Hundetraining

Hund ignoriert mich draußen – Das Aufmerksamkeitssignal

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Hilfe, mein Hund ignoriert mich!

Dein Hund ignoriert dich öfter und hört nicht auf dich? Das könnte daran liegen, dass er gerade in einem Funkloch steckt. Vielleicht kann er auch nicht herausfiltern, ob deine Ansprache gerade wirklich wichtig ist, da er seinen Namen den ganzen Tag in einer Endlosschleife hört. Ich zeige dir, wie du mit einem Signal eine Verbindung zu deinem Hund herstellst und dein Hund dadurch aufmerksamer dir gegenüber wird und immer besser gehorcht.

 

Hintergründe, warum dich dein Hund ignoriert

Lass mich dir zunächst anhand von einem menschlichen Beispiel verdeutlichen, warum dich dein Hund ignoriert: Du sitzt auf dem Sofa und bist in eine spannende Fernsehserie vertieft. Dein Partner betritt den Raum und stellt dir aus heiterem Himmel eine Frage. Mit ziemlicher Sicherheit wirst du entweder ein „Hä?“ hervormurmeln oder nicht auf seine Frage reagieren, weil du mit deinen Gedanken komplett in der Fernsehserie versunken bist.

Aussenreize

Auch dein Hund ist draußen gewissermaßen in eine Fernsehserie vertieft, wenn er spannende Gerüche oder Dinge in seiner Umwelt entdeckt. Strenggenommen ignoriert dein Hund dich also nicht, sondern ist einfach nur offline, weil er kurzzeitig in einem Funkloch verschwunden ist. Ein Aufmerksamkeitssignal hilft dir, eine Verbindung zu deinem geistesabwesenden Hund herzustellen, damit er dein Kommando überhaupt registrieren und dir gehorchen kann.

Hund ignoriert? Aufmerksamkeit gewinnen

Wir Menschen sprechen unser Gegenüber mit dem Vornamen an, wenn wir die Aufmerksamkeit uns gegenüber sicherstellen wollen. Das funktioniert auch mit deinem Hund, sofern du den Namen deines Hundes wirklich gezielt einsetzt. Amy heißt bei mir zum Beispiel nur dann Amy, wenn ich wirklich etwas Verbindliches von ihr möchte, sie mich also nicht ignorieren darf und gehorchen muss. Sollte sie mich nach meiner verbindlichen Ansprache dennoch ignorieren oder nicht gehorchen, so setze ich mich ruhig, aber bestimmt durch. Wenn ich Amy zu Hause zwischendurch mal liebevoll vollquatsche nenne ich sie Schnuffi und wenn ich in seltenen Fällen mal mit ihr schimpfen muss, Amylotta.

Die meisten Hundebesitzer nutzen den Namen ihres Hundes jedoch in einer Tour für völlig nichtige Dinge und auch, um mit ihrem Hund zu schimpfen. Die Verwunderung ist groß, dass dich der Hund ignoriert und seine Ohren irgendwann auf Durchzug stellt. Aber woher soll dein Hund wissen, wann sein Name wirklich für Verbindlichkeiten genutzt und wann er nur so daher gesagt wird? Der Name deines Hundes wird dadurch als Aufmerksamkeitssignal absolut unbrauchbar, weil dein Hund gar nicht herausfiltern kann, wann er wirklich auf seinen Namen reagieren soll.

Nutze für das Training also besser ein prägnantes Geräusch oder Wort deiner Wahl. Das Aufmerksamkeitssignal muss für deinen Hund unmissverständlich erkennbar sein, ähnlich wie der immer gleich klingende Ton von einem Clicker. Dieser wird im Hundetraining dazu genutzt, erwünschtes Verhalten zu markern. In unserem Beitrag nutzen wir als Aufmerksamkeitssignal ein Schnalzen mit der Zunge.

