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Hund Kontrollzwang abgewöhnen I Tipps bei Kontrollverhalten

Dein Hund läuft dir in der Wohnung andauernd hinterher und möchte immer in deiner Nähe sein? Du hast das Gefühl, dass er sich schon fast zu gut an dir orientiert. Was du als gute Orientierung empfindest ist aber häufig das genaue Gegenteil, nämlich kontrollierendes Verhalten. Hat ein Hund Kontrollzwang entwickelt, dann kann das sowohl in der Wohnung als auch draußen auf dem Spaziergang einige Verhaltensprobleme ins Leben rufen.

Kontrollzwang Hund – Wer kontrolliert wen?

Ein Welpe wächst umgeben von seiner Mutter und den Wurfgeschwistern auf. Durch die Interaktion mit ihnen lernt der Welpe von Anfang an, welche Verhaltensweisen erwünscht und welche unerwünscht sind. Die klare erzieherische Linie der Mutterhündin sorgt im Rudel für Struktur und gibt dem Nachwuchs ein Gefühl von Sicherheit. Diese Sicherheit erhofft sich dein Hund auch vom Zusammenleben mit dir. Da du sein neuer Sozialpartner bist, möchte dein Hund dir am liebsten auf Schritt und Tritt folgen. Er folgt dir anfänglich allerdings noch nicht, um dich zu kontrollieren. Dein Hund folgt dir, weil er sich orientieren und seinen Platz innerhalb der Familie finden will. Du wertest den übersteigerten Verfolgungsdrang deines Hundes fälschlicherweise als Zuneigung und lässt deinen Hund darum gewähren. Das es damit Probleme, je nach Charaktertyp deines Hundes nach sich ziehen kann, ist dir dabei nicht bewusst.

Definition Kontrollzwang Hund

 Frei übersetzt bedeutet das Wort Kontrolle: „Die Überprüfung oder Überwachung einer Sache oder einer Person.“ Zeigt ein Hund Kontrollzwang, dann hat er das Bedürfnis jeden Schritt oder auch Handgriff seines Menschen überprüfen zu wollen. Damit dem Hund auch nichts entgeht, ist er immer auf der Hut und bekommt jegliche Bewegung seines Menschen sofort mit.

Entstehung Kontrollzwang

Zwei Hauptursachen sind häufig dafür verantwortlich, dass ein Hund Kontrollzwang entwickelt. Einerseits muss der Hund eine Veranlagung zu kontrollierenden Verhaltensweisen haben. Andererseits muss der Hund diese Veranlagung an der Seite seines Besitzers ausleben können.  Der Hund folgt seinem Besitzer ab dem Tag des Einzugs, also wann immer er möchte. Er sieht es mit der Zeit als seine Pflicht an. Ist beim Hund Kontrollzwang entstanden, dann ist er in dem Glauben für die Sicherheit innerhalb der Familie verantwortlich zu sein. Um diese verantwortungsvolle Rolle auch gewissenhaft auszuführen, entgeht ihm nichts. Der Hund ist allzeit bereit aufzuspringen und kommt nur zur Ruhe, wenn auch der Besitzer über einen längeren Zeitraum an einem Ort verweilt. Verbietet der Besitzer seinem Hund zwischendurch mal ihm zu folgen, dann kann der Hund damit nur schlecht umgehen und wirkt gestresst.

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Merkmale Kontrollzwang

Zeigt ein Hund Kontrollzwang, dann kann der Besitzer in extremen Fällen nicht mal mehr alleine auf die Toilette gehen. Darüber hinaus beginnen manche Hundetypen ihren Besitzer immer häufiger wie einen unerzogenen Welpen zu maßregeln. Das bedeutet, dass der Hund seinem Besitzer ständig vor die Füße läuft, ihn rüpelhaft anspringt oder gelegentlich sogar nach ihm schnappt. Die Nachricht des Hundes lautet: „Hey! Wer hat dir erlaubt dich zu bewegen?“ Zeigt der Hund Kontrollzwang in der Wohnung, dann beeinflusst das früher oder später auch den Spaziergang. Da der Hund glaubt für seinen Besitzer verantwortlich zu sein, verbellt er andere Artgenossen oder Passanten plötzlich vehement. Korrekturversuche bleiben erfolglos, weil der Hund seinem Besitzer keine Kompetenzen zuschreibt. Seiner Erfahrung nach kann sich der Besitzer ja noch nicht mal allein durch die Wohnung bewegen – wie soll er es da mit fremden Artgenossen oder Passanten aufnehmen.

