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Bindung zum Hund aufbauen – So stärkst du die Bindung zum Hund!

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Bindung zum Hund aufbauen

Viele Hundebesitzer träumen davon durch eine unsichtbare Leine mit ihrem Hund verbunden zu sein. Sie wissen allerdings nicht genau, wie man eine stabile Bindung zum Hund aufbaut. Im folgenden Artikel erfährst du, wie auch du es schaffst eine innige Bindung zu deinem Hund aufzubauen, damit dein Hund die größtmögliche Freiheit leben kann. Des Weiteren verraten wir dir,  welche häufig gemachten Fehler den Aufbau einer Bindung erschweren oder sogar verhindern.

 

Bindung zum Hund - Der Irrglaube

Manche Hundebesitzer glauben, dass eine Bindung entsteht, wenn man dem Hund möglichst viele Freiheiten lässt. Er wird durchgehend bespasst oder mit Leckerlis oder Streicheleinheiten verwöhnt. Andere wiederum glauben, dass Bindung durch eine strenge, konsequente Erziehung entsteht. Den Hund beim Spiel auch mal gewinnen zu lassen oder dem Bettelblick ausnahmsweise doch mal nachzugeben, ist für diese Hundebesitzer ausgeschlossen. Beide extreme Ansichten führen zwar zu einer Beziehung zwischen Mensch und Hund, aber nicht unbedingt zu einer vertrauensvollen Bindung.

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Unterschied Beziehung & Bindung

Grob gesagt ist die Art und Weise wie wichtig uns jemand ist ein Hinweis darauf, ob eine Beziehung oder eine emotionale Bindung zueinander besteht. Beziehungen entstehen schnell und sind allgegenwärtig. Schon die nette Dame bei Starbucks, die weiß wie du deinen Kaffee trinkst und dich mit Vornamen begrüßt, gilt als Beziehung. Eine echte Bindung hat man dagegen nur zu wenigen, ausgewählten Personen. Eine gute Bindung zum Hund zeigt sich dadurch, dass dein Hund drinnen wie draußen bereitwillig mit dir kooperiert. Ihr geht respektvoll miteinander um, ohne viele Worte oder Kommandos.

 

Beginn des Bindungsaufbaus

Bis zur ca. 14. Lebenswoche sind fast alle Menschen spannend für deinen Welpen. Der Aufbau einer innigen, individuellen Bindung zu einzelnen Personen ist daher in dieser jungen Lebensphase noch nicht möglich. Der Fokus des Welpen liegt in dieser Zeit, nicht alleine sein zu müssen. Es ist daher nicht schlimm, wenn der Welpe in diesem Lebensabschnitt von unterschiedlichen Familienmitgliedern betreut wird.

Mit der 14. Lebenswoche beginnt die sogenannte Fremdelphase. Ab diesem Zeitpunkt ist nicht mehr jeder Mensch spannend für deinen Welpen. Die Fähigkeit, sich an einen individuellen Menschen zu binden, beginnt nun. Für einen Hund ist es durchaus sinnvoll, mehrere Bindungspartner zu haben. Nur so kann er sich bei einer ihm vertrauten Person wohl fühlen, wenn du mal aufgrund von Krankheit oder einer Dienstreise verhindert bist.

 

Bindung zum Hund - 6 häufige Fehler

Die Bindung zum Hund wird durch die folgenden 6 Fehler erschwert.

 

Fehler 1: Du hast zu starre Vorstellung von deinem Wunschhund

Schon bevor der Hund bei uns einzieht haben wir eine genaue Vorstellung von ihm. Er soll freundlich zu allen Menschen und Tieren sein, locker an der Leine laufen, brav alleine zu Hause bleiben und im Freilauf gehorchen. Ein Hund hat es an unserer Seite wirklich nicht leicht. Er wird von uns ausgesucht, hat dabei kein Mitspracherecht und soll gleichzeitig aber all unsere Erwartungen erfüllen. Erfüllen sich unsere starren Erwartungen jedoch nicht, wird der Fehler gern beim Hund gesucht. Das Fehlverhalten des Hundes wird in der Regel häufig falsch interpretiert und unwissentlich durch den Besitzer verstärkt. Im Beitrag 3 häufige Fehler in der Hundeerziehung!“ erkläre ich dir, worauf es im Zusammenleben mit deinem Hund unter anderem ankommt.