 

Die Trainingsschritte

Schritt 1

Wie bei jedem Training beginnst du in ablenkungsfreier Umgebung. Du nimmst dir 10 bis 20 kleine Futterstücke, die du von der Tagesration abziehst. Geh nun in die Nähe deines Hundes, gib dein Signal „Schnalzen“ gefolgt von einem Futterstück. Dein Hund muss noch in keiner Weise auf das Schnalzen reagieren und auch keinen Blickkontakt zu dir herstellen. Er lernt zunächst lediglich, dass dem Schnalzen immer eine Belohnung folgt. Wenn die Futterstücke alle sind ist die Trainingseinheit beendet. Wiederhole diese Übung 3 bis 4 Mal über den Tag verteilt für ca. 2 Tage.

Schritt 2

Ab Tag 3 schnalzt du, wenn dein Hund gerade wegschaut. Wendet er sich dir daraufhin zu, so bekommt er ein Futterstück. Warte, bis dein Hund erneut wegschaut und wiederhole dies mehrere Male über den Tag verteilt in unterschiedlichen Räumen und auch schon auf ruhigen Abschnitten vom Spaziergang. Wenn dich dein Hund weiterhin ignoriert, schnalze nicht mehrmal hintereinander, um das Signal nicht abzunutzen.

Schritt 3

Ab der zweiten Woche steigerst du die Ablenkungen in kleinen Schritten. Mach dir zuvor eine Ablenkungsliste von leicht zu schwer und beginne mit den leichten Ablenkungen. Schnalze pro Spaziergang ca. 4 bis 5 Mal und belohne deinen Hund dann für den Blick zu dir. Reagiert dein Hund unter leichter Ablenkung zuverlässig auf dein Schnalzen, so übst du mit mittleren Ablenkungen weiter. Erst wenn auch das zuverlässig klappt, wagst du dich an die schwereren Ablenkungen.

Trainingsprobleme

Nutzt du das Aufmerksamkeitssignal zu früh unter zu schwerer Ablenkung, so wird der Erfolg ausbleiben und dein Hund wird dich weiterhin ignorieren. Nimm dir also Zeit und passe den Schwierigkeitsgrad immer an die Persönlichkeit deines Hundes an!

Manche Hunde ignorieren ihren Besitzer, weil der Besitzer zu passiv ist und die Belohnung für den Hund gar keine Belohnung darstellt. Amy ist zwar nicht verfressen, läuft aber einem fliegenden Futterstück gern hinterher. Auch ein Lob meinerseits kombiniert mit einem Rennspiel ist eine Belohnung für sie.

Dexter dagegen liebt seinen Ball über alles und schwebt im siebten Himmel, wenn er seinen Ball tragen und darauf herumkaufen darf. Wenn dein Hund sich durch dein Schnalzen von einem anderen Hund ab- und sich dir zuwendet, so kann seine Belohnung auch sein, dass du ihn zu dem anderen Hund zum Spielen schickst, sofern der andere Besitzer ebenfalls einverstanden ist. Du siehst, eine Belohnung nach dem Aufmerksamkeitssignal kann vielfältig sein, denn nur dein Hund bestimmt was für ihn eine Belohnung ist und was nicht.

3-Sekunden-Regel

Entdeckt dein Hund einen für ihn besonders intensiven Reiz, so zähle innerlich "21,22,23". Diese Zeitspanne gibst du deinem Hund, um sich nun selbst weg vom Reiz und hin zu dir zu entscheiden. Das funktioniert nur, wenn das Aufmerksamkeitssignal zuvor sicher konditioniert wurde. Wendet sich dein Hund nun ohne dein Aufmerksamkeitssignal innerhalb der 3 Sekunden zu dir, belohnst du ihn ausgiebig. Er wird dabei lernen, dass er einen großen Vorteil hat, sich eigenständig vom Reiz zu lösen.

Starrt dein Hund nach Ablauf der 3 Sekunden weiterhin zum Reiz, nutzt du dein Aufmerksamkeitssignal. Wendet er sich daraufhin zu dir, belohnst du ihn natürlich. Bleibt er weiterhin auf den Reiz fokussiert, musst du nun handeln und ihn körpersprachlich aus der Situation herausführen.

