Hundetraining

Leinenaggression – Mein Hund bellt alles an!

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Leinenaggression - Mein Hund bellt alles an!

Dein Hund bellt andere Hunde an? Oder er bellt Radfahrer und Jogger an? Oder Müllautos? Jeder Hund hat andere Präferenzen, welcher Reiz ihn auf die Palme bringt. Hunde bellen Dinge aus unterschiedlichsten Beweggründen an. Es gibt viele mögliche Ursachen für Leinenaggression. Die Vorgeschichte deines Hundes kann eine Rolle spielen, aber auch der häusliche Umgang mit deinem Hund.

Immer öfter erreichen mich E-Mails mit der Frage: „Mein Hund bellt andere Hunde an. Was kann ich dagegen tun? Welche Korrektur hilft mir?“ Solche Fragen bringen mich etwas zum Schmunzeln. Es hört sich so an, als gäbe es ein allgemein gültiges Patentrezept, wie z.B. 1x ins linke Ohr kneifen und dabei die Rute des Hundes 3x gegen den Uhrzeigersinn drehen, welches ich - ohne Hund und Halter zu kennen - per E-Mail verteilen kann, um so die Leinenaggression des Hundes zu beheben. Und schwups, bellt dein Hund keine anderen Hunde mehr an.

Auch Amy war mal ein bellender Poltergeist. Sie mutierte zum Leinenmonster, sobald ein Fahrrad auf der Bildfläche erschien. Diverse Korrekturversuche verliefen ins Leere und verschlimmerten ihre Abneigung gegen Radfahrer sogar noch. Bevor wir mit der Methode zur Behandlung der Leinenaggression starten, zuvor noch eine Frage: Was hast du schon so alles versucht, damit dein Hund keine anderen Hunde, Radfahrer, Jogger, o.ä. mehr anbellt? Welche Korrekturen hast du bisher ausprobiert, damit dein Hund bei bestimmten Reizen nicht mehr bellend in der Leine hängt?

 

Was für Korrekturmöglichkeiten gibt es eigentlich so?

Diverse Fernsehsendungen mit unterschiedlichsten Hundetrainern aus dem In- und Ausland geben dir einen guten Überblick, was es so alles an Korrekturmöglichkeiten bei Leinenaggression gibt, um das unerwünschte Bellen deines Hundes in den Griff zu bekommen. Hier mal ein paar häufig gesehene Beispiele:

  • Körpersprachliches Begrenzen des Hundes
  • Impulse mit der Leine
  • ein strenges Nein
  • dem Hund Futter vorenthalten, welches er für nettes Verhalten bekommen hätte
  • der Gebrauch von aversiven Methoden (wie einer Wasserflasche, Wurfkette, Sprühhalsband, usw.)

Jeder Hundehalter wird zum Thema Korrekturen unterschiedliche Angaben machen. Zudem gehen die Meinungen sehr weit auseinander, was dem Hund schadet oder vielleicht sogar weh tun könnte und was gut für den Hund ist.

!!! Probiere aversive Methoden, wie zum Beispiel den Gebrauch einer Wurfkette, Sprühhalsband, Wasserflasche und Co, nicht auf eigene Faust aus. Die Beziehung zu deinem Hund könnte dadurch nachhaltig gestört werden und die Situation noch verschlimmern. Suche dir Hilfe bei einem Hundetrainer deines Vertrauens, der dich und deinen Hund persönlich coacht.

Wenn du Korrekturen ausprobierst, dann ist es wichtig zu erkennen, ob eine Korrektur wirklich gelungen ist. Eine gelungene Korrektur führt direkt zu einer spürbaren Veränderung im Verhalten deines Hundes. Und zwar in die von dir erwünschte Richtung. Tut sie dies nicht, so nimm Abstand davon!

 

Leinenaggression ade - So hört dein Hund auf andere Hunde anzubellen!

Das folgende Training ist für Hunde mit Leinenaggression geeignet, die aus Frust, Angst oder Unsicherheit bellend in der Leine hängen.

WICHTIG: Sollte dein Hund andere Hunde oder Menschen ernsthaft verletzen wollen, so such dir unbedingt persönliche Hilfe von einem fähigen Hundetrainer bei dir vor Ort und lass die Finger von dieser Methode.

Voraussetzung für diese Methode ist, dass dein Hund auf den Clicker konditioniert sein muss. Der Clicker hat den Vorteil, dass er keine negativen Emotionen überträgt. Das erleichtert dir das Training ganz besonders, wenn du in der Vergangenheit schon diverse Male wütend, frustriert oder ängstlich geworden bist, wenn dein Hund bellend in der Leine hing. Dein Hund kennt den Clicker noch nicht? Dann schau dir bitte zuerst den Beitrag „Clickertraining – So konditionierst du den Clicker“ an und trainiere mit deinem Hund den Clicker. Erst dann beginnst du mit dieser Methode.

