hund spielt nicht zergel

Hund spielt nicht I Wie du den Hund draußen zum Spielen motivierst

Hund spielt nicht

In den eigenen 4 Wänden ist dein Hund sehr aufmerksam dir gegenüber. Während des Spaziergangs ohne Ablenkung auch. Kaum sieht dein Hund allerdings einen anderen Artgenossen oder andere spannende Dinge, blendet er dich aus. Selbst wenn du das Lieblingsspielzeug hervorzauberst musst du feststellen: Der Hund spielt nicht, denn seine Gedanken sind nur beim Reiz. Woran das plötzliche Desinteresse liegt und wie du es änderst, erfährst du in diesem Artikel.

 

So entsteht Motivation

Die Begeisterung für Etwas entsteht durch biochemische Prozesse im Gehirn. Der Botenstoff Dopamin spielt dabei eine große Rolle. Dopamin aktiviert Teile des Gehirns, die für Motivation und Wohlgefühle relevant sind. Im häuslichen Umfeld laufen in Verbindung mit einem heißgeliebten Spielzeug ganz andere Prozesse im Gehirn ab, als draußen auf dem Spaziergang. Der Hund spielt nicht, weil ihm auf dem Spaziergang der Sinn nach ganz anderen Dingen steht.

Die Prozesse im Gehirn sind für uns nicht sichtbar. Was dir jedoch nicht verborgen bleibt, ist das Verhalten deines Hundes. Bist du in der Lage das gezeigte Verhalten richtig zu deuten, kannst du auch erfolgreich am Verhalten deines Hundes arbeiten.

So kannst du mit deinem Hund verständlich kommunizieren

Hund spielt nicht – mögliche Gründe

Es gibt immer einen oder mehrere Gründe, warum ein Hund nicht spielt oder sich nur schwer für etwas begeistern lässt. Die gängigsten Gründe sehen wir uns nun mal genauer an.

Rassetypische Eigenschaften

Komplett desinteressierte Hunde gibt es nicht. Dennoch gibt es Hunde, die sich schwerer für etwas begeistern lassen als andere. Mein Hündin Amy ist ein Hütehund-Mischling und lässt sich naturgemäß relativ schnell für Dinge begeistern. Anders sieht es beim Herdenschutzhund unserer Nachbarn aus, der rassebedingt merklich weniger Spieltrieb und Kooperationsbereitschaft zeigt. Dieser Hund spielt nicht so viel wie der Besitzer es sich eigentlich wünschen würde, sowohl in Bezug auf Artgenossen als auch auf Menschen. Ausnahmen gibt es natürlich auch bei dieser Rasse. Dennoch wirkt der beispielhaft genannte Herdenschutzhund schon aufgrund seiner rassetypischen Eigenschaften im direkten Vergleich mit einem naturgemäß kooperativeren Hund unmotivierter.

Warum es wichtig ist, mit der naturgegebenen Persönlichkeit seines Hundes zu arbeiten, statt dagegen

Falsche Erwartungshaltung

Im heimischen Umfeld spielt dein Hund mit großer Freude Ball-, Zerr- oder Apportierspiele mit dir. Während des Spaziergangs, besonders bei Sicht eines Artgenossen, ist ihm seine heimische Lieblingsbeschäftigung aber plötzlich völlig schnuppe. Dein Hund spielt nicht, egal wie sehr du dich auch bemühst. Enttäuschung macht sich breit, denn wenn nicht mal das Lieblingsspielzeug eine Wirkung zeigt, was dann? Die Erklärung für das plötzliche Desinteresse deines Hundes ist einfach.

Zu Hause hat dein Hund das Spielzeug zur freien Verfügung oder kann es bei Bedarf von dir einfordern. Durch die ständige Verfügbarkeit hat es draußen beim Spaziergang, im direkten Vergleich mit einem spannenden Reiz (anderer Hund), keine Bedeutung mehr für deinen Hund. Dein Hund spielt nicht, weil ihm die Kontaktaufnahme zum Artgenossen in dem Moment wichtiger ist. Wie du das umkehrst, erfährst du später noch.

Negative Lernerfahrungen

Negativ abgespeicherte Erfahrungen können den Hund ebenfalls lustlos wirken lassen. Als Beispiel für einen unmotiviert erscheinenden Hund fällt mir spontan die Hündin einer Bekannten ein. Normalerweise freut sie sich wie verrückt auf den Spaziergang, weil sie Spiel und Spass damit verbindet. Zieht meine Bekannte allerdings ihre Joggingschuhe an, dann wird aus der Vorfreude blitzschnell Meideverhalten. Aufgrund der gemachten Lernerfahrungen hat der Hund abgespeichert: Joggingschuhe = stupides an der Leine laufen, kein Schnüffeln, kein Toben, kein Spaß. Für den Menschen ist es aus Zeitgründen sehr angenehm „Sport & Gassirunde“ zu verbinden. Soll der Hund allerdings motiviert bei der Sache sein, dann sollte ihm diese Beschäftigung ebenfalls Spaß machen.