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Verschiedene Situationen

Hundebegegnungen

Ein angeleinter Hund kommt euch entgegen und dein Hund starrt gebannt zu ihm. Er ignoriert dich und jedes deiner Kommandos komplett. Nutze nun die 3-Sekunden-Regel. Sofern dein Hund noch immer starrt, gibst du nun dein Aufmerksamkeitssignal. Dein Hund sollte nun, in Erwartung auf eine Belohnung, seinen Fokus auf dich legen. Hol nun die Belohnung aus der Tasche, während du mit deinem Hund sprichst: „Na? Willst du das haben? Das ist aber auch eine tolle Belohnung!“

Bei dieser sozialen Interaktion zwischen dir und deinem Hund wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, welches Bindung und Vertrauen fördert und ebenfalls als Stressbremse, also stressdämpfend, wirkt. Die soziale Interaktion sollte immer vor der Belohnung erfolgen. Viele Hunde – ohne eine vorherige soziale Interaktion - holen sich die Belohnung einfach nur schnell ab und wenden sich dem Reiz direkt wieder zu. In diesem Szenario bist du lediglich ein Futterautomat, aber leider kein wertvoller Sozialpartner.

Sobald der andere Hund in etwa auf gleicher Höhe ist bekommt dein Hund seine Belohnung, gegebenenfalls gefolgt von 2 bis 3 weiteren Futterstücken, bis der andere Hund euch passiert hat. Sobald der andere Hund euch passiert hat, stellst du die Belohnung ein, damit dein Hund die Anwesenheit und nicht die Abwesenheit des anderen Hundes mit der Belohnung verknüpft.

Sofern du ein Spielzeug als Belohnung verwendest, bekommt dein Hund das Spielzeug erst, wenn ihr den anderen Hund passiert habt. Voher bleibst du mit deinem Hund in der sozialen Interaktion.

Achtung!

Sollte dein Hund zu Ressourcen-verteitigendem Verhalten neigen, nimm Abstand von solchen Belohnungen. Du könntest den Unmut deines Hundes nämlich unnötig steigern, da du im Angesicht eines Kontrahenten Spielzeug oder Futter hervorholst.

 

Essensreste auf dem Weg

Am Wegesrand liegt ein halbes Brötchen, an dem dein Hund Interesse zeigt. Statt deinem Hund die Aufnahme mit einem Abbruchsignal zu verbieten, sprichst du freundlich dein Aufmerksamkeitssignal aus. Sofern es gut konditioniert ist, wird dein Hund sich dir in freudiger Erwartung auf eine Belohnung zu- und vom Brötchen abwenden.

Auch hier gehst du erstmal auf die soziale Ebene und flirtest verbal mit deinem Hund, während du die Belohnung rausholst und dich von dem Brötchen entfernst. Zeigt dein Hund mal an etwas harmlosem Interesse (wie zum Beispiel: Verpackungsmüll), so ignoriere das einfach. Bei besonders pfiffigen Hunden, baut sich schnell eine Verhaltenskette auf. Das bedeutet, dass sie sich nur mit Etwas am Wegesrand beschäftigen müssen, damit das Aufmerksamkeitssignal ertönt und der Hund sich dafür eine Belohnung abholen darf.

 

Reize, die deinen Hund eskalieren lassen

Versetzen gewisse Dinge oder Lebewesen deinen Hund in Aufregung? Er springt an der Leine vielleicht in Richtung vorbeifahrender Autos, Fahrräder, Jogger oder er bellt andere Hunde an? Auch hier kannst du das Aufmerksamkeitssignal nutzen, um den Fokus deines Hundes frühzeitig, also sobald er den beunruhigenden Reiz entdeckt, auf dich und weg vom Reiz zu lenken.

Timing ist in solchen Situationen besonders wichtig. Hat sich dein Hund bereits festgestarrt und sein kompletter Fokus liegt bereits auf dem Reiz, wirst du mit dem Aufmerksamkeitssignal nicht mehr zu ihm durchdringen. Daher denk immer an die 3-Sekunden-Regel.

 

Merke

Egal ob dein Hund etwas aus Unsicherheit oder Aggression heraus anbellt, er kann dies nur solange er Blickkontakt zum Reiz hat. Die Gedanken deines Hundes sind immer da, wo er gerade hinschaut. Genau darum ist es so wichtig, dass dein Hund zu dir blickt und nicht zum Reiz.

 

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