 

Fehler 2: Du setzt BINDUNG mit Training & Erziehung gleich

Bindung, Training und Erziehung sind drei unterschiedliche Dinge. Training bedeutet die reine Ausführung von Kommandos wie „Sitz, Platz, Hier...“, da der Hund nur das ausführen soll, was wir von ihm wollen. Häufig werden diese Kommandos in einem sehr strengen und lauten Ton ausgesprochen, sodass der Hund eher verunsichert reagiert. Hunde kooperieren mit uns wesentlich lieber, wenn wir für sie verständliche (Körpersprache) und freundlich ausgesprochene Kommandos nutzen.

Erziehung hat einen viel wichtigeren Stellenwert als Training. Sie regelt den höflichen Umgang miteinander, ohne dass viele Kommandos oder harsche Worte benutzt werden. Die Erziehung benötigt lediglich sinnvolle Alltagsregeln, die der Hund lernt einzuhalten. Bei der Umsetzung und Einhaltung dieser Alltagsregeln ist es wichtig, dass du immer angemessen und mit Feingefühl, aber dennoch konsequent auf das unerwünschte Verhalten deines Hundes reagierst. Erst wenn du für deinen Hund einschätzbar wirst, baust du eine stabile Bindung zum Hund auf.

 

Fehler 3: Du kommunizierst missverständlich für deinen Hund

Auch wenn ein Hund ein vollwertiges Familienmitglied ist, bleibt aber dennoch ein HUND. Hunde kommunizieren überwiegend über ihre Körpersprache (nonverbal) und über ihren Geruchssinn. Wir Menschen kommunizieren dagegen überwiegend verbal, also sprachlich. Kommunizierst du auch mit deinem Hund hauptsächlich verbal, also mit vielen Worten oder Kommandos, so führt das häufig zu Missverständnissen. Missverständnisse in der Kommunikation mit deinem Hund sind der perfekte Nährboden für unerwünschtes Verhalten.

Prüfe daher Folgendes: Führt deine bisherige Art der Kommunikation dazu, dass du das unerwünschte Verhalten deines Hundes in wenigen Sekunden wunschgemäß beeinflussen kannst? Oder dringst du nicht wie gewünscht zu deinem Hund durch und ihr schaukelt euch nur gegenseitig hoch? In diesem Fall sprecht ihr noch zwei unterschiedliche Sprachen, welches die Bindung zum Hund negativ beeinflusst.

 

Fehler 4: Du bietest deinem Hund KEINEN SCHUTZ

Ein sehr häufig vorkommender Fehler ist, dass der Hund sich bei einer Begegnung mit einem Menschen oder Artgenossen unwohl fühlt und der Besitzer dies nicht erkennt. Der Hund zeigt sein Unwohlsein deutlich durch seine Körpersprache. Entweder lässt der Hund die unerwünschte Annäherung leicht geduckt und versteinert über sich ergehen oder er entwickelt Abwehrverhalten wie Knurren oder Schnappen. Das Vertrauensverhältnis und auch die Bindung zum Hund leidet, wenn dein Hund in deiner Anwesenheit von Menschen oder Artgenossen bedrängt wird. Nicht jeder Hund muss jeden Menschen oder Artgenossen toll finden, so wie wir auch nicht jedem Menschen auf der Straße zur Begrüßung die Hand reichen.

 

Fehler 5: Die Kontaktaufnahme ist eher EINSEITIG

Eine eher einseitig gelagerte Kontaktaufnahme erschwert den Aufbau der Bindung zum Hund. Einseitig bedeutet:

  1. Dein Hund sucht ständig deine Nähe, damit er Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten oder Futter bekommt.

Futter ist zum Erlernen von Kommandos zwar ein guter Helfer, für den Aufbau oder die Aufrechterhaltung einer Bindung ist Futter dagegen absolut ungeeignet. Schau dir dazu auch den Beitrag Häufige Fehler beim Belohnen deines Hundes vermeiden!“ an.