Ursachenforschung

Hat dein Hund Kontrollzwang entwickelt, dann schreib dir jetzt mal auf, welche kontrollierenden Verhaltensweisen er genau zeigt. Notiere dir auch, ob dein Hund diese Verhaltensweisen generell zeigt oder

  • nur in besonderen Situationen,
  • an bestimmten Orten
  • wenn spezielle Personen anwesend sind

Je besser du der Ursache für den Kontrollzwang deines Hundes auf den Grund gehst, desto effektiver kannst du daran arbeiten.

Lass mich nicht allein

Probleme beim Alleinbleiben können ebenfalls entstehen, sobald ein Hund Kontrollzwang entwickelt hat. Dieser Hund ist es gewohnt, seinem Besitzer uneingeschränkt folgen zu können. Er reagiert dann gestresst, wenn er plötzlich ohne seinen Besitzer in der Wohnung zurückbleiben muss. Der Grund für das erhöhte Stress-Level des Hundes kann unterschiedliche Beweggründe haben. Manch ein Hund reagiert gestresst, weil er glaubt, dass sein Besitzer ohne ihn nicht klarkommt. Ein anderer Hund reagiert wiederum gestresst, weil er glaubt, ohne den Besitzer nicht klarzukommen. Insbesondere ein unsicherer oder ängstlicher Hund zeigt dabei häufig eine Mischung aus Kontrollzwang und Verlustangst.

An diesen Merkmalen erkennst du, ob dein Hund unter Trennungsangst leidet

Kontrollzwang Hund – Tipps, um Kontrollverhalten zu regulieren

Hat der Hund in der Familie keinerlei Verantwortung zu tragen, dann liegt er täglich ca. 17 bis 20 Stunden dösend oder schlafend in der Wohnung. Der Hund vertraut darauf, dass sein Mensch auch ohne ihn alles im Griff hat und kann sich darum bestens entspannen. Die übrigen 4 bis 7 Stunden des Tages bestehen aus gemeinsamer Familienzeit und dem Typ Hund angepassten Aktivitäten. Um deinem Hund Kontrollzwang abzugewöhnen und zu mehr Entspannung zu verhelfen stehen dir unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung.

#1 Kontrollverhalten ignorieren?

Den Verfolgungsdrang des Hundes einfach zu ignorieren ist ein weit verbreiteter Rat. Sinnvoll ist Ignorieren aber nur dann, wenn der Hund sich aufgrund der ausbleibenden Aufmerksamkeit nach wenigen Minuten selbstständig zurückzieht. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass der Hund über einen längeren Zeitraum entspannt an dem von ihm gewählten Rückzugsort bleibt, auch wenn der Besitzer sich durch die Wohnung bewegt. Anders sieht es aus, wenn sich beim Hund Kontrollzwang schon extrem gefestigt hat. Hier wird Ignorieren allein nicht helfen.

Warum Ignorieren nur in Ausnahmefällen wirklich hilft

 

#2 Türen schließen

Die Tür öfter mal hinter sich zu schließen verhindert, dass der Hund Kontrollzwang ausleben kann. Aber Achtung! Für den Erfolg ist es wichtig, wie der Besitzer die Tür schließt. Kontraproduktiv wäre es, wenn der Hund versucht sich noch schnell mit seinem Besitzer durch den Türspalt zu quetschen. Mit der geschlossenen Tür vor der Nase kann der Hund seinem Besitzer zwar nicht mehr folgen, der Wunsch dem Besitzer folgen zu wollen ist aber unverändert da. Die verzwickte Situation erhöht das Stress-Level des Hundes. Um den Stress bestmöglich abzubauen beginnt der Hund hektisch an der geschlossenen Tür zu kratzen oder fiept, winselt oder bellt gefrustet.

So geht’s!

Kommuniziere ab sofort klar und deutlich mit deinem Hund. Schick ihn zunächst mit aufrechtem Oberkörper und festem Blick von der offenen Tür weg. Du signalisierst deinem Hund damit: „Bleib da. Ich möchte nicht, dass du mir folgst!“ Sobald dein Hund in ca. ein bis zwei Metern Entfernung zur Tür abwartet, wendest du dich von ihm ab und schließt ganz entspannt die Tür hinter dir. Kehre anfänglich zeitnah zurück, idealerweise wenn dein Hund sich gerade ruhig verhält. Schenk deinem Hund bei deiner Wiederkehr keine großartige Beachtung, um deiner Rückkehr keine große Bedeutung zuzumessen. Übe täglich, damit es deinem Hund immer leichter fällt, sich für eine gewisse Zeit hinter der geschlossenen Tür zu entspannen.

