeln interpretiert hat und noch wütender wurde. Dabei wollte Bruno Frauchen aufgrund ihrer aufgewühlten Gefühlslage einfach nur beschwichtigen, beruhigen und sich höflich annähern.
Mal ehrlich: Würdest du freudig auf jemanden zulaufen, der dir mit seiner ganzen Körpersprache Abneigung entgegenbringt und dann noch ruft: „Hau bloß ab du Eierkopp, sonst gibt es was auf die Moppe!“ Reflektiere also bitte immer die Körpersprache deines Hundes und reagiere dementsprechend darauf.

Nachdem du nun alle Fehlerquellen kennst, überprüfe doch dein bisheriges Training, sollte ich nicht so gut funktionieren. Schreibe uns gern in die Kommentare, wie gut oder weniger gut dein Training klappt.

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