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Hundebegegnung oder Kontakt zu Hunden zwingend notwenig?

Mancher Hundemensch glaubt, dass sein Hund zu jedem Artgenossen Kontakt aufnehmen muss. So kann er lernen, sich in einer Hundebegegnung sozial zu verhalten. Abhängig von Charakter und Vorgeschichte deines Hundes kann der Kontakt zu Artgenossen allerdings problematisch werden. Ob sich die Hundebegegnung positiv oder negativ auf deinen Hund auswirkt, hängt von seinen Erfahrungen und dem Charakter ab. Schauen wir uns drei unterschiedliche Charaktertypen an.

Verschiedene Hundetypen

Amy, Hütehund-Mix, 10 Jahre

Amy wuchs als Streuner in reizarmer Umgebung auf. Zudem sammelte sie negative Erfahrungen mit Artgenossen und versucht im Freilauf Kontakte eher zu vermeiden. Ein Artgenosse, der sich ihr ungefragt aufdrängt, löst unterschiedliche Reaktionen aus. Mal reagiert Amy freundlich, mal gereizt und mal mit Flucht.

Luca, Collie-Mix, 5 Jahre

Rüde Luca wuchs in einem italienischen Tierheim und anschließender Pflegestelle auf. Dort hatte er regelmäßig Kontakt zu Artgenossen. Im Alter von 6 Monaten zog er als Zweithund nach Deutschland. Seit 1,5 Jahren ist er Einzelhund und hat nur selten Kontakt zu Artgenossen. An der Leine fährt Luca bei einer Hundebegegnung schnell aus der Haut. Im Freilauf ist Luca ein stürmischer Wirbelwind, der anderen Artgenossen schnell zu aufdringlich wird. Wie Luca und meine Amy trotzdem Freunde wurde, erfährst du später.

Elli, Golden-Doodle, 3 Jahre

Hündin Elli zog bereits als Welpe in eine tolle Familie. Elli zeigt gutes Sozialverhalten und verhält sich in einer Hundebegegnung vorbildlich. Auf forsche Draufgänger geht Elli nicht ein. Unsicheren Hunden nähert sie sich respektvoll und vermittelt ihnen Sicherheit. Mit kontaktfreudigen Hunden dreht sie ausgelassen ihre Runden.

Fremdhundkontakt – die Risiken

Dein Hund braucht Kontakt zu Artgenossen, deren Sozialverhalten deinem Hund POSITIVE Lernerfahrungen ermöglichen. Da du die sozialen Fähigkeiten eines fremden Hundes nicht kennst, ist der Ausgang der Hundebegegnung ungewiss. Sie kann positiv verlaufen oder auch schief gehen. Nehmen wir an, DEIN Hund geht bei Sicht eines Artgenossen in Lauerstellung oder sprintet direkt los. Ungebremst läuft er auf den Artgenossen zu. Aus dessen Sicht ist das eine sehr respektlose Annäherung. Der weitere Verlauf der Hundebegegnung hängt davon ab, ob dein Hund auf einen Hund vom Typ Amy, Luca oder Elli trifft.

Erstes Szenario

Der Artgenosse lässt die stürmische Kontaktaufnahme über sich ergehen. Er fühlt sich unwohl, was er durch einen nach hinten-unten geneigten Körperschwerpunkt ausdrückt. Wünschenswert wäre, dass dein Hund auf die körpersprachlichen Signale des Artgenossen reagiert. Er sollte sich zurücknehmen, sodass der Artgenosse sich entspannen kann. Bedrängt dein Hund den Artgenossen weiter, so streichelt er sich auf Kosten des Schwächeren sein Ego. Für den Artgenossen eine sehr unangenehme Situation. Beende die Interaktion, damit beide Hunde etwas Positives aus der Hundebegegnung mitnehmen. Der distanzlose Hund lernt, dass es Grenzen gibt. Der unsichere Hund lernt, dass sein Besitzer*in ihm Schutz bietet.

Lassen die Besitzer*innen die Hundebegegnung laufen, so wirkt sich das auf zukünftiges Verhalten beider Hunde aus. Der forsche Hund agiert immer respektloser und der unsichere Hund immer verschüchterter. Eines Tages zeigt er vielleicht sogar abwehrendes Verhalten, weil er lernte: „Angriff ist die beste Verteidigung!“

Zweites Szenario

Der Hund baut sich körpersprachlich auf oder schnellt kurz bellend nach vorne. Er signalisiert deinem Hund Abstand zu halten, wenn er Ärger vermeiden will. Nimmt sich dein Hund zurück, kann die Hundebegegnung eine positive Wendung nehmen. Ignoriert dein Hund die Ansage des Artgenossen, könnte ein ernsthafter Konflikt entstehen.

Drittes Szenario

Der andere Hund ergreift die Flucht, um die Kontaktaufnahme zu vermeiden. Dein Hund nimmt die Flucht als Anlass, sich dem Artgenossen blitzschnell an die Fersen zu heften. Er hat also großen Spaß, während der Artgenosse unfreiwillig zu Beute wird und starken Stress durchlebt.