Der folgende Methode nutzt Futterbelohnung. Es wird allerdings nicht zur Ablenkung oder als Lockmittel genutzt. Ablenkungsmanöver mit Futter funktionieren nur in den wenigstens Fällen und ändern nichts an der inneren Grundhaltung deines Hundes. Das Ziel des Trainings ist, dass dein Hund seine Angst, Unsicherheit oder Frust dem Reiz gegenüber langsam abbaut und sich selbstständig ein positives Alternativverhalten beibringt.

 

Wann solltest du erste Trainingserfolge sehen?

Je nachdem wie stark dein Hund auf den Reiz reagiert und wie lange er dies schon tut, wird die Trainingsdauer unterschiedlich lang sein. Hast du in der Vergangenheit vielleicht auch schon des Öfteren harsch reagiert, deinen Hund beschimpft, vielleicht sogar mit Wasser nass gespritzt oder wütend an der Leine gezerrt? Dann hast du das „Feinbild“ sowie die Leinenaggression unwissentlich über die Monate oder Jahre schon mit verstärkt. Diese negativen Erfahrungen müssen nun wieder positiv überschrieben werden und das benötigt Zeit. Dein Hund wird dir zeigen, in welchem Tempo du dich im Training voran bewegen kannst.

Wenn du das Gefühl hast, dass du im Training keinen Schritt vorwärts kommst, so suche dir unbedingt persönliche Hilfe bei einem Hundetrainer deines Vertrauens.

 

In zwei Schritten zum entspannten Begleiter!

Das brauchst du: Hochwertige Futterstücke, wie zum Beispiel Wurst oder Käse, einen Clicker und einen Reiz, den dein Hund anbellt.

Schritt 1:

Markiere den Blickkontakt zum REIZ!

  • Starte das Training in einer Entfernung, in der dein Hund den Reiz sieht, er aber noch ruhig bleiben kann.
  • Du bist ganz still und sagst kein Wort.
  • In exakt dem Moment, in dem dein Hund den Reiz ohne dein Zutun entdeckt und hinschaut clickst du.
  • Schaut dein Hund aufgrund des Click-Geräusches zu dir und weg vom Reiz? Dann belohnst du ihn sofort mit einem Stück Futter.
  • Schaut dein Hund erneut zum Reiz, so clicke das ruhige Anschauen direkt nochmal und belohne deinen Hund erneut.
  • Wiederhole dies ca. 3-4 Mal, gehe dann aus der Situation heraus und mache eine kleine Pause.

Übe den Schritt 1 über einige Tage/Wochen, bis es sehr gut klappt. Erst dann gehst du über zu Schritt 2.

Problemlösungen: 

Sollte dein Hund den Click ignorieren, so hilf deinem Hund körpersprachlich per U-Turn aus der Situation heraus und entferne dich ein Stück weg vom Reiz. Vermeide es, deinen Hund nach hinten mit der Leine aus der Situation heraus zu ziehen. Das führt häufig dazu, dass dein Hund dann erst recht bellend nach vorne geht. Starte also einen neuen Versuch und arbeite dich langsam an die Entfernung heran, die dein Hund gut aushalten kann. Erkenne Stress-Signale deines Vierbeiners, wie z.B. exzessives über die Schnauze lecken, gähnen, sich kratzen, ö.ä. und passe das Training dementsprechend an.

 

Schritt 2:

Markiere den Blickkontakt zu DIR!

  • In exakt dem Moment, in dem dein Hund den Reiz entdeckt und hinschaut clickst du NICHT mehr.
  • Warte ganz still für 1 bis 5 Sekunden ab. Schaut dein Hund nun selbständig weg vom Reiz und hin zu dir, so clickst du diesen Blickkontakt und belohnst deinen Hund direkt im Anschluss.
  • Arbeite dich langsam in ganz kleinen Schritten zum Reiz vor, sofern der Reiz sich nicht bewegt.
  • Lege nach 3-4 Wiederholungen eine Pause ein.
  • Bewegt sich der Reiz, so gehe ggf. wieder kurzzeitig zu Schritt 1 über.

Problemlösung:

Fixiert dein Hund den Reiz länger als 5 Sekunden, so gehst du zurück zu Schritt 1 und übst diesen noch weiter. Fängt dein Hund nach dem Click und der Belohnung doch an zu pöbeln, so wähle eine größere Distanz und hilf deinem Hund per U-Turn aus der Situation heraus, damit er sich wieder beruhigen kann.

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