Körperliche Schmerzen

Mancher Hund spielt nicht, weil es ihm körperliche Schmerzen bereitet. Genau das erlebte ich kürzlich mit meiner Hündin Amy. Normalweise hat sie großen Spaß daran, sich einen Teil ihrer täglichen Trockenfutter-Ration gemeinsam mit mir zu erarbeiten. Neulich spuckte sie das Trockenfutter allerdings direkt wieder aus, nahm weiche Leckerlis allerdings an. Nach tierärztlicher Abklärung stellte sich heraus, dass Probleme am Gebiss bestanden, welche Schmerzen beim Kauen von harten Futterstücken Schmerzen verursachten.

Läuft dein Hund plötzlich nicht mehr gewohnt freudig hinter einem Ball oder Futterstück hinterher, so könnten Probleme am Bewegungsapparat dahinterstecken. Solltest du also derartige Veränderungen im Verhalten deines Hundes feststellen, solltest du diese tierärztlich abklären lassen.

So motivierst du deinen Hund

Kommen wir nun dazu, wie dein Hund dir zukünftig auch unter hoher Ablenkung Beachtung schenkt, z.B. beim Passieren eines Artgenossen. Damit es funktioniert, benötigt dein Hund eine Aufgabe, auf die er sich konzentrieren kann. Diese Aufgabe kann z.B. das Tragen eines Balls, Zerrspielzeugs, Stoff- oder auch Futterdummys sein. Damit es funktioniert, braucht das Objekt auch außerhalb der Wohnung eine hohe Wertigkeit für deinen Hund. Wie es die bekommt, erkläre ich dir nun beispielhaft anhand eines Zerrspielzeugs, dem sogenannten Zergel. Das Zergel steht im fortlaufenden Text stellvertretend für das Spielzeug deines Hundes.

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Schritt 1 – Wertigkeit steigern

Damit sich dein Hund zukünftig auch unter Ablenkung auf das Zergel konzentriert, ist es in der Wohnung ab sofort nicht mehr frei verfügbar, aber trotzdem sichtbar. Es liegt beispielsweise auf dem Schreibtisch während du am Computer arbeitest oder auch auf dem Couchtisch, während du Fernsehen schaust. Nähert sich dein Hund dem Zergel, dann schickst du ihn freundlich, aber bestimmt davon weg. Deine Nachricht lautet: „Berühren verboten, das gehört mir!“ Zusätzlich nimmst du das Zergel 4 bis 5 Mal täglich in die Hand und bewunderst es für einige Sekunden. Dies macht deinen Hund neugierig und weckt das Bedürfnis, sich auch damit beschäftigen zu wollen. Die Wertigkeit des Objektes steigt also. Lässt du deinen Hund mal allein zu Hause, dann verwahre das Zergel an einem deinem Hund unbekannten Ort auf.


Schritt 2 – Zergel mit nach draußen nehmen

Nachdem du Schritt 1 einige Tage durchgeführt hast, nimmst du das Zergel zum ersten Mal mit auf den Spaziergang. Sichere deinen Hund mit einer 2 Meter langen Führleine, hol es an ablenkungsarmer Stelle aus der Tasche und mach es einige Sekunden spannend. Wenn du magst, leitest du nun ein kurzes Zerrspiel ein. Lass deinen Hund einige Sekunden später „gewinnen“ und lobe ihn fröhlich, wenn er das Zergel stolz in der Schnauze trägt. Lässt dein Hund das Zergel fallen, so geh kommentarlos an dem am Boden liegenden Objekt vorbei, sodass dein Hund es wieder aufnehmen könnte. Ignoriert er es, geh ein weiteres Mal kommentarlos daran vorbei. Sollte dein Hund es erneut ignorieren, sammelst du es wortlos ein und verstaust esmwieder in der Tasche.

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Schritt 3 – Wertigkeit weiter steigern

Nachdem der Hund das ausgesuchte Objekt während des Spaziergangs nur kurz oder vielleicht auch gar nicht spannend fand, geben viele Hundebesitzer*innen direkt wieder auf. Genau das ist der große Fehler. Anfänglich ist es nämlich selbst in reizarmer Umgebung nicht ungewöhnlich, dass der Hund sich vom Umfeld ablenken lässt. Dein Hund spielt nicht, weil ihm zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst ist, dass er gerade eine wichtige Chance auf die Beschäftigung mit dem Zergel vertan hat. Von Spaziergang zu Spaziergang wird ihm das jedoch immer klarer, da du dich zu Hause weiterhin wie in Schritt 1 beschrieben mit dem Zergel beschäftigst. Das wiederum führt dazu, dass dein Hund die Chance auf die Beschäftigung mit dem Objekt bald nicht mehr so leicht verstreichen lassen.