Häufig wird der Hund mit sinnfreiem Ballspiel ausgelastet. Er rennt mehrmals wie ein Irrer hinter dem von dir geworfenen Ball her, in der Hoffnung, dass er ihn auch mal zurück bringt. Stupides Ballspiel führt aber nicht zwangsläufig zu einer stabilen Bindung, da du dabei nämlich lediglich als austauschbarer Ball- oder Spielzeugwerfer fungierst. Wer also den Ball wirft ist deinem Hund eigentlich ziemlich egal. Schau dir dazu auch unseren Beitrag Ist mein Hund ein Balljunkie? an.

  1. DU suchst ständig die Nähe deines Hundes, um ihn zu streicheln oder zu knuddeln

Achte in Zukunft mal darauf, wie dein Hund mit deiner Annäherung umgeht. Streckt er dir seinen Körper genussvoll entgegen und genießt deine Streicheleinheiten sichtlich? Oder wirkt er eher steif und lehnt seinen Kopf und Körper tendenziell etwas weg von dir? Damit zeigt dir der Hund deutlich, dass er deine Umarmungen oder Streicheleinheiten als eher unangenehm empfindet.

Fehler 6: Du IGNORIERST die Blicke deines Hundes

Fast jeder Hund wirft seinem Besitzer auf dem Spaziergang, immer mal wieder einen kurzen Blick zu. Dieser Blick ist ein sehr großes Kompliment an dich. Dein Hund ist, trotz der spannenden Umgebung, mit seinen Gedanken bei dir und will dich das wissen lassen. Leider werden diese Blicke von den meisten Besitzern ignoriert. Die Folge: der Hund stellt die Blicke zum Besitzer aufgrund der fehlenden Rückmeldung nach und nach ein und macht vermehrt sein eigenes Ding. Die Chance, die Bindung zum Hund auch auf die Distanz zu vertiefen, ist damit vertan.

 

So baust du eine BINDUNG zum Hund auf!

Um eine vertrauensvolle Bindung zum Hund aufzubauen, sind in erster Linie 3 Bausteine wichtig: Gegenseitiges Verständnis, eine klare Kommunikation und Vertrauen.

Beziehung - Erziehung - Bindung: Forschung im Dienst des Mensch-Hund-Teams
Kommunikation und Konfliktmanagement: Ergebnisse aus 10 Jahren Verhaltensstudien (Expertenwissen für Hundeprofis)

Letzte Aktualisierung am 21.05.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Baustein Nr. 1: Gegenseitiges Verständnis

Grundvoraussetzung für den Aufbau einer Bindung  ist der Wille, die Persönlichkeit und das Verhalten deines Hundes verstehen zu wollen. Nur selten bekommt man genau den Hund, den man sich gewünscht hat. Jeder Hund ist genau wie wir: absolut einzigartig.

Amy wurde auch anders „geliefert“, als ich sie „bestellt“ hatte. Sie kam als „Tierschutz-Überraschungsei“ mit einer sehr niedlichen äußeren Hülle, aber teils gar nicht so niedlichem Inhalt zu mir. Durch ihre unschöne Vorgeschichte reagierte sie bei manchen Menschen oder Artgenossen sehr unsicher, was sich situationsbedingt auch in aggressivem Verhalten widerspiegelte.

Stand das auf meiner Wunschliste? Nein. Wäre unser Leben einfacher, wenn Amy allen Menschen und Hunden immer aufgeschlossen und freundlich begegnen würde? Natürlich. Würde ich Amy mit ihren Special-Effekts darum eintauschen? Die Antwort fällt mir leicht: Für kein Geld der Welt. Ich habe Verständnis für Amy`s Macken entwickelt und stehe ihr bei Konflikten beratend zur Seite. Denn schließlich mag Amy mich auch, obwohl ich nicht perfekt bin.

 

Baustein Nr. 2: Eine klar verständliche Kommunikation

Unerwünschte Verhaltensweisen, die trotz Training einfach nicht verschwinden, sind ein Indikator dafür, dass zwischen dir und deinem Hund ein Kommunikationsproblem besteht. Dein Hund kann aber nur dann enger mit dir zusammenwachsen, wenn du sein Verhalten und seine wirklichen Beweggründe verstehst. WARUM bellt er Artgenossen an, springt er den Besuch an oder zerlegt er beim Alleinbleiben die Wohnung?