Merkmale, die ein ausgeglichenes Spiel auszeichnen

Tipp!

Verhindere, dass dein Hund ungefragt durchstartet und sichere ihn während der nächsten Wochen mit einer Schleppleine. Wähle gezielte Kontakte zu Artgenossen, um effektiv am Sozialverhalten deines Hundes zu arbeiten. Wie ich die Hundebegegnung zwischen meiner reizbaren Amy und Wirbelwind Luca meisterte, verrate ich dir jetzt.

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Meine Hündin Amy hatte keine gute Kinderstube. Fehlt es ihrem Gegenüber ebenfalls an sozialen Fähigkeiten, dann sind negative Erfahrungen vorprogrammiert. Um Amy positive Erfahrungen zu ermöglichen, achte ich auf ausgewählte Kontakte mit gutem Sozialverhalten, wie zum Beispiel Hündin Elli. Reagiert Amy in der Hundebegegnung dennoch über, so korrigiere ich sie mit einem Korrekturwort oder einer Berührung. Amys Unsicherheit ist nämlich keine Entschuldigung dafür, sich einem sozialen Artgenossen gegenüber unsozial zu verhalten. Nach meiner Korrektur entspannt sich Amy sofort und speichert die Hundebegegnung als positive Lernerfahrung ab.

Kurze Zündschnur trifft Wirbelwind

Luca ist ein distanzloser Wirbelwind, der nichts Böses im Schilde führt. Trotzdem bringt ihn seine aufgeregte Art oft in Schwierigkeiten. Da Luca zwischendurch bei unserem YouTube Kanal mitwirkt, musste Amy sich allerdings wohl oder übel mit ihm anfreunden. Obwohl beide Hunde in einer Hundebegegnung soziale Defizite haben, konnten sie mit meiner Unterstützung viel voneinander lernen.

Das erste Zusammentreffen

Luca näherte sich Amy erwartungsgemäß aufgeregt an. Amy reagierte auf seine unhöfliche Annäherung mit einem Abstand fordernden Schnappen. Luca akzeptierte diese Grenze und lernte, in Amys direkter Nähe einen Gang herunterzuschalten. Um einen möglichen Konflikt auszuschließen erfragte ich im Vorfeld Lucas übliche Reaktion, wenn ihn eine Hündin zurechtweist. Die Besitzerin versicherte, dass Luca nicht aggressiv reagiert, weshalb ich die Hundebegegnung mit Amy entspannt anging. Neigt dein Hund zu aggressivem Verhalten, dann sichere ihn unbedingt mit einem Maulkorb.

So gewöhnst du deinen Hund an den Maulkorb

Amys Coaching

Luca hielt ab sofort mehr Abstand zu Amy, doch seine aufgeregte Art nervte Amy nach wie vor. Am liebsten hätte sie ihn alle drei Sekunden gemaßregelt, damit er endlich Ruhe gibt. Um sich an Lucas Persönlichkeit zu gewöhnen, brauchte Amy Unterstützung. Sobald sie Luca fixierte, eine Vorstufe des Abschnappens, ertönte ein zuvor konditioniertes Korrekturwort. Es signalisierte Amy, dass ich mit ihrem Vorhaben nicht einverstanden bin. Amy nahm sich daraufhin zurück und entspannte sich. Nach einigen Wochen hielt Amy Lucas verrückte fünf Minuten immer besser aus. Korrekturen waren nur noch selten nötig und beide spielten immer häufiger miteinander. Um die positive Stimmung zwischen den Hunden zu erhalten, behielt ich das Erregungslevel der beiden im Blick. Stieg es zu hoch an, unterbrach ich die Interaktion körpersprachlich und sorgte für eine Entspannungspause.

FAZIT

Kontakt zu Artgenossen? Ja, aber nicht um jeden Preis. Frage vorher, ob dein Gegenüber Kontakt möchte. Wäge ab, ob der Kontakt sowohl deinem als auch dem anderen Hund guttut. Ermögliche deinem Hund sinnvolle soziale Kontakte zu Hunden, deren Charakter mit dem deines Hundes harmoniert. Im Familien-, Bekannten- oder Freundeskreis oder auch im ausgeglichenen Rudel eines Hundesitters findet sich bestimmt ein geeigneter Artgenosse für eine entspannte Hundebegegnung.

https://youtu.be/isfDQ3kXZ6U

1 Kommentar zu „Hundebegegnung oder Kontakt zu Hunden zwingend notwenig?“

  1. Super Beitrag!
    Eine Frage habe ich jedoch: Du regulierst teilweise mit einem Korrekturwort. Was verwendest Du hier? Ein Abbruchsignal? Oder rufst Du deinen Hund m8t dem Rückruf aus der Situation?
    Schonmal Danke für eine Rückmeldung!

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