Schritt 4 – Reizlage erhöhen

Sobald dein Hund sich die Chance auf das Zergel in ablenkungsarmer Umgebung nicht mehr entgehen lässt, nutzt du es zum ersten Mal, um entspannt an anderen Hunden vorbeizugehen. Lass dich nicht davon verunsichern, wenn dein Hund das Zergel aufgrund der höheren Reizlage anfänglich wieder ignoriert. Auch hier muss dein Hund erstmal über mehrere Tage die Erfahrung sammeln, dass er eine Chance vertan hat. Bleib wie in Schritt 2 beschrieben geduldig am Ball, damit dein Hund lernt, sich auch unter starker Ablenkung voll und ganz auf seine neue Aufgabe zu konzentrieren.

Aufhören, wenn es am schönsten ist

Bekomme ein Gefühl dafür, wie lange dein Hund sich freudig mit seinem Spielzeug beschäftigt. Während der nächsten Spaziergänge achtest du darauf, ihm das Zergel kurz bevor er selber die Lust verliert abzunehmen. Aufhören, wenn es am schönsten ist, steigert die Wertigkeit des Objekts zusätzlich. Qualität geht vor Quantität. Setze das Spielzeug also wohldosiert während des Spaziergangs ein, damit es spannend für deinen Hund bleibt.

Der sensible Hund

Wähle beim Wegschicken deines Hundes (Schritt 1) unbedingt eine deinem Hundetyp angemessene Intensität. Dein Hund soll zwar Abstand vom Zergel halten, dabei aber auf keinen Fall verängstigt wirken. Hast du das Gefühl, dass sich dein Hund durch das Wegschicken nicht mehr traut das Spielzeug anzuschauen, war die Intensität zu hoch. Überprüfe deine Körpersprache und gehe beim nächsten Mal behutsamer vor. Wirkt dein Hund dennoch verunsichert, dann nimm Abstand von dieser Methode.

 

Der forsche Hund

Fährt ein gemeinsames Zerrspiel deinen Hund stark hoch und agiert er dabei rüpelig dir gegenüber, verzichte auf das Zerrspiel. Lass deinen Hund das Zergel entweder einfach nur tragen oder entscheide dich von vornherein für ein anderes Spielzeug.

Merke dir!

Motivation entsteht im Gehirn und wird durch Verhalten sichtbar. Überprüfe zukünftig bei all dem was dein Hund tut, ob du den Beweggrund deines Hundes objektiv einschätzt.  Zusätzlich nimmst du das Verhalten deines Hundes niemals persönlich, denn miese Laune ist der größte Motivationskiller überhaupt.

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1 Kommentar zu „Hund spielt nicht I Wie du den Hund draußen zum Spielen motivierst“

  1. Gaby Schöning

    Hallo liebe Melanie,
    vielen Dank für dein tolles Video….
    Da ich dein Beutel apportier Video mit meiner 2 jährigen mischlingshündin Margo aus der Ukraine (seit Oktober 2020) so erfolgreich anwende…Margo ist voll dabei und ich auch….
    Werde ich nun beim gassi gehen es so machen wie im Video (Hund will nicht spielen) beschrieben…..Margo ist besonders durch andere Hunde abgelenkt….z.zt. Ist es noch nicht möglich an lockerer Leine an anderen Hunden vorbeizukommen… mit gebührenden Abstand im Sitz (den ich langsam immer kürzer werden lasse) warten wir bis der andere Hund vorbei ist…..dann setzen wir unseren Spaziergang fort….
    So unsere Vorgehensweise in Absprache mit meinem Hundetrainer.
    Nun werde ich mit Margo nach deinen Video vorgehen mit ihren heißgeliebten Beutel .. ich bin gespannt ….
    Frage: ab welchen übungsschritt darf ich wieder nur das reine beutel apportier spiel einsetzen im Alltag bzw. beim gassi gehen…oder ist das unabhängig von den Schritten die Du im Video erklärst?
    Ach noch was es ist wahnsinnig super das ich mir eure Beiträge auch noch ausdrucken kann….ich brauch das um wirklich step bei step zu arbeiten…also ich find deine/eure Arbeit klasse und professionell und informativ …
    Mit den besten Grüßen
    aus dem Bienwald in der Südpfalz
    Gaby Schöning

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