Das Verstehen allein reicht jedoch nicht aus. Im nächsten Schritt musst du für deinen Hund verständlich kommunizieren, damit du überhaupt Einfluss auf sein Verhalten nehmen kannst. Denk an „Fehler Nr. 3“: Da Hunde eher nonverbal kommunizieren, solltest du an deiner Körpersprache arbeiten, damit der Hund besser versteht, was du von ihm willst. Wie du körpersprachlich mit deinem Hund kommunizieren kannst haben wir dir im Beitrag Führung übernehmen, Grenzen setzen!erklärt.

 

Baustein Nr. 3: Vertrauen, Nähe und Schutz

Konfliktsituationen, wie z.B. eine unerwünschte Annäherung einer Person oder eines Artgenossen, muss dein Hund darauf vertrauen können, dass er Sicherheit und Schutz bei dir findet. Ist er also ängstlich oder unsicher im Umgang mit anderen Menschen oder Artgenossen, so ist es deine Aufgabe die Begegnung zu regeln. In Amy’s Fall heißt das, dass ich sie nicht von fremden Personen anfassen lasse und unsoziale Artgenossen auf Abstand halte. So kann sie diese Situationen stressfrei bewältigen und mir vertrauen, dass ich mich darum kümmere. Im Beitrag Hilfe, mein Hund hat Angst! erkläre ich dir, was du im Umgang mit einem unsicheren oder ängstlichen Hund unbedingt vermeiden solltest.

Hier noch eine Empfehlung für dich! Die DVDs „Hundesprache verstehen 1“ und „Hundesprache verstehen 2“ von Susanne Kautz (LANA-Film) erklären die Hundesprache sehr anschaulich und detailliert.

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Die Bindung zum Hund zusätzlich stärken!

Kuscheln & Kontaktliegen

Von BEIDEN Seiten als angenehm empfundene körperliche Nähe, wie z.B. eine innige Massage, ausgiebiges Kuscheln oder Kontaktliegen wirkt bindungsfördernd. Verantwortlich dafür ist die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. Oxytocin ist auch als das „Wir-gehören-zusammen-Hormon“ bekannt und hat zudem eine stressdämpfende Wirkung auf Hund und Mensch.

 

Blickkontakt erwidern

Ebenfalls solltest du dir von deinem Hund freiwillig zugeworfene Blicke beim Spaziergang unbedingt durch ein kurzes Lächeln oder ein freundliches Wort erwidern. Du stärkst damit die freiwillige Orientierung deines Hundes an dir und bleibst selbst auf die Entfernung gedanklich in Kontakt mit ihm. Dabei ist es wichtig, dass die Blicke zu dir und ebenfalls das Erkunden der Umgebung im Gleichgewicht sind. Stimmt die Bindung, so kann der Hund auch mal Hund sein, weil er trotz Erkundens der Umgebung seinen Besitzer nicht aus den Augen verliert.

 

Soziales Spiel

Gemeinsames Spielen mit sozialen Anteilen intensiviert die Bindung. Sozial bedeutet, dass die Interaktion zwischen dir und deinem Hund im Mittelpunkt stehen. Das Spiel ist immer durch eine lockere und entspannte Grundstimmung geprägt. Übermäßige Kontrolle, Kommandos oder Druck haben hierbei nichts verloren. Dein Hund darf im Spiel mal das tun, was er sonst nicht darf: Hochspringen, dich anrempeln, bellen, mit dir um die Wette rennen, usw. Er darf auch mal am Tau zerren und sogar gewinnen. Hunde lieben es, wenn man sich seiner Position innerhalb der Mensch-Hund-Beziehung so sicher ist, dass man sich absichtlich Schwäche erlaubt. Voraussetzung ist allerdings, dass du ein zu wildes Spiel jederzeit beenden und deinen Hund innerhalb weniger Sekunden wieder auf ein entspanntes Level herunterfahren kannst.

 

Spielverderber Stress

Stress dämpft die Lust am Spielen. Das erklärt, warum gestresste oder ängstliche Hunde nicht spielen möchten und auch nicht dazu gedrängt werden sollten.

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