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#3 Räumliche Begrenzung

 Nimm deinem Hund Verantwortung, indem du seinen Bewegungsradius innerhalb der Wohnung für eine gewisse Zeit des Tages einschränkst, z.B. auf das Wohnzimmer. Innerhalb des Wohnzimmers darf sich dein Hund frei bewegen. Verlassen darf er das Wohnzimmer trotz offener Tür aber nicht. Überschreitet dein Hund die Zimmergrenze, dann schickst du ihn freundlich, aber entschlossen zurück ins Wohnzimmer. Sobald dein Hund abwartend innehält, wendest du dich ab und widmest du dich wieder anderen Dingen. Nach mehrmaligem Austesten wird dein Hund verstehen, dass er das Wohnzimmer anscheinend nicht verlassen darf und sich zurückziehen. Dabei ist es egal, ob er es sich auf dem Boden, dem Teppich oder im Körbchen bequem macht. Wichtig ist nur, dass der Hund an dem von ihm gewählten Liegeplatz wirklich zur Ruhe kommt.

Darauf solltest du bei der körpersprachlichen Raumverwaltung achten

Zusatztipp!

Fällt dir die körpersprachliche Kommunikation mit deinem Hund noch schwer, dann befestige eine dünne Hausleine an deinem Hund. Die Hausleine hat keine Handschlaufe und schleift während deiner Anwesenheit lose hinter deinem Hund her. Überschreitet dein Hund deine Grenze, dann nimmst du das Leinenende entspannt auf und führst deinen Hund zurück. Sobald dein Hund dort abwartend stehenbleibt, lässt du das Leinenende fallen und widmest dich wieder anderen Dingen. Vor Verlassen der Wohnung entfernst du die Hausleine, damit dein Hund sich nirgends verheddert. 

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Kontrollzwang Hund behandeln – Bleib realistisch

Mir ist noch wichtig zu sagen, dass du nicht in alles mögliche Kontrollverhalten hineininterpretieren solltest. Steht dein Hund, während du ihn streichelst, zum Beispiel mal zufällig mit seiner Pfote auf deinem Fuß, dann hat das normalerweise keine tiefere Bedeutung. Anders sieht die Sache aus, wenn dein Hund in diesen Positionen sich euch nähernde Familienmitglieder, Besucher oder auch Artgenossen wegzuschnappen versucht. Dein Hund platziert sich in so einem Fall nicht zufällig in deiner Nähe, sondern um dich zu kontrollieren. Untersage deinem Hund jegliche Kontrollpositionen und schick ihn beharrlich weg, sobald er eine Kontrollposition einnehmen möchte. Durch dein konsequentes Handeln verinnerlicht dein Hund nach und nach, dass Kontrolle nicht zu seinen Aufgaben gehört.

Fazit

Nimm das Verhalten deines Hundes in Zukunft ganz bewusst wahr. Frag dich immer, welche Intention dein Hund mit seinem Verhalten verfolgt. Wählt dein Hund bestimmte Positionen nur aus, um dich oder auch andere besser im Blick zu haben, dann könnte es sich um Kontrolle handeln. Schick deinen Hund freundlich, aber konsequent von jeglichen Kontrollposten weg. Damit nimmst du ihm die unbewusst auf ihn übertragene Verantwortung wieder ab und verhilfst ihm zu mehr Entspannung.

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3 Kommentare zu „Hund Kontrollzwang abgewöhnen I Tipps bei Kontrollverhalten“

  1. Hallo, ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen. Möchte einfach mal mitteilen, dass Du sehr gut erklären/beschreiben kannst. Gefällt mir. Ich freue mich auf weitere Beiträge von Dir 🙂

  2. Vielen Dank für die Erklärung und die Empfehlungen zum Umgang mit einem kontrollierendem Hund. Das ist wieder ein tolles Video! Unsere Hündin (Herdenschutz-Mix) hängt auch sehr oft an mir und hält sich meistens dort auf, wo ich bin. Allerdings folgt sie mir meistens dann, wenn sie die Erwartung hat, dass jetzt was Tolles passiert. Meistens erfüllt sich die Erwartung nicht, aber sie bleibt hoffnungsvoll 🙂 Da ich im Alltag häufig lange an einem Ort im Haus bleibe, hat sich das von Anfang an so eingespielt. Sie lebt jetzt seit einem halben Jahr bei uns. Das Badezimmer akzeptiert sie von Anfang an als Tabuzone mit offener und geschlossener Türe, wartet aber entspannt davor auf meine Rückkehr.
    Ich werde das anhand Deiner Hinweise mal abchecken und sie auch mal räumlich eingrenzen. Bin gespannt!

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